Die Banken-Stadt (Bild: metropolico.org)
Die Banken-Stadt (Bild: metropolico.org)

Frankfurt: Zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegen Drogenhändler in einem Wohngebiet greift der Frankfurter Ortsbeirat 10. Man hofft, der Situation endlich Herr zu werden, indem vor Ort die Bänke abgeschraubt werden. Eine Lokalpolitikerin der CDU ist dagegen und sieht sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert.

In einer Siedlung im nördlichen Frankfurter Stadtteil „Frankfurter Berg“ klagen Bürger seit Jahren über beängstigende nächtliche Aktivitäten, so berichten die Lokalzeitungen Frankfurter Neue Presse (FNP) und Frankfurter Rundschau (FR). Es ist von lautstarken Treffen „Halbstarker“ oder „junger Erwachsener“ die Rede, bei denen auch mit Waffen geprahlt und mit Drogen gehandelt werde.

Nach einer Unterschriftensammlung konnten die Anwohner Ortsvorsteher Robert Lange von der CDU auf ihre Seite ziehen, so dass der Ortsbeirat mit seiner Mehrheit aus CDU und Grünen in der vergangenen Woche nun die geforderten Konsequenzen zog. Die Bänke, auf denen sich die betreffenden Personen für die lautstarken Drogengeschäfte niedergelassen hatten, werden abmontiert.

Protest gibt es laut FR von FDP, LINKEN und SPD. Stadtteilbotschafter und Stipendiat der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, Viktor Selmanaj, sprach gar von einer „Provokation“, da dadurch das Verhalten einiger Krimineller auf alle Jugendliche übertragen werde. Die Sozialbezirksvorsteherin Heide-Marie Teske (CDU) kritisiert die Maßnahme ebenfalls. Sie hält die Beschwerden der Anwohner für übertrieben und sprach in dem Zusammenhang von „Fantasie“. Ein Arbeitskreis des Regionalrats habe, so Teske gegenüber der FNP, auch schon erste Ideen entwickelt und mit den zuständigen Behörden bereits Gespräche geführt.

Teske griff auf der Ortsbeiratssitzung am 30. September einzelne Anwohner und Befürworter der Maßnahme persönlich an, wie die FR berichtet. Einem farbigen Bürger riet sie, er solle „in den Urwald ziehen“, wenn er es ruhig haben wollte. Der Wortführerin der Bänkegegner, Ute Deininger, empfahl sie den Umzug nach Sibirien.

Die Diskussion zwischen den Anwohnergruppen wird als „aufgeheizt“ bezeichnet. Es ist unklar, ob der Entzug der Sitzgelegenheit für örtliche Störenfriede auf Dauer die einzige Maßnahme sein wird oder ob die Behörden, wie gefordert, eine nachhaltige Lösung herbeiführen. (TF)