Frankfurt: Linksradikale attackieren Veranstaltung mit Manfred Kleine-Hartlage +++ UPDATE: Wolfgang Hübner wirft Frankfurter Rundschau „verfälschende und tendenziöse“ Berichterstattung vor +++ UPDATE: Andreas Lichert schildert Übergriff

Manfred Kleine-Hartlage bei einer Veranstaltung der Freien Wähler Frankfurt im Jahr 2010 (Bild: Freie Wähler Frankfurt)
Manfred Kleine-Hartlage bei einer Veranstaltung der Freien Wähler Frankfurt im Jahr 2010 (Bild: Freie Wähler Frankfurt)

Am Dienstagabend fand in Frankfurt eine Veranstaltung mit einem Vortrag von Manfred Kleine-Hartlage statt. Im Vorfeld kam es zu einem gewaltsamen Übergriff von etwa 30 Linksradikalen. (Mit UPDATES)

Unter der verzerrenden Überschrift „Prügelei im Gallus“ berichtet die Frankfurter Rundschau (FR) über den Vorfall am Dienstagabend im Frankfurter Gallusviertel. Für 19:30 Uhr war im dortigen „Saalbau Gallus“ eine Veranstaltung geplant, in deren Mittelpunkt ein Vortrag des Berliner Sozialwissenschaftlers und Publizisten Manfred Kleine-Hartlage stehen sollte. Das Thema des Vortrags lautete: „Perspektiven der liberalen Vielfaltgesellschaft“.

Von der „linken SA“ attackiert

Gegen 19 Uhr versammelten sich offenbar zirka 30 Linksradikale vor dem Gebäude. Als Andreas Lichert, Betreiber der Karbener Projektwerkstatt, den Saal betreten wollte, wurde er angegriffen und verletzt. Danach eskalierte laut FR die Lage, „eine handfeste Auseinandersetzung entsteht und Böller fliegen“, Veranstaltungsteilnehmer  fühlten sich „durch den Protest bedroht, jemand löst den Feueralarm aus.“ Feuerwehr und Polizei rückten an, die Täter waren beim Eintreffen der Sicherheitskräfte jedoch bereits geflüchtet.

Bei der geschlossenen Veranstaltung waren auch Mitglieder der Freien Wähler Frankfurt anwesend, unter anderem  deren Fraktionsvorsitzender im Römer, Wolfgang Hübner. Andreas Lichert erklärte gegenüber der FR, er sei von der „linken SA“ attackiert worden. Licherts Projektwerkstatt in Karben war im vergangenen Jahr mehrfach Ziel linksradikaler Proteste gewesen (metropolico berichtete ausführlich in einer Titel-Story und einer Video-Dokumentation). Auch die Freien Wähler Frankfurt wurden in der Vergangenheit immer wieder von Linksradikalen bedroht und angegriffen.

UPDATE: Hübner wirft FR „verfälschende und tendenziöse“ Berichterstattung vor

Im Gespräch mit metropolico schilderte Wolfgang Hübner die Ereignisse am Dienstagabend. Dabei kamen, kaum verwunderlich, deutliche Diskrepanzen zur Darstellung in der FR zum Vorschein. Auch in einer ersten Pressemitteilung werfen die Freien Wähler Frankfurt der FR „verfälschende und tendenziöse“ Berichterstattung vor.

Während in der FR beschönigend nur von „linkem Protest“ die Rede ist, handelte es sich laut Hübner um „teils vermummte Linksextremisten“, deren Ziel offenbar war, „mit körperlicher Gewalt, Schmähungen, Sachbeschädigungen, Knallkörpern und einem von ihnen bewusst ausgelösten Fehlalarm der Feuerwehr, die Besucher der Veranstaltung einzuschüchtern und vom Eintritt in das Bürgerhaus Gallus abzuhalten“. Andreas Lichert, der am Kopf verletzt wurde, habe laut Hübner keinesfalls, wie in der FR behauptet, „aggressiv versucht, sich durch die Menge ins Gebäude zu drängeln“, sondern sei grundlos von den Aktivisten angegriffen und „mit einem Faustschlag“ verletzt worden. Bemerkenswert sei in dem Zusammenhang, dass FR-Redakteur Hanning Voigts schon kurz nach dem Verschwinden der Aktivisten vor Ort war. Offenbar wurde Voigts also von den Linksradikalen über die Aktion informiert. Über den FR-Autor ist bekannt, dass er bestens in der linksextremen Szene der Stadt vernetzt ist.

