Würzburger Bezirksvorsitzender verlässt die AfD – und wünscht ihr alles Gute. Grund für den Ausstritt: „grassierender Antiamerikanismus“

Torsten Heinrich_metropolico

Die außenpolitische Positionierung der Alternative für Deutschland (AfD) hat ihre erste Konsequenz. Der als politisches Talent gehandelte Torsten Heinrich verlässt die AfD.

„Der grassierende Antiamerikanismus“, den Torsten Heinrich, seiner Ansicht nach, in der AfD ausgemacht hat, ließ ihn nun die Konsequenzen ziehen. Er legt nicht nur sein Amt als Bezirksvorsitzender nieder, sondern verließ bereits am 21. März auch die Partei.

Die außenpolitische Hinwendung nach Osten und Moskau sei „unglaublich naiv“, so Heinrich im Gespräch mit metropolico. Die Veränderung von Grenzen mit militärischer Macht schaffe einen Präzedenzfall. Dadurch werde eine Entwicklung befördert, die in den nächsten zehn Jahren zu Krieg führe.

AfD verabschiedete Resolution gegen Russland-Sanktionen

Heinrich bezeichnet eine Pro-Putin Position zwar als legitim, aber als fatal. Er fühlte sich in der AfD als Atlantiker wohl zunehmend isoliert. Auf ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende hatte die Partei eine Resolution verabschiedet, die sich gegen jede Sanktion gegenüber Russland ausspricht:

Die AfD betrachtet die Entwicklungen in der Ukraine mit großer Sorge. Im Interesse des internationalen Friedens rät die AfD nachdrücklich zu diplomatischen Gesprächen mit allen Seiten.

Hier sind alle Parteien – die EU, die USA, Russland, die ab 25. Mai 2014 legitimierte ukrainische Regierung sowie ukrainische Oppositionsgruppen und Vertreter der Regierung der Krim, ohne Vorbehalte und Vorverurteilungen einzubeziehen.

In dieser instabilen Lage ist es von größter Bedeutung, keine Sanktionen zu verhängen und keine weiteren Maßnahmen der Eingliederung der Ukraine, oder Teilen davon, in die EU oder in die Russische Förderation zu betreiben.

Ziel muss es sein, eine Lösung zu finden, die den Frieden in Europa sichert, das Selbstbestimmungsrecht der Völker und insbesondere der Bevölkerung der Krim und des ukrainischen Volkes respektiert und die völkerrechtlich akzeptabel und einwandfrei ist.

Die AfD spricht sich gegen jede weitere Erweiterung der Nato nach Osten aus.

Eine noch klarer pro-russische Resolution ist, nach dem Eindruck Heinrichs, nur aufgrund der Intervention der Parteispitze verhindert worden.

Kandidatur löst Schmutz-Kampagne aus

Als auf Heinrichs Ankündigung für den Bundesvorstand zu kandidieren einmal mehr eine anonyme E-Mail mit angeblichen „Sünden“ aus der Vergangenheit Heinrichs verbreitet wurde, stellte sich für den Unterfranken die Sinnfrage. Er sei nicht so dünnhäutig, dass eine solche E-Mail der Anlass für seinen Rück- und Austritt sein könne. Aber sie sei  sicherlich der Katalysator gewesen. Dieser dürfte durch den seinem Empfinden nach intoleranten Umgang innerhalb der AfD mit seiner pro-amerikanischen Meinung noch verstärkt worden sein.

Heinrich sieht damit das Ende seiner Laufbahn als Politiker gekommen. Die FDP komme für ihn als Liberalen nicht in Frage. Wähler will Heinrich allerdings weiterhin bleiben. Als solcher werde er der AfD bei der Wahl zum EU-Parlament mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wohl treu bleiben. (DB, CJ)