Frank-Furter Schnauze: Eine Antwort an Professor Bernd Lucke

Wer eine "Alternative für Deutschland" sein will, muss sich dringend mit der Frage beschäftigen: Was ist Rechtspopulismus? (Bild: metropolico)
Wer eine „Alternative für Deutschland“ sein will, muss sich dringend mit der Frage beschäftigen: Was ist Rechtspopulismus? (Bild: metropolico.org)

In der jüngsten metropolico-TV-Dokumentation berichteten wir von der Pressekonferenz der Alternative für Deutschland (AfD) zu ihrem einjährigen Geburtstag. Dabei kam es am Ende zu einer interessanten Szene (siehe Video ab Minute 13:25): AfD-Hessen-Sprecher Gunther Nickel sagte sinngemäß, die Darstellung der AfD in den Medien als rechtspopulistische Partei habe dazu geführt, dass sich Menschen, die sich gerne „rechtspopulistisch betätigen“, zu der AfD hingezogen gefühlt hätten. Darauf fragte ich ihn und AfD-Chef Lucke: „Wie definieren Sie denn eigentlich Rechtspopulismus?“ Lucke gab diese Frage sichtbar amüsiert an mich zurück. Nun gut, hier kommt die Antwort.

Was ist Rechtspopulismus? Kurz und knapp, auf den Punkt bitte. In drei Sätzen, besser noch in zweien. Ohne Nebensätze und ohne auszuweichen, ohne Extrarunde um den heißen Brei und ohne wissenschaftliche Abhandlung. Geht nicht? Allem Anschein nach nicht. Und das ist schon bemerkenswert. Denn wenn ein Wort so flächendeckend in Medien und Politik kursiert und so vehement Anwendung findet, sollte es auch halbwegs eindeutig definierbar sein. Beim Rechtspopulismus ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall: eine maximale Unschärfe der Begrifflichkeit. Mit gutem Grund: Je unschärfer das Wort, desto beliebiger lässt es sich anwenden. Ein Zufall? Mitnichten.

Selbst die bekanntlich von durchweg politisch links-gesinnten Autoren dominierte deutschsprachige Wikipedia muss in ihrem – übrigens ansonsten wie Realsatire erscheinenden – Artikel zum Rechtspopulismus eingestehen: „Unschärfe und Mangel an ‚Substanz‘ wird dem Begriff auch in der politikwissenschaftlichen Diskussion vorgeworfen, der Begriff ist im Diskurs etabliert, aber nicht unangefochten.“ Ansonsten trägt der Wikipedia-Artikel bezeichnenderweise so ziemlich alles an Meinungen zusammen, die aus linker Perspektive als „böse“ gelten, und klebt das Label „Rechtspopulismus“ drauf. So gesehen liefert die Wikipedia damit zwischen den Zeilen und völlig unfreiwillig eine bessere Definition, als es den Verfassern bewusst sein dürfte.

Die Sprache als Waffe gegen Andersdenkende

Eine überaus (natur-)wissenschaftliche Methode, zu einer scharfen Definition einer Begrifflichkeit zu gelangen, ist das Ausschluss-Prinzip. Bevor man sich bemüht, aufzuzählen, was etwas ist, grenzt man es erst einmal ein, indem man benennt, was es ganz sicher nicht ist. Diese Vorgehensweise liefert beim Begriff des Rechtspopulismus eine erste, ganz entscheidende Erkenntnis: Rechtspopulismus ist ganz offenbar nicht gleich Rechtsextremismus. Denn wenn etwas rechtsextrem ist, dann wird es auch als solches benannt. Ganz sicher war und ist es nicht die Intention derer, die den Begriff des Rechtspopulismus schufen und etablierten, damit den Rechtsextremismus im Sprachgebrauch abzumildern. Insofern irrte Hessens AfD-Sprecher Dr. Gunther Nickel ganz gewaltig, als er am 11. April „Menschen, die sich gerne rechtspopulistisch betätigen“, mit dem „rechten Rand“ gleichsetzte. Menschen, die am „rechten Rand“ stehen, sind Rechtsextreme – und werden auch als solche benannt.

