Düsseldorf: Mehr als 350 Menschen demonstrierten am Samstag gegen Krieg und Imperialismus. Mehrfach wurde auf der hauptsächlich von Linken und Kurden besuchten Kundgebung die Aufhebung des PKK-Verbotes gefordert. Es wurde aber auch betont, dass Engagement für Frieden nicht Pazifismus bedeuten dürfe. Kritisch wurde es, als die Demonstranten einen überwiegend muslimisch bewohnten Stadtteil durchquerten.

Auch Feministinnen haben am Samstag in Düsseldorf gegen den Krieg demonstriert (Bild: metropolico.org)
Auch Feministinnen haben am Samstag in Düsseldorf gegen den Krieg demonstriert (Bild: metropolico.org)

Es waren deutsche, kurdische sowie türkische Linke jeglicher Couleur, die sich am Samstagmittag um 12 Uhr vor dem Düsseldorfer DGB-Haus versammelten, um unter dem Motto „Stoppt die Kriege! Solidarität mit den Widerstandsbewegungen!“ zu demonstrieren: DKP-Flaggen waren zu erblicken, Fahnen der „Linkspartei“ und ihrer Jugendorganisation „Solid“, aber auch solche der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD). Auch Feministinnen, Mitglieder verschiedenster „antifaschistischer“ Gruppierungen, türkische Kommunisten sowie Anhänger der in Deutschland als Terror-Organisation eingestuften und deswegen verbotenen PKK gaben sich auf vielfältigste Art und Weise zu erkennen.

Der erste Redner wurde als Vertreter der palästinensischen Linken vorgestellt und bedankte sich unter anderem für „die Solidarität mit den Verwundeten und den in israelischen Gefängnissen Inhaftierten“. Die Terror-Organisation Hamas und deren Aktivitäten erwähnte er mit keinem einzigen Wort. Der nächste Redner beklagte die Berichterstattung der Rheinischen Post zur Krise um die Ukraine, einen Redakteur nannte er namentlich und kritisierte diesen heftig. Den russischen Präsidenten Putin als Aggressor darzustellen, gar historische Vergleiche zu Hitlers Okkupierungen zu ziehen, sei ein „Aufruf zu Rüstung und Gewalt“ durch die Düsseldorfer Tageszeitung, so der empörte Redner. Helmut Born aus dem Landesvorstand der nordrhein-westfälischen „Linkspartei“ forderte die Aufhebung des PKK-Verbotes sowie die „großzügige Aufnahme von Flüchtlingen“ aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten. Ein Redner betonte seine „solidarischen Grüße an die israelischen Kriegsdienstverweigerer“.

Kritische Situation in der Ellerstraße

Ein Demonstrant hatte sich in eine Che Guevara-Flagge gehüllt (Bild: metropolico.org)
Ein Demonstrant hatte sich in eine Che Guevara-Flagge gehüllt (Bild: metropolico.org)

Ungefähr eine Stunde warteten die Veranstalter, damit sich auch später angereiste Teilnehmer noch der Kundgebung anschließen konnten. Dann begab sich der laut Polizei aus mehr als 350 Menschen bestehende Demonstrationszug auf seinen Weg durch die Düsseldorfer Innenstadt. Passanten wurden von einem Meer aus roten Fahnen und lautstarken Rufen wie „Free Palestine“, „Hoch die internationale Solidarität“ oder „Freiheit für Kurdistan“ überrascht. Spannend wurde es, als die Kundgebung eine weitere Stunde später durch die Ellerstraße zog: Überall kamen Türken aus ihren Geschäften, um sich den Demonstrationszug aus der Nähe anzusehen. Begeistert wirkten sie nicht. Auch waren mehrfach Salafisten auf der Straße zu sehen, die die Kundgebung ebenfalls mit ausdruckslosen Gesichtern verfolgten. Das rhythmische Trommeln der Demonstranten verstummte, stattdessen wurde plötzlich arabische Musik vom Band gespielt.

Gegenüber metropolico bestätigte ein Vertreter der Polizei später, dass an dieser Stelle der Demonstration eine größere Anzahl von Einsatzkräften vor Ort war: „In diesem Teil der Stadt wohnen sehr viele konservative Türken. Und es waren viele PKK-Anhänger im Demonstrationszug. Wenn da jemand ein falsches Wort sagt, können die Emotionen schon mal schnell hochkochen.“ Aber die Befürchtungen der Polizei bewahrheiteten sich nicht, die Demonstranten konnten ungestört weiterziehen und verzichteten nach dem Verlassen dieses Stadtteils auch wieder auf arabische Musik.

„Aufstände und Intifada“

Die Hauptbotschaft der Kundgebung war, dass Kriege, Militarismus und Imperialismus nur dann überwunden werden können, wenn der Kapitalismus überwunden und es „echten Sozialismus“ geben werde. Die Hauptforderungen galten der Aufhebung des Verbotes der PKK sowie dem Ende von Rüstungsexporten. Bei einem kurzen Halt am Oberbilker Markt betonte ein Vertreter einer Düsseldorfer Gruppierung, wie wichtig es „in dieser Zeit“ sei, gegen Krieg und Imperialismus zu demonstrieren. Er forderte aber auch, dass das Engagement für den Frieden nicht Pazifismus bedeuten dürfe; das Motto müsse vielmehr „Aufstände und Intifada“ lauten. Die Abschlussrede vor dem Hintereingang des Düsseldorfer Hauptbahnhof hielt ein Vertreter der türkischen Linken – allerdings in Türkisch. Als die Kundgebung wenige Minuten vor 15 Uhr wieder aufgelöst wurde, zeigten sich Polizisten erleichtert darüber, dass alles ruhig geblieben ist. (PH)