Khartum

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Zum Tode verurteilte Christin hat eine Tochter entbunden und kann nun nach islamischen Recht hingerichtet werden (Bild: metropolico.org)

Die zum Tode verurteilte sudanesische Christin Meriam Yahia Ibrahim hat eine Tochter entbunden. Nach islamischen Recht kann nun das Todesurteil vollstreckt werden. Die junge Mutter schwebt in akuter Gefahr.

Nach der Geburt ihrer Tochter ist die Christin Meriam Yahia Ibrahim in großer Gefahr. Jederzeit könnte sie hingerichtet werden. Dies berichtet der Afrikareferent Ulrich Delius von der „Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und fordert eine Verstärkung des weltweiten Druckes auf die sudanesische Regierung, um die Freilassung der zum Tode verurteilten jungen Mutter zu erreichen.

Hinrichtung nach islamischem Recht

Die 27 Jahre alten Ärztin Meriam Yehya Ibrahim befindet sich gemeinsam mit ihrem 20 Monate alten Sohn im Gefängnis, nachdem sie am 15. Mai wegen „Apostasie“ (Abfall vom Glauben) wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu 100 Peitschenhieben und anschließender Hinrichtung durch den Strang verurteilt worden. Die Vollstreckung der Strafe sollte nach der Geburt ihres zweiten Kindes erfolgen.

Ihre Rechtsanwälte haben am Dienstag bekannt gegeben, dass Meriam im Gefängnis eine Tochter zur Welt gebracht hat.. Der Urteilsspruch kann nach muslimischem Recht jetzt vollstreckt werden.

Erst am Montag hatte die Deutsche Bischofskonferenz die sofortige Freilassung der Inhaftierten gefordert. Auch das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hatte mit Empörung auf die Verurteilung reagiert.

100 Peitschenhiebe und Hinrichtung weil sie Christin ist

Wie Amnesty International berichtet, hatten drei Zeugen in einer Anhörung vor Gericht am 18. April ausgesagt, Meriam Yahia Ibrahim sei in einer christlichen Familie aufgewachsen, doch dies genügte den muslimischen Richtern nicht. Die junge Frau ist Tochter einer orthodoxen Christin aus Äthiopien und eines muslimischen Sudanesen. Ihr Vater verschwand, als sie sechs Jahre alt war. So wurde sie als Christin erzogen und heiratete im Jahr 2012 den christlichen Südsudanesen Daniel Wani, der seit einigen Jahren US-Staatsbürger ist.

Nach islamischem Recht gehört sie als Tochter eines Muslims dem Islam an und gilt als nicht verheiratet, da eine Ehe zwischen einer Muslimin und einem nicht-muslimischen Ehemann offiziell nicht anerkannt wird. Da sie bereits ein Kind zur Welt gebracht hat, wurde sie nun auch noch wegen vermeintlichen Ehebruchs verurteilt. (DB)