Tatsächlich führte Dr. Nickel somit vor, was die offensichtliche Intention dieses Begriffes ist: Der „Rechtspopulismus“ soll nicht Rechtsextremismus abmildern, sondern umgekehrt, oder: aus der anderen Richtung kommend, im weitesten Sinne Rechtsdemokratisches dämonisieren, diskreditieren, kriminalisieren. Er soll – ganz offensichtlich – Sichtweisen und Personen, die sich weiß Gott nicht als rechtsextrem darstellen lassen, unterschwellig mit dem rechten Rand der Gesellschaft gleichsetzen, obwohl weder die Sichtweisen, noch die Personen, an den rechten Rand der Gesellschaft gehören. So gesehen hat sich Dr. Nickel von der Begrifflichkeit und ihrer Anwendung in der Öffentlichkeit gehörig aufs Glatteis führen lassen. Kein Vorwurf, an dieser Stelle, wohl aber die Mahnung: Wer sich in einer Partei wie der AfD auf das politische Parkett begibt, sollte sich der Bedeutung dieses Begriffes bewusst sein und eben nicht dazu beitragen, dass sich die Verwendung desselben auch in der eigenen Partei fortsetzt. Denn der Kampf gegen die allmächtigen Statthalter der politischen Korrektheit, des immer homogeneren Mainstreams und der inhaltlichen Gleichschaltung in Medien und Politik beginnt genau hier; er beginnt mit der Sprache. Nicht, dass unsereins einen solchen Kampf überhaupt führen will – doch er wird „uns“ aufgezwungen, da die Gegenseite, allen voran die von sozialwissenschaftlichen Dogmen und pädagogischem (Manipulations-)Eifer getriebenen politischen Gegner gerade die Sprache als Waffe gegen Andersdenkende zum Einsatz bringen.

Dechiffrieren Sie die Sprache!

Treten Sie also einen Schritt zurück, verlassen Sie die Glocke, die Medien und Politik über uns Bürger zu stülpem versuchen, und werfen Sie einen nüchternen Blick auf das, was uns alltäglich vorgesetzt wird. Dechiffrieren Sie die Sprache, die dort mittlerweile Anwendung findet! Und Sie finden den „genetischen Code“ der politischen Linken, den sich mächtige (auch nicht-linke) Kreise aus durchschaubaren Gründen zunutze machen.

Dieser „genetische Code“ ist zuvorderst Gleichschaltung – die klassische Grundlage des Sozialismus. Das Prinzip ist dasselbe wie eh und je. Es wird ein Meinungsraum vorgegeben, der dem Bürger als „erlaubt“ zugestanden wird. Dieser Meinungsraum ist ganz und gar nicht deckungsgleich mit der Demokratie, also einem Meinungsraum aus all jenen Ansichten, die mit dem Demokratieprinzip im Einklang stehen. Im Gegenteil, dieser Meinungsraum ist überdeutlich nach links verschoben. Und die Sprache ist der Schlüssel, die Verschiebung zu erkennen: Linksextreme, die – wie aktuell in Frankfurt einmal mehr geschehen – Häuser besetzen, werden fast ausschließlich als „Aktivisten“ bezeichnet, werden verharmlost und beschönigt. Sozialistische und kommunistische Sichtweisen firmieren dieser Tage – aller übelsten Verbrechen, die im Namen dieser Ideologien begangen wurden, zum Trotz – unter dem heimeligen Begriff des „Antikapitalismus“. Gleichgesetzt mit einem fragwürdigen Streben nach vermeintlicher Gerechtigkeit werden sie durchweg positiv konnotiert und mit dem „Guten“ assoziiert. Der Linksextremismus, das steht außer Frage, ist längst wieder salonfähig geworden – und ist schon deswegen zweifelsohne die größte extremistische Bedrohung dieser Tage. Dass Medien und Politik das genaue Gegenteil behaupten, bestätigt nur noch diesen Eindruck!

