Am Sonntag hat die Terror-Organisation ISIS ein islamisches Kalifat ausgerufen. Medienberichte über Kreuzigungen lassen befürchten, dass die in der ISIS organisierten Salafisten jetzt systematisch Jagd auf Christen machen. Proteste gegen den Terror der ISIS gibt es in Deutschland nicht.

Rot: Von der ISIS kontrolliertes Gebiet, Rosa: Von der ISIS beanspruchtes Gebiet, Beige: Rest von Irak und Syrien (Grafik: NordNordWest, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: Siehe Link, Grafik wurde bearbeitet)
Rot: Von der ISIS kontrolliertes Gebiet, Rosa: Von der ISIS beanspruchtes Gebiet, Beige: Rest von Irak und Syrien (Grafik: NordNordWest, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: Siehe Link, Grafik wurde bearbeitet)

Vor drei Wochen hatte die Terror-Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) eine Offensive gegen die irakische Regierung in Bagdad begonnen. Die radikale Salafistengruppe, bei der auch viele deutsche Muslime aktiv sind, brachte seitdem große Teile des Nordirak unter ihre Kontrolle. Laut Angaben der UNO sind bei dieser Offensive bislang rund 1.000 Menschen getötet worden. Die Jihadisten kämpfen auch im benachbarten Syrien gegen die dortige Regierung. Ihr Ziel ist die Gründung eines grenzübergreifenden Kalifats, eines nach den Regeln der Scharia organisierten islamischen Staates.

Am Sonntag hat die ISIS in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft dieses Kalifat nunmehr auch offiziell ausgerufen. Die Erklärung erging in Arabisch, Englisch, Russisch, Französisch und Deutsch. Zum Kalifen und damit zum „Anführer aller Muslime“ wurde Abu Bakr al-Bagdadi ernannt, der Anführer der ISIS. Mit der Ausrufung des Kalifats änderte sich auch der Name der ISIS, die sich jetzt nur noch „Islamischer Staat“ nennt.

Werden Christen gekreuzigt?

Die Flagge der ISIS: oben die Schahada, das Glaubensbekenntnis des Islam, unten das Siegel Mohammeds (Rechte: Gemeinfrei)
Die Flagge der ISIS: oben die Schahada, das Glaubensbekenntnis des Islams, unten das Siegel Mohammeds (Rechte: Gemeinfrei)

Wie die Rheinische Post berichtet, wurden in der Nähe der nordsyrischen Stadt Aleppo acht Männer von der ISIS öffentlich hingerichtet und gekreuzigt. Die Opfer seien in dem Ort Deir Hafir getötet worden. Die Leichen der Männer wurden auf einem zentralen Platz gekreuzigt und sollen dort drei Tage lagen bleiben. In dem Ort Al-Bab nordöstlich von Aleppo schlugen Mitglieder der ISIS auf einem öffentlichen Platz einen weiteren Mann lebendig ans Kreuz und ließen ihn acht Stunden lang hängen.

Auffällig ist, dass deutsche Medien bei ihrer Berichterstattung über die Kreuzigungen immer wieder darauf verweisen, dass die Opfer für „eine konkurrierende Rebellengruppe“ gekämpft haben sollen. Da der Koran die Kreuzigung als Todesstrafe gemäß Sure 5,33 nur bei Gegnern im „Heiligen Krieg“ erlaubt, ist jedoch anzunehmen, dass die Opfer deswegen gekreuzigt wurden, weil sie Christen oder Aleviten waren. Medien und Sicherheitsbehörden ist seit längerem bekannt, dass die ISIS systematisch Christen ermordet. Auch hatte die Bild-Zeitung am 19. Juni berichtet, dass Christen in einem von der ISIS kontrollierten Gebiet eine „islamische Steuer“ bezahlen müssen. Damit dürfte die „Dschizya“ gemeint sein, die für die nicht-muslimischen Schutzbefohlenen („Dhimmis“) unter islamischer Herrschaft auferlegte Steuer.

„Das hat mit Islam nichts zu tun“

Der ARD-Journalist Jörg Armbruster behauptete vor einer Woche im deutschen Fernsehen, der Krieg der ISIS sei nicht religiös motiviert: „Jeder normale Imam würde sofort protestieren und sagen, das hat mit Islam nichts zu tun.“ Bislang ist jedoch nichts über Proteste von Imamen oder anderen Muslimen gegen den Terror der ISIS bekannt. Aber auch auf Seiten deutscher Christen oder politischer Parteien regte sich bislang keinerlei Protest. (PH)

Der Artikel wurde am 30.06.14 um 20 Uhr 10 geändert.