„Das ist völliger Unsinn!“

Gänzlich unwahr ist laut Hübner also auch, wie Voigts die Auslösung des Feueralarms schildert. Unter dem Artikelbild heißt es dazu in der FR wörtlich: „Teilnehmer der Veranstaltung fühlen sich durch den Protest bedroht, jemand löst den Feueralarm aus.“ Damit wollte Voigts offenbar suggerieren, ein Veranstaltungsteilnehmer hätte aus Angst den Alarm ausgelöst. Hübner dazu: „Das ist völliger Unsinn! Die Aktivisten haben absichtlich eine Scheibe eingeschlagen und den Alarm ausgelöst in der Hoffnung, damit die Veranstaltung zu verhindern.“

Ebenso verschweigt FR-Redakteur Voigts, dass die linksradikalen Aktivisten mit ihrem Ansinnen gescheitert sind. Kein Veranstaltungsteilnehmer ließ sich von der Aktion einschüchtern, die Polizei sicherte für den Rest des Abends das Gebäude. Die Veranstaltung mitsamt Vortrag konnte reibungslos durchgeführt werden und endete wie vorgesehen um 22.00 Uhr.

UPDATE: Andreas Lichert schildert Übergriffe

Mittlerweile konnte metropolico auch Andreas Lichert erreichen, der bei den Übergriffen verletzt wurde. Lichert schildert die Geschehnisse wie folgt: „Ich traf gegen 19 Uhr am Saalbau ein und konnte noch aus der Ferne sehen, wie eine große Gruppe, die sicherlich alleine um die 30 umfasste, zu anderen, bereits vor Ort befindlichen Gegendemonstranten hinzustieß. Insofern ist alleine die Zahlenangaben meines Erachtens deutlich zu niedrig, es waren insgesamt mit Sicherheit über 50 Personen dort. Als ich eintraf, versuchte ich zum Eingang durchzukommen, was mir durch mehrere Unvermummte verwehrt wurde. Als ich hartnäckig blieb, kam die erste Welle mit Tritten, anspucken und Schlägen, ebenfalls noch unvermummt und relativ harmlos. Als ich dennoch nicht ging, kam die zweite Welle, die dann vermummt war und mich gezielt mit Faustschlägen gegen den Kopf angriff. Auch das geschah zweimal bevor ich den Rückzug antrat.“

Auch Lichert kritisierte gegenüber metropolico die Berichterstattung in der FR, der gegenüber ein vermeintlicher anonymer „Zeuge“ gesagt haben soll, Lichert habe „aggressiv versucht, sich durch die Menge ins Gebäude zu drängeln“. Lichert dazu: „Wie plausibel es ist, dass ich mich aggressiv gegenüber 50 Gegendemonstranten verhalten habe, brauch ich wohl nicht zu vertiefen.“ Auch der Begriff „Rangelei“ würde „dem Ganzen nicht gerecht, da es orchestriert war“. Die Vermummten hielten sich laut Lichert anfangs ganz bewusst im Hintergrund. „Die Tatsache der Vermummung an sich zeigt ja schon, dass strafrechtlich relevante Handlungen geplant waren und in Kauf genommen wurden, es sich also keineswegs um Selbstverteidigung, Nothilfe oder eine spontane Eskalation gehandelt haben kann.“

Die Veranstaltung sei trotz der Vorkommnisse „gut besucht“ gewesen, so Lichert. Und: „Wie recht Manfred Kleine-Hartlage mit seinen Analysen hat, war ja gerade durch die Ereignisse belegt worden.“ (MP)