(Bild:
Die Band Frei.Wild – dieses Jahr für den Echo nominiert (Bild: Kingleo92, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC-Lizenz 3.0, Original: Siehe Link)

Die Südtiroler Band Frei.Wild war dieses Jahr für den Echo nominiert. Genau vor einem Jahr wurde die Band auf Druck von „Saubermann-Kollegen“ wie der Revoluzzer-Band „Die Ärzte“ oder aber der Alt-Herren-Rockband „Die toten Hosen“ durch die Deutsche Phono-Akademie vom Wettbewerb um den wichtigsten Preis der deutschen Musikindustrie, dem „Echo“, ausgeschlossen.

Die politisch besorgten „Kollegen“ hatten bei der letztjährigen Nominierung den Südtirolern vorgeworfen, diese würden „rechtes Gedankengut“ durch ihre musikalische Darbietung verbreiten. Durch derartige und nur allzu bekannt hysterische „Faschisten-Vorwürfe“ haben die Nazi-Spürnasen für den Ausschluss der italienischen Band gesorgt. Das schlimme Vergehen der Südtiroler „Heimat-Rocker“ bestand zum einen wohl darin, dass sich Frei.Wild beherzt in seinen Liedern zur eigenen Heimat bekennt – und das ganze dann auch noch in deutscher Sprache vortragen wird. Denn – Bekenntnis zur Heimat„geht gar nicht!“

Ob sich die Musikindustrie mit der diesjährigen Nominierung von Frei.Wild eines Besseren besonnen hat und dem hohen Gut – der Freiheit der Kunst- den Vorrang vor dem zur Schau gestelltem „Gutmenschentum“ gibt, bleibt Spekulation. Eine Entschuldigung der Echo-Granden für den Ausschluss vor einem Jahr blieb jedenfalls aus.

Ethikbeirat wacht über die „rechte“ Gesinnung

Irrsinnigerweise hatte die Echo-Organisation nach „den Erfahrungen mit dem Fall Frei.Wild aus dem vergangenen Jahr“ einen „Ethikbeirat“ ins Leben gerufen. Dieses siebenköpfige Gremium aus Vertretern des öffentlichen Lebens – dieses sind nach Dafürhalten des Rates unter anderem Vertreter der Kirche. Der so besetzte Deutsche Kultur- und Musikrat- soll nun über die Freiheit der Kunst wachen. Man sehe, so das erste Verdikt, nach Begutachtung des aktuellen Frei.Wild-Albums „Still“ keinen Grund für einen Echo-Ausschluss. Insgesamt seien hier die Grenze vom künstlerisch Vertretbaren zum gesellschaftlich völlig Unvertretbaren nicht überschritten.

Egal welchen fahlen Beigeschmack solch ein beliebig zusammengewürfelter Haufen von Experten auch haben mag, der sich anmaßt, zu bewerten, welche „Gesinnung zulässig“ ist. Die Verantwortlichen haben sich damit „irgendwie“ vom Rechtsbruch des letzten Jahres distanziert. Denn es ging und geht auch hier um nicht mehr und nicht weniger als um die Freiheit der Meinung und um die Freiheit der Kunst. Frei.Wild ist keine verfassungswidrige Vereinigung.

Es gibt Wichtigeres

Auch wenn das Zentralorgan der Gesinnungspolizei, die taz, dies vor einem Jahr nicht so sah und – keinen wird es wundern – mit der Einschränkung eines unserer Grundrechte vermutlich auch weiterhin kein Problem haben dürfte. Dort hieß es, wie metropolico berichtete, mit dem klaren Vorwurf an die Herkunft der Musiker, die aus dem „montan kitschigen Landstrich Südtirol“ Stammenden sängen über so „scheußliche Dinge wie Heimat, Ehre und Tradition“. Auch die Liedzeile „Das ist das Land der Vollidioten / die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat“ soll gefallen sein.

Musikalisch unbedeutende „Kollegen“ wie die Band „Jeniffer Rockstock“ probten zwar auch dieses Jahr den Entrüstungsaufstand, indem sie pikiert bemerkten, dass die Echo-Nominierung trotz des letztjährigen „Riesenaufschreis“ an die „blot- und bodenneutralen Tiroler Partisanenkapelle“ gehe. Deshalb halte es  Jennifer Rostock für ausgeschlossen, „einer Veranstaltung beizuwohnen, in der eine Band nominiert ist, die im letzten Jahr aus gutem Grunde ausgeschlossen wurde. Und zusätzlich den Preis verhöhnte, indem sie ihre -berechtigte- Absage zur Eigen-PR ausnutzte und es sich daraufhin in der ihr allseits beliebten Opfernische bequem machte. Es ist uns nicht nachvollziehbar, wie nach dem allgemeinen Aufruhr, der letztes Jahr im Zuge der Nominierung von Frei.Wild herrschte, eine erneute Ernennung überhaupt in Betracht gezogen werden konnte“. Rumms – das hat gesessen.

Die diesjährige gnädige Nominierung für den Musikerpreis des Kulturinstitut des Bundesverbandes (BVMI) – dem „Echo“ – versetzte die Band Frei.Wild dann doch nicht in extatischen Freudentaumel ob der demokratischen Neuausrichtung des Gremiums. Aus Protest gegen ihren Ausschluss im letzten Jahr nahmen die Südtiroler Deutschrocker einfach an der Verleihung, die am Donnerstag in Berlin mit viel Glamour und Gloria zelebriert wurde, nicht teil. Es gibt Wichtigeres. (BS)