Frankfurt: Die bundesweite Kundgebung gegen Judenhass war ein voller Erfolg. Juden, Kurden und Jesiden demonstrierten gemeinsam gegen Antisemitismus und Extremismus. Laut Veranstalter nahmen rund 4.000 Menschen an der Kundgebung teil.

Juden, Kurden und Jesiden demonstrieren gemeinsam (Bild: metropolico.org)
Juden, Kurden und Jesiden demonstrieren gemeinsam (Bild: metropolico.org)

Die bundesweite Kundgebung gegen Judenhass am Sonntag auf dem Frankfurter Römerberg war ein voller Erfolg. Ursprünglich als Demonstration für Israel und gegen Judenfeindlichkeit geplant, nahmen kurzerhand auch zahlreiche Kurden und Jesiden aufgrund der jüngsten Entwicklungen in Syrien und dem Irak an der Demonstration teil. Es entwickelte sich eine farbenfrohe Kundgebung gegen jegliche Form von Antisemitismus und Extremismus. In Sprechchören bekundeten die Teilnehmer ihre Solidarität mit Israel und Kurdistan, prangerten zudem die islamistischen Organisationen Hamas und Islamischer Staat gleichermaßen an.

Antisemitismus findet sich in allen extremistischen Strömungen

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann zählte zu den Rednern (Bild: metropolico.org)
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann zählte zu den Rednern (Bild: metropolico.org)

Zu den Rednern zählten unter anderem der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsmann, der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Grünen-Politiker Volker Beck, der SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel und der Nahost-Experte Matthias Küntzel. Sie alle beklagten die jüngste Eskalation der Judenfeindlichkeit auf deutschen Straßen und forderten ein entschiedenes Engagement der Gesellschaft gegen jede Form von Extremismus. Küntzel wies darauf hin, dass auch der deutsche Nationalsozialismus zum Entstehen der Judenfeindlichkeit im islamischen Kulturkreis beigetragen habe. Die Nazis hätten jahrelang über Radiosender antisemitische Propaganda in der arabischen Welt verbreitet.

Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) merkte in seiner Rede kritisch an, dass der Römerberg wohl noch viel besser besucht wäre, hätten die jüngsten Wellen der Judenfeindlichkeit einen rechtsextremen Hintergrund gehabt. Antisemitismus finde sich aber in allen extremistischen Strömungen und müsste gleichsam verurteilt und bekämpft werden, ganz gleich, ob es sich um einen rechtsextremen, linksextremen oder islamistischen Hintergrund handele. Ein Vertreter der kurdischen Gemeinde forderte unter tosendem Applaus der anwesenden Kurden die USA und den Westen zur Unterstützung im Kampf gegen den Islamischen Staat auf. In Kurdistan lebten Menschen aller Religionen friedlich zusammen. Dieser Frieden sei durch den islamischen Extremismus existenziell bedroht.

Aus ganz Deutschland in Bussen angereist

Zum Ende der Veranstaltung wandelte sich die Demonstration beinahe in eine Party: Juden, Kurden, Jesiden und deutsche Demonstrationsteilnehmer tanzten gemeinsam zur israelisch-kurdischen Musik der Jerusalemer Künstlerin Hadessa Jeshurun. Es wehten Fahnen Israels, Kurdistans, Deutschlands und der USA.

Zu einer Gegendemonstration kam es laut Polizei nicht. Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer gegenüber metropolico auf 4.000 Menschen zu Beginn und etwa 3.000 Menschen gegen Ende der Veranstaltung. Zahlreiche Demonstrationsteilnehmer waren aus ganz Deutschland in Bussen angereist und traten etwa gegen 18 Uhr die Rückreise an. Da tanzten auf dem Römerberg immer noch hunderte Menschen gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit und Extremismus. (MP)