Auf der anderen Seite gilt, dass Sichtweisen, die überaus demokratisch sind, formuliert von Personen, die keinerlei Radikalismus oder Extremismus (gar im ursprünglichen Sinne von Demokratiefeindlichkeit) anhängen und nie mit Anhängern extremistischer Ideologien im Bunde waren, als randständig bezeichnet oder mit dem (rechten) Rand gleichgesetzt werden, kaum dass sie Meinungen geäußert haben, die jenseits der Grenzen des verordneten Meinungsraumes stehen. So genügt dieser Tage schon eine klassisch bürgerlich-liberale oder konservative Sichtweise, um dafür öffentlich mit den sprachlichen Wunderwaffen der Meinungswächter beschossen zu werden: Wer sich nicht vorbehaltlos Kulturrelativismus und Multikulturalismus anschließt, oder auch nur Fehlentwicklungen in der so genannten multikulturellen Gesellschaft benennt, gilt als „Kulturrassist“. Wer es wagt, kritisches im Islam zu erkennen und zu benennen, wird wahlweise als „islamophob“ oder als „Islamhasser“ beschrieben. Wer für die Förderung der Familie plädiert und gegen die Privilegierung (!) homosexueller Lebenspartnerschaften, wird schnell als „homophob“ deklariert. Wer – wie Professor Bernd Lucke – in der Euro-Rettung eine verheerende Politik erkennt und nur Sorgen ob der ökonomischen Folgen dieser Politik formuliert, ist schnell ein „Feind Europas“, und ein „Euro-Hasser“ sowieso. Wer Zweifel an der gängigen These äußert, der Mensch sei der Hauptgrund für den Klimawandel, erfreut sich schnell der – allen wissenschaftlichen Grundprinzipien widersprechenden! – Einordnung als Klimaskeptiker. Und sehr bald wird, wie in linksextremen Internetforen schon heute  absehbar, jeder, der noch für das Leistungsprinzip an Schulen eintritt, mit dem unsagbar dummen Begriff des „Leistungsrassimus“ beschimpft werden.

Und sie alle, beziehungsweise: wir alle, die wir nur in einem dieser Themenfelder eine – aus linker Perspektive – „nonkonforme“ Meinung haben, firmieren gemeinsam unter dem Begriff des „Rechtspopulismus“. Herzlichen Glückwunsch! Und dieser Glückwunsch ist Ernst gemeint: Denn dass man uns als Rechtspopulisten beschimpft, ist im Umkehrschluss nur die unfreiwillige Bestätigung, dass man sich nicht traut, uns als Rechtsextreme zu bezeichnen. Weil es derart großer Unsinn wäre, dass man um seine Glaubwürdigkeit bangt. Für Leute wie uns wurde der Rechtspopulismus erschaffen: Man weiß, dass wir weder Radikale noch Extremisten sind; also schuf man sich ein Wort, um so zu tun als ob. Willkommen in der Lügenwelt der Linken.

Genau das ist es, was mit diesen Begriffen beabsichtigt wird

Ob Islamhass, Homophobie, Klimaskepsis oder Rechtspopulismus – eines ist all diesen Begriffen gemein: maximale Unschärfe. Sie differenzieren nicht nach demokratischer und undemokratischer Intention, sie definieren nicht nach wissenschaftlichen Kriterien, sie trennen nicht Wahres von Unwahrem – denn Demokratie und Wahrheit spielen hier keine Rolle, sondern im Gegenteil: genau dagegen richten sie sich. Also trachten die Begriffe danach, pauschal und ohne jede Auseinandersetzung mit Inhalten ganze Meinungsspektren unter einem Begriff, einem „Label“, einer „Marke“ zu vereinen. Der Grund ist so offensichtlich, aber doch so selten beim Namen genannt: All diese Begriffe sind nichts weiter als Kommandos an die Bevölkerung, immerzu formuliert und unzählbar oft wiederholt, deren Wirkung sich auf der elementaren, der assoziativen Ebene entfalten soll. Sie befehlen (!) den Bürgern: „Denk bloß nicht, dass…“; „Sag bloß nicht, dass…“, denn „sonst bist Du ein…“ – Genau das ist es, was mit diesen Begriffen beabsichtigt wird.

