Duisburg: Wegen des strömenden Regens war die Demonstration des „Netzwerk gegen Rechts“ am Freitag gegen Israel eher unterdurchschnittlich besucht. Trotzdem nutzte das Netzwerk die Kundgebung, seine eigenwillige Interpretation des Nahost-Konfliktes vorzutragen.

Plakat auf der Duisburger Demonstration am Freitag (Bild: metropolico.org)
Plakat auf der Duisburger Demonstration am Freitag (Bild: metropolico.org)

Fast wäre die Demonstration im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen: Zum offiziellen Kundgebungsbeginn um 17 Uhr prasselte ein massiver Regenguss auf den Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofes nieder, Blitze zuckten am Himmel und die Demonstrationsteilnehmer mussten sich unter den überdachten Bahnhofseingang flüchten. Gekommen waren bekannte Gesichter bisheriger Veranstaltungen dieser Art an Rhein und Ruhr, so beispielsweise Taylan Can, der Initiator der Bochumer Kundgebung, der erst vor einer Woche in Hagen das Vergnügen hatte, sein „Kindermörder Israel“ durch ein Polizei-Megaphon brüllen zu dürfen. Aber auch einige Muslime in sogenannter traditioneller Kleidung waren zu sehen, vereinzelte Türken, die sich durch entsprechende Flaggen als Erdogan-Anhänger zu erkennen gaben und auch eine Vertreterin des Frauenverbandes „Courage“. Und wie immer bei Veranstaltungen des Duisburger „Netzwerk gegen Rechts“ waren die bekannten Gesichter der linksextremen Antifa der Stadt zu erblicken. Die Sprechchöre waren altbekannt; „Takbir!“, „Allahu akbar“ sowie das unvermeidliche „Kindermörder Israel“. Lediglich Can brachte mit seinem in Reimform vorgetragenen „Leute, seid ihr taub und stumm, Israel bringt Kinder um“ etwas Kreativität ins Spiel.

Eine Erdogan-Anhängerin schwenkt vor dem Start der Duisburger Demo eine Fahne mit dem Bild des türkischen Regierungschefs (Bild: metropolico.org)
Eine Erdogan-Anhängerin schwenkt vor dem Start der Duisburger Demo eine Fahne mit dem Bild des türkischen Regierungschefs (Bild: metropolico.org)

Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, verteilten Vertreter des Netzwerkes schnell noch Plakate mit der Aufschrift „Gegen Apartheid – Boykottiert Israel“, danach konnte der Demonstrationszug mit seinen fast 200 Teilnehmern endlich starten. Die Reden wurden praktischerweise unterwegs gehalten, aus einem vorwegfahrenden Auto heraus. Hierbei offenbarten die Vertreter des Netzwerkes ihre eigenwillige Sicht auf den Nahost-Konflikt: Israel führe seit 1948 Kriege, um sein Territorium auszudehnen und verhindere damit die Zwei-Staaten-Lösung. Die Blockade sei eine „Bestrafung des freien Wählerwillens“, der die Hamas 2006 in demokratischen Wahlen an die Macht gebracht habe. Somit sei die „Selbstverteidigung“ der Palästinenser im Gaza-Streifen legitim, während der aktuelle Krieg von Israel ausgegangen sei und eine „beispiellose Aggression“ darstelle.

Unruhe nach „Ich mag Juden“-Ruf

Wie immer auf Veranstaltungen dieser Art wurde mehrfach betont, dass die Kundgebung nichts mit Antisemitismus zu tun und man „keinen Hass gegen eine bestimmte Religionsgruppe“ hätte. Trotzdem entstand sofortige Unruhe als ein älterer Mann vor einer Döner-Bude den Demonstranten „Ich mag Juden“ zugerufen hatte. Polizisten reagierten blitzschnell und drängten den Mann in das Innere der Döner-Bude, andere stellten sich schützend davor. Offenbar wollte trotz der inflationär vorgetragenen Bekundungen, die Kundgebung hätte nichts mit Antisemitismus zu tun, niemand das Risiko einer antisemitischen Ausschreitung eingehen. Aber nur wenige Teilnehmer hatten den Ruf gehört, die Demonstranten zogen ungerührt weiter.

Nur kurz nach diesem Fast-Zwischenfall setzte erneut starken Regen ein und die Demonstranten mussten ihre Schirme aufspannen. In der Nähe des Marientors flüchteten sich die Kundgebungsteilnehmer unter eine Brücke, kurz darauf wurde die Veranstaltung schon wieder aufgelöst. Das Wetter hat es an diesem Tag mit der Duisburger Antifa einfach nicht gut gemeint. (PH)