Frage an den Blauen Doc: Warum ist es im Zoo so schön?

Hunde, wollt Ihr ewig in Frieden leben? (Bild: metropolico.org)
Hunde, wollt Ihr ewig in Frieden leben? (Bild: metropolico.org)

Dem Himmel sei dank! Der Sturm ist losgebrochen. Das Visier ist gelüftet. Die Anführer haben die Geduld verloren und sind in die Schlacht gezogen. Im Irak kämpfen Gotteskrieger gegen eine diktaturerprobte Bevölkerung mit einer nicht einsatzfähigen Armee.

Um das gut zu finden, muss man entweder ein elefantenhäutiger Zyniker sein, oder man sieht auf das Geschehen wie ein Stratege, der weiß, dass eine große Auseinandersetzung auch bei uns unausweichlich ist und der nun die Szenarien bewertet. Bislang wurde die Islamisierung nur unter der Überschrift „Religion des Friedens“ und Toleranzschuld gegenüber andersartigen Bräuchen vorangetrieben. Die Frage, ob man darin für ein westliches Land etwa einen Fortschritt sieht, stellte sich nicht, oder sie war irrelevant, da Fortschritt etwas mit Genmais und Atomen zu tun hat und daher sowieso verdächtig und retro ist.

Was zählt, ist einzig der Frieden, und den haben wir ja wohl. Gehabt, muss man sagen, denn nun brach er los, der nicht so friedliche Kampf um die Vorherrschaft des Islam, nicht unter irgendeinem Vorwand oder unter einer nichtssagenden Überschrift, sondern mit gehisster Fahne: ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien). Da steht es schwarz auf weiß.

Sollen sie doch, könnte man meinen. Im Irak und in Syrien – Wat geiht meck dat an? Doch, wie manch einer bemerkt hat, bezeichnet sich die Gruppe selbst als „Islamischer Staat im Irak und der Levante“, also einem Bereich, der etwa nach der Definition des „Council for British Research in the Levant“ Zypern, Israel, Jordanien, den Libanon, Palestina und Syrien umfasst. Treffender könnte man die Armee benennen als „Heute gehört uns der Irak, morgen die ganze Welt“.

Trüge die Gruppe nicht den Islam im Namen, wäre die Weltgemeinschaft vermutlich lange vorher aufgewacht. Eine Armee „Für ein Großreich vom Jordan bis zum Tigris“ wäre ungleich beunruhigender – ebenso wie eine ägyptische Partei namens „Die Brüderschaft“ auch in Deutschland auf Skepsis gestoßen wäre und nicht den Toleranzvorschuss erhalten hätte, wie die „Muslimbruderschaft“.

Aber jetzt ist alles klar, Name und Programm stehen für jeden – Jeden! – sichtbar nebeneinander in der Selbstbezeichnung einer Armee, die sich auf die Frömmigkeit des heiligen Buches und das Vorbild ihres Propheten beruft. Die Soldaten in dieser Armee kämpfen dort nicht, obwohl sie fromm sind, sondern gerade weil sie gemäß den uneingeschränkt gültigen Glaubensvorgaben ganz besonders fromm sind.

Vermutlich – ganz sicher sogar – gibt es viele Menschen, die, als Moslem geboren, in einer aufgeklärten Umwelt erwachsen wurden und sich in ihrer bereits teilweise vollzogenen Säkularisierung für das Selbstverständnis dieser Armee mit ihrem Glauben im Namen schämen. Es gibt aber auch heute, auch mitten in der aufgeklärten, weltoffenen, internationalen „Europastadt“ Frankfurt solche Menschen, die durch Bart, Kutte und Niqab ihre besondere Unterstützung der Glaubensinhalte ganz öffentlich zur Schau stellen. Kann man diesen nicht mindestens eine „klammheimliche Freude“ an den Vorgängen im Irak und den Aktionen der ISIL unterstellen?

Wer sich selbst einmal wieder klammheimlich freuen will, dem sei ein Besuch im Zoo empfohlen. Freilich, auch die erwähnte Art besonders sendungsbewusster Muslime findet Gefallen daran, wilde Tiere in Gehegen anzusehen und mit dem Handy zu fotografieren. Doch gibt es einen Bereich, in dem sie zumindest der Autor noch nie gesehen hat, da sie ihr Glaube offenbar davon abhält: das Affengehege.