Am Samstag hat sich der umstrittene Bonner AfD-Schatzmeister Amir Haddad Rahmati in einem Interview geäußert. Darin behauptet er, keine Ahnung zu haben, was alles in der Scharia stünde, da er kein Muslim sei. Seine Aussagen gegenüber dem Islam-Kritiker Jürgen Grimm bestreitet er aber nicht.

Alternative für Deutschland? (Bild: metropolico.org)
Extreme und widersprüchliche Reaktionen der AfD auf die Berichterstattung von metropolico – alles nur „Missverständnisse“? (Bild: metropolico.org)

Wer das am Samstagabend veröffentlichte Interview mit Amir Haddad Rahmati, dem Bonner Schatzmeister der Alternative für Deutschland (AfD), geführt hat, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt. Auffällig ist, dass auch dieses Interview, ebenso wie das mit dem Essener AfD-Sprecher Marco Trauten am Freitag, auf dem als islamkritisch bekannten Blog Politically Incorrect (PI) veröffentlicht wurde. PI ist im Wahljahr 2013 immer wieder durch unkritische Berichterstattung zugunsten der AfD aufgefallen. Im November 2013 distanzierte sich die AfD jedoch von PI und bezeichnete den Blog auf einer ihrer Facebook-Seiten als „rechtsradikal“ und „volksverhetzend“. Trotzdem wurde nach metropolico vorliegenden Informationen zum Jahresende 2013 ein in der PI-Redaktion eingereichter Beitrag über die umstrittene Veranstaltung der Bonner AfD vom 18. Dezember von dieser zurückgewiesen und nicht veröffentlicht.

„Da ich kein Muslim bin, habe ich keine Ahnung, was alles in der Scharia steht“

Höhepunkt des PI-Interviews mit Amir Haddad Rahmati ist dessen Aussage, er habe „keine Ahnung“, was alles in der Scharia stünde, da er kein Muslim sei. Dazu jedoch, welcher Religion er tatsächlich angehöre, macht er keine Angaben. Die auf den Aussagen mehrerer Zeugen basierende Berichterstattung von metropolico zum Ablauf der umstrittenen Veranstaltung der Bonner AfD am 18. Dezember bestreitet Rahmati mehrfach; so behauptet er, lediglich der Islam-Kritiker Jürgen Grimm habe den Salafismus auf dieser Veranstaltung thematisieren wollen. Auch habe er Grimm nach dem Ende der Veranstaltung nur deswegen angesprochen, weil „andere Leute“ ihn gebeten hätten, diesen zu bitten, seine Flugblätter (über die Bedrohung durch den Salafismus, Anm. d. Autors) nicht weiter zu verteilen. Daraufhin seien Grimm und er „leider“ ins Gespräch gekommen.

Beim Anblick der Mohammed-Karikatur „ausgeflippt“

Beim Anblick der berühmten Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard „ausgeflippt“ zu sein, bestreitet Rahmati nicht, verweist aber darauf, nicht das Bild habe ihn „sauer gemacht“, sondern das Gefühl, „dass die Sache eskaliere“; er habe nicht das Gefühl gehabt, dass es um eine sachliche Diskussion ging, sondern dass Grimm ihn damit „zu einem Testobjekt degradiert habe, wie eine Substanz, bei der man mal eben einen Lackmustest durchführt“.

Grimm hatte die Tatsache, Rahmati an diesem Abend mit Westergaards Karikatur konfrontiert zu haben, damit begründet, dass Rahmati kurz zuvor gesagt habe, der Islam stehe für eine „offene“ und „tolerante“ Gesellschaft und er ihn nach dieser Aussage dazu befragen wollte, dass Westergaard für diese Karikatur zwar einen Preis der Bundeskanzlerin erhalten habe, aber nur knapp dem Mordanschlag eines radikalen Muslims entgangen sei. Daraufhin habe Rahmati nicht nur sichtlich gereizt reagiert, sondern soll die Karikatur als eine “Beleidigung des Propheten” bezeichnet haben, die “gegen die Religionsfreiheit verstoße”. Im Interview hingegen erzählt Rahmati, die Karikatur gefalle ihm nicht und er fände sie nicht lustig, weil das Thema zu ernst sei. Trotzdem dürfen die Muslime, so Rahmati, deshalb nicht „durch die Straßen laufen und Gewalt ausüben“.

