Der Kabarettist Mathias Richling unterstellt der Alternative für Deutschland einen Trend, der zum Massenmord á la National-Sozialismus führen könnte. Dass er dabei den Holocaust verharmlost, entgeht ihm und auch dem öffentlich-rechtlichen Sender SWR offensichtlich.

Sieht aufgrund der "Hetzparolen" der AfD dunkle Wolken am Himmel aufziehen: Kabarettist Mathias Richling (Bild: Rafael Kroetz)
Sieht aufgrund der „Hetzparolen“ der AfD dunkle Wolken am Himmel aufziehen: Kabarettist Mathias Richling (Bild: Rafael Kroetz)

Darf Satire alles? Sicher. Aber muss man alles „Satirische“ gut finden? Mit der gleichen Sicherheit: nein. Schon gar nicht, wenn diese Satire letztlich den Holocaust in unerträglicher Weise verharmlost. Dies tut letztlich der bekannte Kabarettist Mathias Richling. In der nach ihm benannten Show vom 11.04.2014 „interviewt“ er den von ihm gespielten „Putin“.

Auf die Frage, ob dieser Deutschland den Gashahn zudrehen wird, lässt Richling „seinen“ mit entsprechendem Akzent Putin antworten (Video ab 22:15 min.): „Wenn Sie denken, an Ihre Polizei und Politik in Deutschland und wie sie in den letzten Jahrzehnten bei der Verfolgung von Neo-Nazis gewesen ist, auf dem rechten Auge blind. Wenn Hetzparolen von rechte NPD und AfD noch weiter zunehmen, ich konnte mir vorstellen, dann werden Sie in Deutschland noch einmal darum betteln, ….. dass der Gashahn zugedreht wird.“

Der Zusammenhang und die Folgen sind klar: Die AfD ist auf eine Stufe zu stellen mit der NPD. Und weiter: Wenn die AfD weiter ihre – von Richling unterstellte – Politik betreibt, dann kommt es zur Vergasung von Menschen.

Opfer des National-Sozialismus als Opfer des Richling-„Humors“

Doch sind wirklich sechs Millionen Juden in den Gaskammern der National-Sozialisten ermordet worden, um sich durch Richling für einen billigen – und schlechten – politischen Witz missbrauchen zu lassen? Wenn die AfD mit der NSDAP vergleichbar ist, kann Letztere dann so schlimm gewesen sein? Wohl kaum.

Die industrielle Massenvernichtung von Menschen aufgrund einer rassistischen Ideologie mit dem Anspruch gleichzusetzen, die sogenannte Eruo-Rettungspolitik mehr an den Interessen der Deutschen – und im Übrigen auch der Griechen – und anderer auszurichten, kann letztlich nur die Verharmlosung des Holocaust sein. Doch wie sieht das der öffentlich-rechtliche Sender SWR? Der möchte auf eine entsprechende Anfrage durch metropolico keine Auskunft geben.

Dafür gibt allerdings Richling selbst metropolico Auskunft. In einem Telefonat am vergangenen Donnerstag bestreitet Richling vehement, den Holocaust verharmlost zu haben. Auch habe er die AfD nicht auf eine Stufe mit der NPD gestellt. „Das wäre ja infam“, wehrt der Kabarettist diese Sichtweise ab. Er habe lediglich das „Klischee Putins“ transportieren wollen.

Wer spricht, Putin oder Richling?

Aber versteckt sich Richling nicht lediglich hinter seiner „Putin-Figur“, um diesen die Aussage, die er eigentlich selbst machen möchte, diesen vorbringen zu lassen? Diese von metropolico gestellte Frage verneinte Richling gleichfalls heftig. „Ich müsste ja verrückt werden, wenn ich jeder Figur Dinge in den Mund legen wollte, die ich selbst aussagen möchte“, distanziert sich Richling von der Gashahn-Aussage.

Die Aussagen seiner Figuren sind demnach nicht Richlings Aussagen. Ganz anders klang das allerdings in einem Interview mit seinem Haus-Sender SWR, in dem Richling sich zu der Aufgaben seiner Figuren geäußert hat: „[…] trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass die Parodie oder dass die Verkleidung ein Transportmittel ist. Also auf der einen Seite gibt sie einem die Möglichkeit, drastischer in den Formulierungen zu sein. Also wenn ich in den Figuren etwas sage und es sehr, sehr drastisch formuliere, akzeptieren die Leute es leichter, als wenn ich es als ich selbst sage. Man kann es praktisch in der Figur verstecken. Das bedeutet aber auch, dass manche Dinge als gar nicht so drastisch empfunden werden. Wenn man nicht aufpasst, kann die Parodie sogar unter Umständen – es kommt auf den Inhalt an – vom Inhalt ablenken. Und da muss man immer eine Balance finden, dass das, was gesagt werden soll, auch durchkommt.“

Man kann feststellen: Was gesagt werden sollte, ist durchgekommen. (CJ)