dfdfd
Die neue Schweizer Nationalhymne soll nicht zu einer „Conchita-Wurst-Hymne“ verkommen  (Bild: metropolico.org)

Zu religiös, zu überladen und antiquiert sei sie, die Schweizer Nationalhymne. Doch die Tage der eidgenössischen Hymne könnten bald gezählt sein. Am Montag läuft die Eingabefrist eines Wettbewerbs ab, dessen Ziel die „Schaffung einer zeitgemäßen Nationalhymne“ ist. Kritiker haben Bedenken, dass die Abstimmung zu einer  „dümmliche Casting-Show“ verkommt.

Die Rütli-Gesellschaft hat zur Einsendung musikalischer Vorschläge aufgerufen und bereits 116 Texte in den Sprachen Französisch, Italienisch und Rätoromanisch erhalten. Bis zum Herbst wählt eine Jury zehn Beiträge aus, die sie in alle vier Landessprachen übersetzen lässt. Danach soll per Telefon- und SMS-Voting der Siegersong bestimmt werden und bis spätestens 2016 dieser dann dem Schweizer Bundesrat zur Genehmigung als künftige Nationalhymne überreicht werden.

In der Schweizer Volkspartei (SVP) regt sich jedoch Widerstand gegen den Wettbewerb. Eine „dümmliche Casting-Show“ sei die geplante Vorgehensweise. Der SVP-Nationalrat Peter Keller verlangt, dass die Siegerhymne dem Parlament als referendumsfähiger Beschluss vorgelegt werde, sodass schließlich das Volk darüber entscheiden kann. Der Schweizer Bundesrat indes hat den Vorstoß jedoch abgelehnt, so das Nachrichtenmagazin 20min.

Conchita Wurst mal DJ Bobo

Peter Keller, freier Autor der Weltwoche und SVP- Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur bemängelt, dass die Regierung sich vor einer klaren Antwort drücke. Es sei verdächtig, wenn sich der Bundesrat nicht deutlich dafür aussprechen will, dass das Volk bei der Wahl einer neuen Hymne das letzte Wort hat. In einer Demokratie muss eine neue Hymne nicht per Telefon-Voting, sondern per Volksabstimmung beschlossen werden, so seine feste Überzeugung.

Was das Ergebnis sei, wenn das Publikum entscheiden könne, zeige sich jeweils am Ergebnis des Eurovision Song Contests, so der Journalist Keller weiter. „Conchita Wurst mal DJ Bobo – das wäre unsere neue Hymne!“ Der aktuelle Schweizerpsalm habe eine wunderbare Entstehungsgeschichte. Es dürfe nicht sein, dass ausgerechnet die Rütli-Gesellschaft diese als altmodisch abkanzle.

Bis 1961 war „Rufst du, mein Vaterland“ die Hymne der Eidgenossen. Ein populäres Lied, nur gab es ein kleines Problem: Es wurde zur selben Melodie gespielt wie die britische Hymne „God save the Queen“, was ab und an für Verwirrung sorgttre. Dieses Schicksal wurde ebenfalls von der russischen Zarenhymne, der Bayernhymne „Heil unserm König, Heil!“, der liechtensteinischen Hymne und der preußische Volkshymne „Heil dir im Siegeskranz“ geteilt. Der „Schweizerpsalm“ wurde schließlich nach Abstimmung in den Kantonen zur offiziellen Nationalhymne erklärt.

Aufregung in Österreich

Das Nachbarland Österreich erfährt momentan eine ähnliche Aufregung rund um seine Nationalhymne. Beim Formel-1-Rennen im österreichischen Spielberg hatte der Volksmusikstar Andreas Gabalier eine alte Version der Nationalhymne gesungen, der die Alpenrepublik als Heimat „großer Söhne“ preist.

Dies rief die österreichische Bildungsministerin Heinisch-Hose (SPÖ) auf den Plan, die sich genötigt sah, in Facebook ein Foto zu veröffentlichen, dass sie mit dem richtigen Text als „kleine Lernhilfe“ für den Sänger zeigte. Die öffentliche Belehrung ging dahingehend, dass in der aktuellen Fassung, die 2012 beschlossen wurde, es „Heimat großer Töchter und Söhne“ heiße. Diese Schulmeisterei löste, wie der Spiegel berichtet, einen „Shit-Storm“ im Internet aus. (DB)