Rahmati hat Erinnerungslücken, bestreitet aber nichts

Auffällig sind die nicht wenigen Erinnerungslücken Rahmatis; so vermag er sich in diesem Interview weder an die Einladung zu dieser Veranstaltung, noch an seine genaue Wortwahl in der Auseinandersetzung mit Grimm zu erinnern. Auffällig ist ferner, dass er seine von Grimm und später auch von metropolico zitierte Aussage, „der Islam stehe für eine offene und tolerante Gesellschaft“, nicht bestreitet, sondern lediglich näher erläutert.

Auch bestreitet er nicht, gesagt zu haben, zur Religionsfreiheit gehöre auch, dass Muslime in Deutschland nach der Scharia leben können; auf diese Aussage angesprochen verweist er darauf, dass er ja gar kein Muslim sei und somit auch nicht wisse, was in der Scharia stünde. Die ihm vorgeworfene Forderung danach, dass “Islamophobie” in Deutschland unter Strafe gestellt werde wie auch die Aussage, Westergaards Karikatur sei eine „Beleidigung des Propheten“, die „gegen die Religionsfreiheit verstoße“, kommen in diesem Interview interessanterweise gar nicht erst zur Sprache und bleiben damit ebenfalls unbestritten. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Amir Haddad Rahmati in diesem Interview bezüglich seines Gesprächs mit Jürgen Grimm am Abend des 18. Dezembers zwar nicht wenig relativiert, mehrfach auf neue Darstellungen ausweicht, aber bei genauerer Betrachtung keine einzige seiner von Grimm und später auch von metropolico zitierten Aussagen explizit bestreitet. Stattdessen betont Rahmati am Ende des Interviews, dass alles nur ein „Missverständnis“ gewesen wäre, das er „hoffentlich jetzt ausgeräumt habe“.

Grimm bedankt sich für die „Klarstellung“ 

Der Islam-Kritiker Jürgen Grimm, gegen den im Januar wegen seiner Aussage, er halte Rahmati für einen Islamisten und Islamisten wolle er bekämpfen, ein von Jörg Burger, Sprecher der nordrhein-westfälischen AfD, und Hans-Friedrich Rosendahl, Presse-Sprecher des Landesverbandes, unterzeichnetes Hausverbot für alle Veranstaltungen der AfD erlassen wurde, erklärte am Sonntag gegenüber metropolico, dass er das Interview ebenfalls als Bestätigung seiner Darstellung betrachte. Für diese Klarstellung wolle er sich „ausdrücklich bedanken“. Da die Ereignisse schon länger zurückliegen, habe er auch Verständnis dafür, dass sich Rahmati nicht an jedes Detail erinnern könne, möchte aber dennoch daran erinnern, dass es andere Veranstaltungsteilnehmer waren, die erklärt haben, dass der Salafismus in Bonn das größte Problem darstelle, so Grimm weiter.

Rahmatis schlecht getarnte Bestätigungen sind insofern erstaunlich, als dass Patricia Casale, stellvertretende Bundessprecherin der AfD, in ihrer Stellungnahme am Donnerstag, in der sie metropolico als „hetzerische Journaille“ bezeichnet hat, noch davon gesprochen hat, der „gemäßigte“ Rahmati habe seine von metropolico zitierte Aussage zur Scharia gar nicht gemacht, diese sei ihm „wohl in den Mund gelegt worden“. Und warum Hans-Friedrich Rosendahl, Rahmatis Bonner Vorstandskollege, vier Anfragen von metropolico unbeantwortet ließ und bei der letzten betonte, metropolico gehöre nicht zu den Medien, mit denen er rede, wird in dem Interview auch nicht erklärt. Ob diese „Missverständnisse“ ebenfalls noch ausgeräumt werden, bleibt abzuwarten. (PH)