In Nordrhein-Westfalen soll ein neues Präventions-Projekt dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungs-Hintergrund weniger kriminell werden. Damit soll auch das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Zuwanderern abgebaut werden.

NRW-Innenminister Ralf Jäger reagierte auf jede Bedrohung der Sicherheit mit sozialpsychologischen Maßnahmen (Bild: Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen; Fotograf: Schälte Bernd; Signatur: A0601/2912/592)
NRW-Innenminister Ralf Jäger reagiert auf jede Bedrohung der Sicherheit mit sozialpädagogischen Maßnahmen (Bild: Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen; Fotograf: Schälte Bernd; Signatur: A0601/2912/592)

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) startete am Montag in Duisburg das kriminalpräventive Projekt „klarkommen! Chancen bieten durch Prävention vor Ort“. „Wir wollen mit dieser Initiative gezielt den Kindern und Jugendlichen, die aus den ärmsten Regionen Südosteuropas und Nordafrika zu uns kommen, Hilfe und Unterstützung geben“, erklärte er. „Mehr Integration und weniger Kriminalität. Das sind die Ziele von ‚klarkommen!“.

Wie das nordrhein-westfälische Innenministerium am gleichen Tag in einer Presse-Mitteilung erläuterte, begegnet die Initiative „klarkommen!“ dem Problem, dass „in einigen Städten“ Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungs-Hintergrund vermehrt Straftaten begehen. „Die Folgen der Taten sind Verunsicherung der Menschen und Misstrauen gegenüber allen Zuwanderern. Deshalb handeln wir“, so Jäger. Für den SPD-Politiker steht fest: „Zuwanderung bringt uns allen viele Vorteile. Wir müssen aber dafür sorgen, dass sie funktioniert.“

In den Duisburger Stadtteilen Bruckhausen, Hochfeld und Rheinhausen werden Stadtteilbüros als Anlaufstellen eingerichtet. Dort eingesetzte Sozialarbeiter beherrschen die Sprache und sind mit den kulturellen Sitten und Gebräuchen der Kinder und Jugendlichen vertraut. „Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um Barrieren zu überwinden und Vertrauen zu schaffen“, stellte Jäger fest. „So können sie individuelle Hilfe leisten.“ Die Jugendlichen erhalten gezielte Sprachförderung, werden in ihrem Schulalltag unterstützt und ihr Tagesablauf erhält eine geregelte Struktur. Genauso wichtig sei es, den Jugendlichen Normen und Werte unserer Gesellschaft zu vermitteln. „Das ist eine wesentliche Grundlage, damit sie bei uns klarkommen“, so der Innenminister.

Jäger: Zuwanderung birgt Chancen, Probleme lassen sich durch Prävention lösen

Aber auch deren Eltern können sich an die Sozialarbeiter in den Stadtteilbüros wenden, um dort die „nötige Unterstützung“ zu bekommen, die sie dafür brauchen, „die Dinge des Alltags zu regeln“. „Langfristig werden wir dann erfolgreich sein, wenn die gesamte Familie mitmacht und sich helfen lässt“, so Jägers Begründung. Gleichzeitig machte er deutlich: „Zuwanderung ist Teil eines offenen Europas und birgt viele Chancen – das ist gut so! Genauso wichtig ist es, dass wir die damit verbundenen Probleme nicht ausblenden, sondern Hand in Hand an Lösungen arbeiten. Prävention ist dabei ein entscheidender Baustein.“

Duisburg gehört zu den Städten in Nordrhein-Westfalen, die überdurchschnittlich von Migrantengewalt und -kriminalität betroffen sind. Insbesondere im Stadtteil Rheinhausen haben Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa bei den Anwohnern für große Angst gesorgt. Der ehemalige Pädagogik-Student Jäger hingegen ist dafür bekannt, repressive Maßnahmen zu vermeiden und zunehmende Sicherheitsprobleme nur mit sozialpädagogischen Maßnahmen lösen zu wollen. Das bislang beste Beispiel dafür sind die Terror-Anschläge der Salafisten, auf die er nicht mit Verfolgungsdruck, sondern lediglich mit einem sogenannten „Aussteiger“-Programm reagiert hat (metropolico berichtete). Über Kosten und Erfolge solcher Programme gibt es nur unbefriedigende Angaben. Festzuhalten bleibt jedoch, dass Jäger mit seinem neuesten Präventions-Projekt zumindest unfreiwillig zugegeben hat, dass Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungs-Hintergrund vermehrt Straftaten begehen. (PH)