Das Ergebnis ist ein Klima der Angst, ein Vorbote dessen, was noch folgen könnte, wenn sich dieses höchst verachtenswerte, weil freiheitsfeindliche Gebaren langfristig durchsetzen sollte. Systemisch betrachtet ist es dasselbe, was Unrechtsstaaten wie die „DDR“ auszeichnete, gleichwohl alle anderen sozialistischen Regimes von Stalins UDSSR bis Hitlers Drittem Reich (das systemisch betrachtet und nach Hitlers eigener Aussage ebenfalls ein „realexistierender Sozialismus“ war): Die Bevölkerung wird in zwei Gruppen unterteilt, in Systemkonforme und Systemunkonforme. Genau das ist auch heute wieder längst im Gange, genau deswegen müssen die Alarmglocken eines jeden Demokraten schrillen!

Die Ideologie, die dabei zum Tragen kommt, ist sekundär. Was früher mit Gulag oder KZ bestraft wurde, wird heute (noch) mit gesellschaftlichem Ausschluss bestraft. Sagt man „etwas“, das unter die genannten „Labels“ fällt, hält man sich also nicht an die „Kommandos“ des Establishments, droht schnell der Ausschluss aus der öffentlichen Debatte, der Verlust des Arbeitsplatzes, die gesellschaftliche Isolation. Und Heerschaaren vornehmlich staatlich finanzierter Vereine in unseren Städten erfüllen im Namen des als „ach so gut“ vermarkteten „Kampfes gegen Rechts“ (wohlgemerkt: gegen Rechts, nicht gegen Rechtsextremismus) jene Rolle, die in Ostdeutschland die Stasi erfüllte: Sie schnüffeln nach „nonkonformen“ Meinungen, sie denunzieren „Systemfeinde“, sie prangern an, was aus ihrer – vornehmlich: linksextremen – Perspektive keinen Platz in der Gesellschaft haben darf. Der so genannte „Kampf gegen Rechts“ ist längst nicht mehr ein Kampf von Demokraten gegen Extremisten, er hat sich in das genaue Konträr gewandelt: Einen Kampf von Extremisten gegen Demokraten, offenbar gerngesehen und nachweislich gefördert durch eine zunehmend korrupte Obrigkeit.

Die Abschaffung der Demokratie – das ist es, was hier geschieht

Ob in der Integrations- oder der Europa-Politik, ob in Sachen Klima oder Homosexualität: In all diesen Themenfeldern – nicht zufällig den Kernthemen jener Tarnkappen-Sozialisten, die sich „Grüne“ schimpfen – zeigt sich ein neuer und doch so alter Extremismus, um nicht zu sagen: ein Totalitarismus. Und zwar eben nicht in Reihen derer, die pausenlos als „Rechtspopulisten“ beschimpft werden, sondern im Gegenteil, es ist ein wachsender Extremismus im Establishment, vornehmlich betrieben und befördert von der politischen Linken, die in Deutschlands Medien fraglos das Sagen hat. Den intellektuellen Unterbau lieferten die Soziologie-Professoren der 68er, beispielsweise jene der Frankfurter Schule, deren Werke erkennbar vom Ungeist des Sozialismus gezeichnet sind und deren Strategien, namentlich zur Schaffung einer „neuen Gesellschaft“, seit Jahren nachweislich flächendeckend Anwendung finden. Das Entstehen eines immer homogeneren Parteienblocks, der in allen wichtigen Fragen in sozialistischer Manier „gleichgeschaltet“ erscheint, ist kein Zufall, sondern logische Folge dieser Strategien, die schon vor Jahrzehnten an den intellektuellen Knotenpunkten der Gesellschaft, den Universitäten, ansetzten, und von da aus geschwürartig wachsend ihren Weg in Medien, Wirtschaft und Politik fanden. Und so sehr insbesondere die Grünen die parteigewordene Speerspitze dieses Unheils sein mögen, so sehr betrifft es doch längst alle Bereiche der Gesellschaft. Erkennbar daran, dass die Ansichten dieser Partei, deren Zustimmung bei Wahlen in der Regel nur bei zirka zehn Prozent liegt, in den Medien nicht nur „gefühlt“, sondern statistisch messbar mit über 80 Prozent dominieren. Ein überdeutliches Zeichen dafür, welch gewichtige Rolle gerade die Medien bei diesem Prozess spielen, der alles andere als demokratisch, sondern überaus undemokratisch ist. Weil eine Minderheit bestimmen will, was die Mehrheit denken und sagen darf.

