Nach dem Skandal um den islamischen Halbmond im CDU-Logo kommen von der Neusser CDU nur wenig glaubwürdige Erklärungen. Noch seltsamer jedoch ist deren Verhalten zu einem FDP-Ratsantrag gegen Christenverfolgungen.

Verweigert sich die Neusser CDU einem FDP-Antrag gegen Christenverfolgung, weil man muslimische Wähler nicht verprellen will? (Bild: metropolico.org)
Verweigert sich die Neusser CDU einem FDP-Antrag gegen Christenverfolgung, weil man muslimische Wähler nicht verprellen will? (Bild: metropolico.org)

Während der Oster-Feiertage gab es großen Wirbel, weil die Neusser CDU am Gründonnerstag aus Anlass der nordrhein-westfälischen Kommunalwahl am 25. Mai Stofftaschen verteilt hatte, auf denen das CDU-Logo mit dem islamischen Halbmond abgebildet war. Nachdem der Neusser Stadt-Kurier und metropolico darüber berichtet haben, gab es unzählige wütende Proteste im Internet, viele davon auf der Facebook-Seite der Neusser CDU. Daraufhin zog diese die Notbremse und stoppte die Wahlwerbung.

Nachdem alles entschieden war, wurden auch andere Medien, darunter der islamkritische Blog „Politically Incorrect“, die Rheinische Post sowie der WDR, darauf aufmerksam und berichteten ebenfalls über diesen Skandal. Die Rheinische Post, die in Neuss als Neuß-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) erscheint, verfiel dabei sofort in eine beschwichtigende Berichterstattung, die am Mittwoch in einem Kommentar von Martin Kessler gipfelte, in dem dieser behauptete, die Unruhe in der Neusser CDU über die Wahlwerbung mit dem aus der türkischen Flagge bekannten islamischen Halbmond sei „verständlich, aber unbegründet“.

Calik: Türkische Druckerei hat türkische Flagge in CDU-Logo „hineininterpretiert“

Bereits am Montag verwies der Neusser CDU-Chef Dr. Jörg Geerlings darauf, dass es sich bei der umstrittenen Wahlwerbung um die „unabgestimmte Einzelaktion unseres Ratskandidaten“ gehandelt haben soll. Damit war der türkischstämmige Yasar Calik gemeint, laut Stadt-Kurier einer der beiden „Sympathieträger“ der CDU für die Neusser Muslime. Calik wiederum gab am Mittwoch im WDR der „ausländischen Druckerei“ die Schuld, die die türkische Flagge in das CDU-Logo „hineininterpretiert“ hätte, weil dem Drucker die Bedeutung des CDU-Logos nicht bekannt gewesen wäre. Gegenüber der NGZ räumte er jedoch bereits am Dienstag ein, dass es sich hierbei um eine türkische Druckerei gehandelt habe.

Darstellungen, die leider wenig glaubwürdig sind, denn auf den Facebook-Seiten von Yasar Calik und der Neusser Jungen Union wurde bereits am 6. April ein Foto veröffentlicht, das deutlich zeigt, wie außer Calik auch noch andere CDU-Mitglieder freudig die „fehlerhaften“ Stofftaschen mit deutlich sichtbarem Halbmond im CDU-Logo zur Verteilung vorbereiteten. Aber nachdem metropolico dieses Foto am Montag in der Berichterstattung über die Neusser Vorgänge verlinkt hatte, wurde es noch am gleichen Tag auf beiden Facebook-Seiten wieder aus dem Netz genommen.

„Sympathieträger für die Muslime in Neuss“: Beyen und Calik

Auch darf nicht vergessen werden, dass Yasar Calik nicht der einzige CDU-Sympathieträger für die Neusser Muslime ist. Die andere „Sympathieträgerin“ ist laut des Stadt-Kuriers die CDU-Ratsfrau Waltraut Beyen, die Infostände ihrer Partei gegenüber Moscheen organisiert – genau zum Freitagsgebet, weil dann die höchste Aufmerksamkeit muslimischer Männer zu erlangen ist. Stolz weist sie darauf hin, dass ihr Engagement für die Neusser Muslime in der Vergangenheit noch weiter gegangen ist: „Ich habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Moschee errichtet wurde, damit unsere muslimischen Freunde einen angemessenen Ort für ihre Gebete haben“, so Beyen im Stadt-Kurier.

Neusser CDU will Antrag „contra Christenverfolgung“ nicht mittragen

Völlig in mediale Vergessenheit geraten ist derweil ein ursprünglich für die Ratssitzung am 28. März geplanter Antrag der Neusser FDP, der unter anderem zum Ziel hatte, eine lokale Plattform zu bilden, die die öffentliche Meinung „contra Christenverfolgung“ beeinflussen soll. In diesem Antrag plädierte die FDP dafür, „allein oder mit anderen darauf hinzuwirken, Toleranz gegenüber Christen einzufordern, zu üben und Christenverfolgungen entgegen zu wirken“. Auch betonte die FDP in ihrem Antrag, dass Neuss als „traditionell christliche Stadt“ den Christenverfolgungen in anderen Ländern nicht tatenlos zusehen kann und will.

Gegenüber dem Stadt-Kurier beklagte der FDP-Spitzenkandidat Dr. Hermann J. Verführt jedoch, dass die CDU diesen Ratsantrag nicht mittragen wolle und seine Partei bereits das Erzbistum Köln über diese „Verweigerungshaltung“ in Kenntnis gesetzt habe. Grund genug für metropolico, die Neusser CDU am Dienstag dazu zu befragen, warum sie sich dem Ratsantrag der FDP verweigert und ob das gar darin begründet sei, dass man die Sorge habe, muslimische Wähler damit zu verprellen? Leider hat metropolico auch drei Tage später noch immer keine Antwort auf diese Frage bekommen.

Aber keine Antwort ist bekanntlich auch eine Antwort. Und damit irren Martin Kessler und die Rheinische Post, wenn sie ihren Lesern erzählen, die Unruhe wegen des islamischen Halbmondes in der Wahlwerbung der Neusser CDU sei unbegründet. Solange die Neusser CDU nicht plausibel erklärt, wie es zusammenpasst, dass sie sich einem „contra Christenverfolgungs“-Antrag verweigert, sich aber gleichzeitig eine ihrer Ratsfrauen in der örtlichen Presse kurz vor einer Kommunalwahl damit brüstet, maßgeblich zur Errichtung einer Moschee beigetragen zu haben, ist die Unruhe sehr wohl begründet. Das CDU-Logo mit dem islamischen Halbmond war wohl nur die Spitze eines Skandals, der in Wahrheit noch viel tiefer geht. (PH)