192.500 Unterschriften der Petition gegen den Bildungsplan 2015 übergeben

Petition: Zukunft-Verantwortung-Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens (Bild: Petitionseite; Rechte siehe Link)
Petition: Zukunft-Verantwortung-Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens (Bild: Petitionseite; Rechte siehe Link)

Gegen den Bildungsplan 2015 des Landes Baden-Württemberg regte sich in unerwartetem Ausmaße Widerstand (metropolico berichtete). Gabriel Stängle hatte vor Wochen eine Petition unter dem Titel „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ gestartet und Unterschriften gesammelt. Am 27. Januar wurde die Petition mit 192.500 Unterstützerunterschriften geschlossen und am 30. Januar an den Landtag von Baden-Württemberg übergeben.

Wie aus dem Nachrichtenschreiben des Petitionszeichners Gabriel Stängle zu erfahren ist, haben 192.500 Menschen aus Baden-Württemberg und ganz Deutschland in den letzten Wochen die Petition zum Bildungsplan 2015 unterzeichnet. Fast 50.000 Unterschriften seien handschriftlich über einen Sammelbogen eingegangen. Am 27. Januar wurde die seit Ende November laufende Petition geschlossen.

Bildungsplan vergrößert Kluft zwischen Zuwandererkultur und deutscher Gesellschaft“

Zur offiziellen Übergabe der gesammelten Unterschriften hatten sich die Initiatoren der Petition mit den Vertretern des Petitionsausschusses vor dem Plenarsaal des Landtags von Baden-Württemberg verabredet. Gabriel Stängle wiederholte die Forderungen der Petenten und übergab dem Petitionsausschuss den Petitionstext samt den Unterschriftenlisten. Hier die Rede Stängles:

„Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
heute dürfen wir Ihnen im Namen von 192.500 Bürgerinnen und Bürgern die Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ übergeben. Mit ihren Unterschriften haben 82.000 Baden-Württemberger deutlich gemacht, dass sie sich unseren Forderungen bezüglich der Überarbeitung der Leitprinzipien zum Bildungsplan 2015 anschließen. Nicht nur online wurden Unterschriften eingereicht – auf 5.532 Listen haben 49.307 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten unterschrieben. All diese Unterschriften dürfen wir Ihnen heute mit dem Petitionstext, unseren Forderungen und den Begründungen übergeben. Selbstverständlich stehen wir als Initiatoren für eine persönliche Aussprache oder Rückfragen zur Verfügung.“

Laut der Internetseite Bildungsplan2015.de wurde von einer weiteren Unterzeichnerin, Frau Engül Köhler, Tochter einer türkischen Zuwandererfamilie und Mutter zweier Kinder, an die Abgeordneten folgende Stellungnahme verlesen:

„Im Gespräch mit vielen türkisch stämmigen Mitbürgern über die Vorstellungen der Landesregierung zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ stand bei meinen Gesprächspartnern das blanke Entsetzen im Gesicht. Die Pläne des Kultusministeriums werden zu einer größer werdenden Kluft zwischen vielen Zuwandererkulturen und der deutschen Gesellschaft führen. Das Thema sexuelle Erziehung und die damit verbundene Wertevermittlung wird bspw. in der türkischen Kultur noch viel stärker als Aufgabe der Familie gesehen. Wenn die Pläne zur „sexueller Vielfalt“ so umgesetzt werden bedeutet das einen Rückschritt bei der Integration und führt unweigerlich zu einem Vertrauensverlust. Wir brauchen einen Unterricht der zu Toleranz und Offenheit führt und die Schülerinnen und Schüler mitnimmt und sie nicht stigmatisiert.“

Kritische Stimmen aus Reihen der Kirchen und dem Philologenverband

Der Petitionszeichner Gabriel Stängle führt in seinem Schreiben weiter aus, dass die bislang unter Verschluss gehaltenen Leitprinzipien (Arbeitspapier) durch das Kultusministerium am 10. Januar diesen Jahres veröffentlicht wurden. Auf 32 Seiten könnten sich Interessierte selbst einen Überblick über den Entwurf der Leitprinzipien machen.

Am selben Tag noch hätten sich die Landeskirchen in Baden-Württemberg ebenfalls kritisch zum Bildungsplan geäußert: „Jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gilt es zu wehren. Dies gilt nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe. Was in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers ist, muss nach Überzeugung der Kirchen auch in Bildungsprozessen kontrovers dargestellt werden”.

Verschiedene Verbände wie zum Beispiel der Philologenverband, der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg, aber auch die Evangelische Allianz sowie die Evangelische Lehrer- und Erziehergemeinschaft in Württemberg äußerten sich teils kritisch zu den Leitprinzipien.

Petition zeichnet „Zerrbilder und schürt Ängste“

Stängle informierte darüber, dass über die Petition in den Medien berichtet und diskutiert worden war. So auch in der SWR-Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg!” mit CDU-Chef Peter Hauk. Dieser sagte, man müsse die Ängste und Sorgen der Petenten ernst nehmen. Die Petition sei in diesen Tagen immer wieder von Seiten der Landesregierung diffamiert worden.

So wirft Kultusminister Andreas Stoch Stängle vor, er zeichne Zerrbilder und schüre Ängste. Es gehe um „Weltoffenheit, Toleranz und Respekt vor jedem Menschen und seiner Würde, damit sich niemand diskriminiert fühlt oder verstecken müsse“, so der SPD-Politiker. Wenn man akzeptiere, dass es andere Lebensformen gibt, stelle man die Institutionen Familie und Ehe keineswegs infrage. Der Realschullehrerverband distanzierte sich von der Petition, kurz darauf gab Stängle, der dort Referent für Erziehung, Bildung und Schulpolitik war, das Amt auf.

Die Initiatoren freuen sich nach eigenen Angaben, wenn die sachliche Auseinandersetzung mit dem Bildungsplan 2015 auch in den kommenden Wochen weiter die Baden-Württemberger bewegt. Nach Übergabe der eingegangenen Unterschriften an den Petitionsausschuss vertraue man darauf, dass die Petition vom Landtag bearbeitet werde. (BS)