Leitartikel: metropolico-TV-Video-Interview mit dem bayerischen AfD-Kandidaten Dirk Driesang

Kandidiert für das Europaparlament: AfD-Bayern Mitglied Dirk Driesang (Bild: metropolico.org)
Kandidiert für das Europaparlament: AfD-Bayern Mitglied Dirk Driesang (Bild: metropolico.org)

Die Europa-Wahl naht, und damit wird die Berichterstattung über die AfD immer einseitiger, immer wüster. Den großen Medien ist alles Recht, was hilft, die Partei in die „rechte Schmuddelecke“ zu verorten. Wie unsinnig das ist, zeigt sich spätestens im Gespräch mit Mitgliedern und Funktionären der AfD. Ein gutes Beispiel: Dirk Driesang. Der sympathische Musiker steht auf Platz 11 der Kandidatenliste zur Europawahl. Im Gespräch mit metropolico-TV zeigt sich vor allem eines: „Böse Rechte“ sehen anders aus!

Während die Alternative für Deutschland (AfD) immer stärker von Linksextremen drangsaliert wird, interessieren sich Deutschlands große Medien lieber für ein offenkundig lustig-gemeintes Wahlplakat mit Nordkorea-Motiv, das ein niedersächsischer Kreisverband der Partei entworfen hat. Das passte den Medien ins durschaubare Konzept, die AfD in die „rechte Schmuddelecke“ zu drängen.

Schnell machte das Plakat auf den großen Nachrichtenseiten im Internet – Welt, Spiegel und Co. – die Runde, immer angereichert mit empörten Statements von Politikern etablierter Parteien. Da sähe man nun also endlich „das erschreckende Ausmaß an geistiger Verwirrung der rechtspopulistischen Kräfte“, durfte beispielsweise SPD-Bundesvize Ralf Stegner gegenüber dem Handelsblatt kommentieren. Ein Zitat, über das man sich auch bei Springer und Bertelsmann – sprich: bei Welt und Spiegel – so sehr freute, dass man es gleich mit übernahm.

Argumentation auf aller-niedrigstem Antifa-Niveau

Dass mittlerweile landauf landab systematisch zahllose AfD-Wahlplakate von Linksextremen heruntergerissen wurden, stört die Redaktionen dieser Medien offenbar ganz und gar nicht. Aber jenes ironische Nordkorea-Plakat „made in Niedersachsen“, das mutmaßlich noch nie irgendwo an einer Straße gehangen hat, ist offenbar flächendeckende Berichterstattung in deutschlandweiten Medien wert.

Fast könnte man meinen: Gerade jetzt, wo die Europawahl immer näher rückt, wird nur noch über das berichtet, was ins vorgezeichnete Zerrbild der AfD passt. Ergo: Was sich dazu missbrauchen lässt, die Partei als politische Heimat des „bösen Rechten“ zu verklären. Und da es in Deutschland jahrzehntewährende, traurige Regel ist, dass der Begriff „rechts“ kontinuierlich mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt wird, lautet die eindringliche Botschaft der Medien ans Volk: Wählt bloß nicht die AfD, die tun nur so seriös, in Wahrheit sind das alles verkappte Nazis, ganz gewiss! Eine Argumentation auf aller-niedrigstem Antifa-Niveau; aber genau das findet sich flächendeckend in den Nachrichtenportalen dieser Republik.

Jemand, der so gar nicht ins Zerrbild der Medien passen will

Schon die Spitzenkandidaten der Partei, AfD-Chef Professor Bernd Lucke und Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, sollten gemeinhin genügen, um das Zerrbild der Medien zu entlarven. Noch absurder wird die Darstellung der AfD als politischer Neubau des „bösen Rechten“, wenn man sich etwas tiefgründiger mit der Partei und ihren Funktionären – auch aus der zweiten Reihe – auseinandersetzt.

Jemand, der so gar nicht ins Zerrbild der Medien passen will, ist beispielsweise Dirk Driesang, Mitglied der AfD in Bayern und Kandidat auf Listenplatz 11 bei der anstehenden Europawahl. Von Beruf Opernchorsänger, trat der 48-jährige 2013 der AfD bei. Aus denselben Gründen wie die allermeisten, die der Partei beitraten: Sorgen ob der Politik der so genannten „Euro-Retter“, ob immer größerer Rettungspakete zu Lasten nachfolgender Generation; wie jenen vier Kindern, deren Vater Driesang ist.

Für Europa wünscht sich der sympathische Musiker die Rückkehr zu einem „atmenden Währungssystem“, einer Währung, „die keine Zwangsjacke ist“. Eine Währung habe „zu dienen“ und dürfe nicht zu „abstrusen antidemokratischen Institutionen in Europa“ führen. Die mögliche Arbeit im Europa-Parlament sieht Driesang pragmatisch, sich jetzt schon auf mögliche Kooperationspartner festzulegen, wäre „vollkommener Blödsinn“, vielmehr solle man hinterher schauen, mit wem man zusammenarbeiten könne, und dies an Inhalten festmachen. Auch eine Zusammenarbeit mit UKIP schließt Driesang nicht pauschal aus: „Wenn ein vernünftiger Vorschlag von Ukip kommt, oder von der Labour-Partei, oder den Tories, warum sollten wir den ablehnen?“

„Böse Rechte“ sehen anders aus

Auf die Frage, ob die AfD nicht etwas zu ängstlich agiere, antwortet Driesang mit einer Bitte um Verständnis: die junge Partei sei von den Medien im Bundestagswahlkampf immer in „einem bestimmten Licht“ dargestellt worden. Und: „Gebranntes Kind scheut das Feuer“, wie der Volksmund sagt.

Ebenjenen Volksmund repräsentiert Driesang übrigens sehr gut. Vielem von dem, was der bayerische AfD-Funktionär im metropolico-TV-Interview sagt, würde wohl die Mehrheit der Menschen im Land zustimmen. Genau deswegen wird in den großen Medien nicht über AfD-Mitglieder wie Driesang berichtet. Denn für ihn gilt, und zwar stellvertretend für die gesamte Partei: „Böse Rechte“ sehen anders aus.

Ergo: Das passt nicht ins Konzept. Also schnell wieder zurück zur weitaus „wichtigeren“ Debatte über das niedersächsische AfD-Plakat. (MP)

Das metropolico-TV-Video-Interview mit Dirk Driesang: