Der bekannte Salafist Sven Lau wurde am Montag in Mönchengladbach wegen Terror-Verdachts verhaftet. Dass diese Verhaftung von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ausging, wirft erneut ein schlechtes Licht darauf, wie Salafisten von der nordrhein-westfälischen Justiz geschont werden.

Brüstet sich damit, Krankenwagen nach Syrien zu schaffen: Sven Lau (Bild: Hemmelrath)
Sven Lau (Bild: Hemmelrath)

Der ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-Chef „Abu Adam“ alias Sven Lau (33) wurde am Montagmorgen auf Veranlassung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft in seiner Heimatstadt verhaftet. Nach einem Bericht des FOCUS wurde er bereits dem Haftrichter vorgeführt und in die Justizvollzuganstalt Mannheim gebracht. Lau steht seit Monaten in Verdacht, Krankenwagen nach Syrien zu schaffen, die im dortigen Bürgerkrieg für Munitionstransporte und Terror-Anschläge gegen Assads Truppen benutzt werden. Auch steht er in Verdacht, zwei Gläubige für den Jihad in Syrien angeworben zu haben.

Wie fast alle Salafisten wird auch Lau von dem Rechtsanwalt Mutlu Günal vertreten. Günal sprach gegenüber FOCUS-Online von „haarsträubenden Vorwürfen“. Günal weiter: „Die Inhaftierung angesichts solch dünner Beweislage ist eine Farce.“ Der Bonner Strafverteidiger will umgehend Haftbeschwerde einlegen.

In Mönchengladbach hatte Lau nie etwas zu befürchten

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft Lau vor, für den gewaltsamen Kampf gegen den syrischen Staat Geld- und Sachleistungen gesammelt, entgegengenommen oder zur Verfügung gestellt zu haben. Dass die Ermittlungen gegen ihn von der Staatsanwaltschaft Stuttgart ausgingen, ist bezeichnend, denn von der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft hatte Lau niemals etwas zu befürchten: Wegen des Verdachts, zusammen mit Glaubensbrüdern am 5. Juni 2011 im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken die eigene Moschee angezündet zu haben, um die Tat sogenannten “Islamhassern” in die Schuhe zu schieben, wurde im Sommer 2011 wochenlang gegen ihn ermittelt. Obwohl in polizeiinternen Kreisen von “erdrückenden Beweisen” gegen Lau gesprochen wurde und Abhörprotokolle des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes (LfV-NRW) aus der Tatnacht eine Tatbeteiligung Laus nahegelegt haben sollen, wurde das Verfahren gegen ihn am 6. Januar 2012 von der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft eingestellt.

Die Einstellung des Verfahrens löste in der Mönchengladbacher Öffentlichkeit große Empörung aus. Der Strafantrag eines Mönchengladbacher Bürgers gegen die für die Einstellung zuständige Staatsanwältin Christiane Ritgens wurde von der General-Staatsanwaltschaft in Düsseldorf reflexartig zurückgewiesen. Und obwohl Lau als Zeuge in einer Verhandlung gegen einen anderen Salafisten vor Gericht zugegeben hatte, bei einer mysteriösen Karnevals-Schlägerei im März 2011, bei der ein am Boden liegender und betrunkener Karnevalist von 10 bis 15 Salafisten brutal zusammengeschlagen wurde, beteiligt gewesen zu sein, wurde er bis heute nicht von der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft dafür angeklagt. In der Mönchengladbacher Öffentlichkeit jedoch ist Lau extrem unbeliebt; als er am 8. Februar zusammen mit Pierre Vogel einen Auftritt in seiner Heimatstadt hatte, demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen ihn und seine „Brüder“ (metropolico berichtete). (PH)