Die Abschaffung der Demokratie – das ist es, was hier geschieht. Es ist das Ergebnis des jahrzehntewährenden heimlichen Siegeszugs eines neuen, vornehmlich linken Extremismus, eines grünen Totalitarismus. Genau das zeigt sich überdeutlich in ebenjenen Kommandos. Denn sie sind Ausdruck der Grundlage eines jeden Totalitarismus: Schwarz-Weiß-Malerei. Das klassische „bist Du nicht für mich, bist Du gegen mich.“ Bezeichnenderweise sind es die „Rechtspopulisten“, die in der Klimadebatte tun, was Grundlage einer jeden Wissenschaft sein muss: zweifeln. Es sind die „Rechtspopulisten“, die in der Integrationsdebatte tun, was der komplexen Realität in dieser Sache angemessen ist: differenzieren. Es sind die „Rechtspopulisten“, die mit Blick auf die Euro-Rettung tun, was in der Ökonomie nur allzu wesenhaft ist: rechnen.  Und es sind die „Rechtspopulisten“, die gemeinhin in allen Feldern tun, was staatsbürgerliche Pflicht gegenüber den Herrschenden ist: hinterfragen. Doch all das ist nicht erwünscht, die Politik, besser noch: die neue Obrigkeit, trachtet offenbar nach einem Bürger, der all das nicht tut. Der nicht zweifelt, der nicht differenziert, der nicht rechnet, der nicht hinterfragt. Sondern der „schön gepflegt das Maul hält“, brav zu allem „Ja und Amen“ sagt, was von oben verordnet wird.

So setzt sich in den Medien gesellschaftlich fort, was Professor Bernd Lucke völlig zu Recht auf EU-Ebene politisch heranwachsen sieht: Ein aristokratisch-anmutendes Herrschaftssystem mitsamt einer Machtverteilung, in etwa „auf dem Stand des späten 19. Jahrhunderts“ (Zitat aus Luckes Vortrag an der Evangelischen Akademie Tutzing). Hier schließt sich der Kreis zwischen grünem Totalitarismus einerseits und wirtschaftlichen wie machtpolitischen Interessen andererseits; zwischen linken Chef-Ideologen hier und den Profiteuren in Wirtschaft und Politik da: Die Ideologie der einen ist das willkommene Vehikel der anderen zu immer größeren Märkten, zu einem immer mächtigeren Staat, zu immer mehr zentral gesteuerter Planwirtschaft und – wie in Aristokratien üblich – zu immer Macht in Händen von immer weniger Akteuren. Und wieder: Ein Zufall? Mitnichten!

Was Rechtspopulismus tatsächlich ist

Spätestens jetzt wird deutlich, dass eine Definition des Rechtspopulismus, „kurz und knapp, auf den Punkt, in drei Sätzen, besser noch in zweien, ohne Nebensätze und ohne auszuweichen, ohne Extrarunde um den heißen Brei und ohne wissenschaftliche Abhandlung“, sehr wohl möglich ist, wenn auch erst am Ende eines notwendigerweise fürchterlich langen Textes: Der Rechtspopulismus ist eine von vielen sprachlichen Allzweckwaffen des Establishments, ein Kommando an die Bevölkerung, dazu erschaffen und dazu angewandt, inhaltliche Debatten im Keim zu ersticken und die Bürger von Meinungen, Personen und Parteien fernzuhalten, die aus Sicht der Obrigkeit als „nicht hilfreich“ (Zitat: Angela Merkel) angesehen werden.

