Sven Lau ruft im Internet zu einer Salafisten-Kundgebung am Samstag in Offenbach. Er will dort über die „sogenannte Unterdrückung der Frau im Islam“ sprechen. Dank der Einstellung von Strafverfahren und eines neuen BGH-Urteils ist der unter Terror-Verdacht stehende Lau noch immer auf freiem Fuß.

Sven Lau auf einer Salafisten-Kundgebung in Mönchengladbach (Bild: vafpage.de)
Sven Lau auf einer Salafisten-Kundgebung in Mönchengladbach (Bild: vafpage.de)

Der Mönchengladbacher Salafisten-Chef „Abu Adam“ alias Sven Lau rief am Dienstag in einem auf YouTube veröffentlichten Video Muslime und Nicht-Muslime dazu auf, am Samstag an einer Salafisten-Kundgebung in Offenbach teilzunehmen. Die Kundgebung soll ab 15 Uhr auf dem Platz der deutschen Einheit stattfinden. Auch Pierre Vogel soll dort auftreten. Eines der Themen der Kundgebung soll die Scharia sein. Lau selber will über die „sogenannte Unterdrückung der Frau im Islam“ sprechen und klarstellen, dass es diese gar nicht gibt. Er betonte in dem rund zweiminütigem Video, dass er und seine „Brüder“ sich nicht fürchten, offen über den Islam zu sprechen, „weil unsere Religion einfach perfekt ist, Alhamdulillah“, so Lau weiter.

Der Salafisten-Prediger hatte bereits 2013 in einer Neusser Moschee einen rund halbstündigen Vortrag über die „Unterdrückung der Frau in Deutschland“ gehalten, in dem er die Keuschheit verhüllter Frauen lobte, nicht dem islamischen Ideal entsprechende Frauen als „Huren“ bezeichnete und zum Ende seiner Rede Allah bat, er möge „die deutschen Frauen rechtleiten“.

Sven Lau symbolisiert das Versagen des Rechtsstaates

Kein anderer deutscher Salafist symbolisiert das Versagen des Rechtsstaates so wie Sven Lau: Bereits 2011 ist er in Mönchengladbach mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Aber obwohl er selber eingeräumt hatte, an einer Schlägerei beteiligt gewesen zu sein, bei der ein am Boden liegender und alkoholisierter Karnevalist von etwa 15 Salafisten brutal zusammengeschlagen wurde sowie nur Monate nach der Schlägerei von der Polizei als Hauptverdächtiger einer Brandstiftung ermittelt wurde, musste er bis heute kein einziges Mal auf der Anklagebank eines Mönchengladbacher Gerichts Platz nehmen (metropolico berichtete). Er wurde erst am 24. Februar dieses Jahres wegen seiner Verstrickungen in den syrischen Bürgerkrieg auf Veranlassung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft in Haft genommen (metropolico berichtete). Vorgeworfen wurde ihm die Rekrutierung von Jihadisten und das Sammeln von Spenden für in Syrien aktive Terror-Gruppen. Nach metropolico vorliegenden Informationen befinden sich in Laus Ermittlungsakte auch Fotos, die ihn, eine Kalaschnikow schwingend, in Syrien im Kreise weiterer Jihadisten auf einem T-62-Kampfpanzer unter der Flagge der Terror-Organisation ISIS zeigen.

Am 8. Mai aber wurde vom Bundesgerichtshof (BGH) ein Urteil gegen einen salafistischen Bombenbauer aufgehoben und dabei festgelegt, dass eine Verurteilung nach dem Antiterror-Paragraphen 89a StGB nur noch dann erfolgen darf, wenn dem Täter nachgewiesen wird, dass er „fest entschlossen” war, eine schwere staatsgefährdende Straftat zu begehen. Dieser vom BGH nunmehr geforderte Nachweis ist faktisch aber nur durch Anschlagspläne im Endstadium oder den vollendeten Anschlag zu erbringen, womit die Stuttgarter Staatsanwaltschaft trotz ihrer erfolgreichen Ermittlungen gezwungen war, die Anklage gegen Lau wieder zurückzunehmen. Am 22. Mai wurde er aus der Haft entlassen (metropolico berichtete). Seitdem tourt er wieder mit seinem „Bruder“ Pierre Vogel durch Deutschland. (PH)