In NRW bietet ein Präventionsprojekt für kriminelle Kinder und Jugendliche „maßgeschneiderte Hilfsprogramme“ bis hin zu „Coolness-Training“ und „Elterncoaching“. Zu den Kosten des Projekts sagt Innenminister Jäger (SPD) nichts. Stattdessen schildert er eine Erfolgsgeschichte.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (Bild: Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen; Fotograf: Bernd Schälte; Signatur: A0601/2912/592)
NRW-Innenminister Ralf Jäger (Bild: Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen; Fotograf: Bernd Schälte; Signatur: A0601/2912/592)

In Nordrhein-Westfalen ist die Kinder- und Jugendkriminalität in den letzten Jahren stark angestiegen. Wie bei allen Bedrohungen der inneren Sicherheit setzt der ehemalige Pädagogik-Student und heutige Landes-Innenminister Ralf Jäger (SPD) auch in diesem Zusammenhang ausschließlich auf präventive und sozialpädagogische Maßnahmen. Dazu gehört „Kurve Kriegen“, ein Präventionsprojekt der nordrhein-westfälischen Polizei. Wie Jägers Ministerium am Montag in einer Presse-Mitteilung kundtat, soll dieses Projekt jetzt ausgeweitet werden.

Bislang haben in acht Modellregionen mehr als 300 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren an dem bundesweit einmaligen Projekt teilgenommen. „Viele von ihnen haben die Chance genutzt und noch rechtzeitig die Kurve gekriegt, bevor sie in die Kriminalität abgerutscht sind. Sie haben ihrem Leben eine neue Richtung gegeben“, so Jäger am Montag in Münster. Dort gab er den Startschuss für die neue Kooperation zwischen der Polizei und der Stadt Münster. Polizei und Kommunen arbeiten in dem Projekt eng zusammen. „Gemeinsam verhindern wir, dass gefährdete Kinder und Jugendliche zu Intensivstraftätern werden“, so Jäger. Weitere Kooperationen sind geplant.

Hilfe statt Strafe und sogar eine Erfolgsgeschichte

Wie erfolgreich „Kurve kriegen“ sein soll, machte Jäger am Beispiel des 13-jährigen Tom deutlich: Der Junge ist der Polizei innerhalb weniger Monate erst mehrfach wegen Diebstahls, dann wegen Bedrohungen von Mitschülern, Prügeleien und Raub aufgefallen. Er ging auf andere Kinder mit Fäusten und Fußtritten los. „So konnte es nicht weiter gehen. Die Polizei hat gehandelt, bevor Tom zu einem Intensivtäter wird“, erläuterte Jäger. „Wir wollen Kindern wie Tom frühe Hilfe geben, statt sie später bestrafen zu müssen. Das ist der Leitgedanke von ‚Kurve kriegen’.“ In den Projektteams der Polizei kümmern sich pädagogische Fachkräfte wie Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Erziehungswissenschaftler oder Psychologen um die kriminellen Kinder. „Damit verhindern wir, dass die Liste ihrer Straftaten länger und länger wird und weitere Menschen Opfer von Gewalt und Kriminalität werden“, erklärte der Innenminister.

Die Teilnahme an dem Programm ist freiwillig. Die Betreuung soll mindestens zwei Jahre dauern. In dieser Zeit ist die pädagogische Fachkraft der Ansprechpartner für die Familien und die Kinder. „Die Palette der Hilfe reicht vom Anti-Aggressionstraining über Lernhilfen und Sportangebote bis hin zu Elterntrainings“, erläuterte Jäger. Auch Tom und seine Eltern haben ihr Einverständnis gegeben. „Der Sozialarbeiter hat der Familie ein maßgeschneidertes Hilfsprogramm zusammengestellt“, erklärte der Minister. Tom lernte in einem „Coolness-Training“ den Umgang mit Frustration und das faire Verhalten in der Gruppe. Seinen Eltern wurde ein „Elterncoaching“ vermittelt, um ihre erzieherischen Kompetenzen zu stärken. Tom soll seitdem nicht wieder straffällig geworden sein. Jäger: „Wir helfen Kindern, bevor sie zu Tätern werden. Das erspart der Gesellschaft langfristig Millionen und vielen Menschen traumatische Erlebnisse.“ Wie viele Millionen seine Präventionsprojekte den Steuerzahler kosten, sagte Ralf Jäger nicht. (PH)