Diese Erkenntnis, was Rechtspopulismus tatsächlich ist, steht am Anfang einer dringend notwendigen Gegenstrategie. Dringend notwendig ist diese übrigens längst nicht nur aus Sicht der AfD oder aus Sicht der vermeintlichen „Rechtspopulisten“, sondern schon aus Sicht der Demokratie an sich. Denn Meinungspluralismus ist für das Funktionieren einer Demokratie unabdingbar; genau dagegen richtet sich jedoch die Allzweckwaffe „Rechtspopulismus“ mitsamt all der anderen genannten Kommandos an die Bevölkerung. Wenn in der öffentlichen Debatte in einem solchen Umfang, mit einem solchen Ausmaß, nicht mehr die Treue zur Rechtsstaatlichkeit und Demokratie der alles-entscheidende Maßstab ist, sondern die Treue zu anderen, „von oben“ verordneten Werten, dann bedeutet das im Umkehrschluss, den Gesetzen der Logik folgend: Hier sind Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bedroht, und zwar wie nie zuvor seit Bestehen der Bundesrepublik. Auch das steht in einer Linie zur politischen Großwetterlage, zur Schaffung undemokratischer Machtorgane im Rahmen der EU und zur wachsenden Macht jener nebulösen Kreise, die sich in Brüsseler Hinterzimmern die Klinke in die Hand geben – deren Handeln zwar beinahe unsichtbar, deren Wirken aber umso offensichtlicher ist. All diese Phänomene sind nicht einzeln und losgelöst voneinander zu betrachten, sie gehen vielmehr Hand in Hand, sie bekräftigen einander und verstärken sich noch gegenseitig.

Der dringend notwendige Kampf – und zwar im Sinne des Widerstandsrechts (Art. 20, Grundgesetz), das hier schon lange greift! – gegen diese überaus beängstigenden Entwicklungen setzt die schonungslose Analyse des Status-Quo voraus. Wer sich hierbei nur ansatzweise der Kommandos des Establishments unterwirft, wie Dr. Nickel auf der Pressekonferenz in Oberursel, hat den Kampf bereits verloren, bevor er begonnen hat. Auch, wer im Begriff des „Kampfes“ eine übertriebene Rhetorik zu erkennen glaubt, befindet sich bereits auf dem Holzweg. Denn ein „Kampf“ ist längst im Gange, begonnen wurde er von jenen, die – aus welchen Gründen auch immer! – ihre Macht und ihren Einfluss dazu missbrauchen, dem Demokratieprinzip zu schaden. Das wirklich Schlimme an alledem ist ohnehin, dass die größte Gefahr für Freiheit und Demokratie dieser Tage eben nicht von irgendwelchen Splitterparteien ausgeht, deren Bekämpfung der Bevölkerung gegenüber noch als heroischer Akt verkauft wird, sondern von jenen Kreisen, die ohnehin schon mächtiger sind als alle anderen: den größten Parteien, den größten Medien, unterstützt von nicht wenigen großen Konzernen. Nicht zufällig also von jenen, die von der Entdemokratisierung Deutschlands und Europas profitieren. Sie ahnen schon, was nun kommt: Ein Zufall? Mitnichten!

Herrschaftsinstrumente der neuen Aristokraten, nichts anderes als das!

Und nun? Was tun? Langer Rede, kurzer Sinn. Wenn der besagte Kampf gegen die Demokratie, gegen die Freiheit, und damit letztlich gegen die Bevölkerung, von seinen Initiatoren mit den Waffen der Sprache geführt wird, dann müssen sich Gegenmaßnahmen gegen diese Waffen richten, dann muss der „Widerstand“ den Kampf um die Sprache führen. Und das geht so: Ihr nennt mich einen Rechtspopulisten, liebe Medien, liebe Politik? Mir doch egal. Ich sage meine Meinung, öffentlich. Ich stehe zu meinen Ansichten, öffentlich. Und wenn sich dereinst möglichst viele Bürger und Politiker dieser Haltung anschließen, wird sich die Allzweckwaffe „Rechtspopulismus“ mitsamt all der anderen Kommandos in ihr Gegenteil verkehren, wird in Händen jener explodieren, die mit diesen intellektuellen Stinkbomben um sich werfen. Dazu müssen sie benannt, enttarnt, dechiffriert werden als das, was sie sind: Herrschaftsinstrumente der neuen Aristokraten, nichts anderes als das! (Merken Sie was? – Je länger der Text wird, desto kürzer wird die Definition, nach der in der Überschrift gefragt wurde!)

