Im Prozess von Daniel S. keine Verurteilung wegen Mordes oder Todschlag

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Keine Verurteilung wegen Mordes oder Todschlag im Prozess um den Tod von Daniel S. (Bild: ACBahn; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Im Prozess um den Tod von Daniel S. am Bahnhof Kirchweyhe wird es keine Verurteilung wegen Totschlags oder Mordes geben. Das Gericht kann dem Angeklagten einen Tötungsvorsatz nicht nachweisen.

Wie der Vorsitzende Richter Joachim Grebe am Verdener Landgericht am Mittwoch verkündete, wird das Urteil wegen Körperverletzung mit Todesfolge nach Jugendstrafrecht gesprochen. Wird der Angeklagte danach verurteilt, erwartet ihn ein Strafmaß von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Richter kann keine Tötungsabsicht erkennen

Wie die Kreiszeitung berichtet, schloss Grebe eine Verurteilung des 20-jährigen Angeklagten Cihan A. wegen Mordes aus. Eine Tötungsabsicht könne ihm nicht nachgewiesen werden. Das Gericht dürfe kein Urteil auf Grundlage von Mutmaßungen und Emotionen fällen. Es müsse von der Schuld des Angeklagten überzeugt sein. Das treffe auf den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf des Mordes nicht zu.

Nach der Anhörung von mehr als 60 Zeugen spreche vieles dafür, dass mehrere Täter beteiligt waren. Vorliegende Gutachten der Rechtsmedizin lassen überdies den Rückschluss zu, dass kein Tötungsvorsatz vorliegt.

Der von mehreren Zeugen im Vorfeld der Tat gehörte Ausspruch des türkischstämmigen Angeklagten „Einer wird diese Nacht nicht überleben“ ist für den Vorsitzenden Richter „eher Prahlerei“ als eine ernst zu nehmende Morddrohung.

Totgetreten und danach verhöhnt

Der 25-jährige Daniel S. war in der Nacht zum 10. März 2013 zusammen mit Freunden zu Gast in einer Disko gewesen. Anschließend wollte die Gruppe noch eine andere Disko im 40 Kilometer entfernten Weyhe besuchen und mietete für die Fahrt, wie in dieser ländlichen Region üblich, einen Bus. Aus Kostengründen nahm die Gruppe fünf ihr unbekannte Männer mit. Auf der Fahrt kam es zu einem heftigen Streit mit den Mitfahrern, die dann per Handy „Verstärkung“ anforderten. Als der Bus sein Ziel im Weyher Ortsteil Kirchweyhe vor dem Bahnhof Kirchweyhe erreichte, hatte sich dort bereits eine Gruppe von Freunden der Mitfahrer versammelt. Daniel S. stieg als Erster aus und wollte schlichten. Fünf Männer schlugen und traten auf ihn ein, wobei er lebensgefährlich verletzt wurde. Er erlag vier Tage später seinen schweren Kopfverletzungen.

Unmittelbar nach der Tat kam es auf Facebook zur Verhöhnung des Opfers durch dem Täter nahestehende Personen. Mit Anspielungen darauf, dass das Opfer Deutscher ist, äußerten sich verschiedene Kommentatoren aus dem Umfeld des Täters etwa mit Beiträgen wie „Ein Bastard Nazi weniger in weyhe das ist ja suppii“ oder „Cihan hätte sich bestimmt nicht gedacht das dass so schlimm endet es ist nur eure dreckige Art die uns zwingt mit euch sowas zu machen ihr Nazis“.

In Weyhe fanden am 16. und 23. März 2013 Mahnwachen statt, an denen jeweils bis zu 2.000 Menschen teilnahmen. Der Bürgermeister der Gemeinde, Frank Lemmermann (SPD), hatte eine am 15. März angemeldete Mahnwache verboten. Die Gemeinde Weyhe hat darauf zu einer eigenen Mahnwache aufgerufen und warb dabei für „ein buntes, nicht braunes Weyhe“ und positionierte sich gegen eine „Instrumentalisierung des Falls durch Rechts“.

Prozess soll zügig beendet werden

Das Urteil gegen den Angeklagten Cihan A. wird vermutlich noch im Februar gesprochen, so der Vorsitzende Richter Grebe weiter. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Richter angekündigt, er wolle den Prozess nun „zügig beenden“. Das Urteil könnte bereits am 9. Februar, soweit keine weiteren Beweisanträge von der Staatsanwaltschaft eingebracht würden, fallen. (DB)