Wenn „von oben“ verordnet, beziehungsweise: befohlen (!) wird, nicht mehr zu zweifeln, nicht mehr zu differenzieren, nicht mehr zu rechnen, nicht mehr zu hinterfragen, dann ist es an der Zeit für uns Bürger, mehr denn je zu zweifeln, zu differenzieren, zu rechnen und zu hinterfragen. Und zwar nach Innen, wie nach Außen. In Parteien, wie in den Medien. Im Privaten, wie im Beruf! Um stets dabei zu betonen: Wir sind nur Wahrheit und Demokratie verpflichtet, und mitnichten irgendeiner Obrigkeit.

Und es ist an der Zeit, mehr denn je demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien vorzuleben. Auch und vor allem innerhalb einer Partei, die vorgibt, sich – demnächst auch in anderen Politikfeldern – gegen den Extremismus der Herrschenden zu erheben. Ergo: Nicht diejenigen in der AfD sind ein Problem, die sich „rechtspopulistisch betätigen“ (was für ein Nonsense!), die sich also nicht an die Kommandos des Establishments gehalten haben; sondern diejenigen, die allen Ernstes fordern, dass sich auch die AfD diesen Kommandos unterwirft. Demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien vorzuleben bedeutet auch hier, das genaue Gegenteil von dem zu tun, was in Medien und Politik derzeit geschieht: Nämlich sehr wohl zwischen demokratischen und undemokratischen Kräften zu differenzieren, anstatt Meinungen pauschal und undifferenziert zu kriminalisieren. Die Linie zwischen Gut und Böse muss wieder da verlaufen, wo sie aus demokratischer Perspektive hingehört: zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten; und nirgendwo sonst! Dann wird man sehen – und vor allem: sich wundern! – wer plötzlich diesseits und wer jenseits dieser Linie steht. Welcher „Rechtspopulist“ tatsächlich zu den Guten zählt, und welcher Chef-Redakteur, welcher Spitzenpolitiker, welcher Top-Lobbyist plötzlich dem Reich des Bösen angehört.

Ihr hirnverbrannten Vollidioten, leckt mich doch am Arsch!

Kurzum: Es ist an der Zeit, Widerstand zu leisten. Nicht mit Waffen, aber mit Worten. Denn Worte sind die Waffen, mit denen Freiheit und Demokratie angegriffen werden. Also mögen Worte die Waffen sein, mit denen wir uns verteidigen – um unsere staatsbürgerliche Pflicht zu erfüllen. Und wenn– wie im Falle Akif Pirinçcis – auch die ein oder andere Obszönität dabei ist, mag das inhaltlich keinen großen Wert haben, symbolisch aber ist der Wert mitunter umso größer. Denn dass es Pirinçcis Buch „Deutschland von Sinnen“ trotz oder gerade wegen dieser hemmungslosen Obszönität in die Bestsellerlisten geschafft hat, zeigt, dass immer Menschen sprichwörtlich die Schnauze voll haben von einer Politik, die ihnen den Mund verbieten und sie zu „braven“ Bürgern nach überaus zweifelhaften – weil zunehmend: undemokratischen! – Kriterien erziehen will.

Da darf man den selbsterklärten Erziehungsberechtigten des Volkes auch gut und gerne (und häufiger!) mal zurufen: Ihr hirnverbrannten Vollidioten, leckt mich doch am Arsch! Und keine Sorge, lieber guterzogener Bürger: Selbst das lässt sich dieser Tage schon längst als staatsbürgerlicher Akt gemäß Artikel 20 des Grundgesetzes rechtfertigen. Und fühlt sich zudem – nicht nur deswegen – ausgesprochen gut und richtig an.

Selbst an Ostern. In dem Sinne, frohes Eiersuchen.

Die im Text genannte metropolico-TV-Dokumentation zur Geburtstagsfeier der AfD in Oberursel: