Haben die Salafisten in Wahrheit nur woanders Unterschlupf gefunden?

Die Masjid-Arrahman-Moschee in Rheydt (Bild: Jansen)
Die Masjid-Arrahman-Moschee in Rheydt (Bild: Jansen)

Für den 8. Februar haben die Salafisten die „Rückeroberung“ Mönchengladbachs angekündigt. Seitdem wollen plötzlich alle und jeder gegen diese Vertreter des radikalen Islams protestieren. Aber waren die Salafisten in der Zwischenzeit überhaupt weg?

„Die Rückeroberung Mönchengladbachs“ – mit diesen Worten hat Pierre Vogel im Internet die für den 8. Februar geplante und inzwischen auf den Alten Markt verlegte Salafisten-Kundgebung angekündigt. Seitdem wollen alle und jeder gegen Salafisten demonstrieren, selbst das Bündnis „Aufstehen!“, das sonst nur „gegen Rechts“ aufsteht, will plötzlich auch gegen Salafisten sein (metropolico berichtete). Nur die linksextreme „Antifa“ bleibt sich treu und will gegen die Salafisten und die Bürgerbewegung Pro NRW demonstrieren, weil diese ebenfalls keinen Islamismus in der Stadt will. Kaum einer, der in dieser Situation danach fragt, ob die Salafisten denn auch wirklich weg waren?

Sicher, Pierre Vogel war tatsächlich weg. Von zwei Bürgerinitiativen 2011 aus dem Mönchengladbacher Stadtteil Eicken vertrieben zu werden, war die schmerzhafteste Niederlage, die er jemals in Deutschland erleiden musste. Grund genug für eine so öffentlichkeitssuchende Person, gleich mehrere Jahre einen großen Bogen um die ganze Stadt zu machen. Auch Muhammad Ciftci wurde seitdem nicht mehr in Mönchengladbach gesehen; seine Koran-Schule blieb in Braunschweig und wurde später, noch zu Zeiten des CDU-Innenministers Uwe Schünemann, von den niedersächsischen Behörden verboten. Bei Sven Lau wurde allgemein erwartet, dass er auf der Anklagebank eines Gerichts landet, aber die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft entschied anders. Lau nutzte das, um Krankenwagen nach Syrien zu schaffen. Was sich harmlos anhört, aber leider nur für den, der nicht weiß, dass Krankenwagen im syrischen Bürgerkrieg für Terror-Anschläge gegen Assads Truppen und Munitionstransporte verwendet werden. Kurz: Das ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-„Dreigestirn“ war tatsächlich weg. Aber was war mit dem salafistischen Fußvolk? Hat das wirklich die Stadt verlassen?

Die Spur führte schnell nach Rheydt

Bereits im Februar 2012 recherchierte Gabi Peters, eine Journalistin der Rheinischen Post, dass Salafisten aus Eicken in der Masjid-Arrahman-Moschee im benachbarten Rheydt Unterschlupf gefunden hätten. In ihrem Artikel vom 16. Februar 2012 dazu wird Jürgen Lützen, Presse-Sprecher der Mönchengladbacher Polizei, mit der Aussage zitiert, dass der Staatsschutz Kenntnis davon habe, dass Anhänger des Salafismus dort verkehren. Diese würden, so Lützen weiter, dort „geduldet“. Nur wenige Tage nach dieser Veröffentlichung distanzierte sich Khalid Triqui, Mitbegründer des Vereins Masjid-Arrahman, von den Salafisten und führte als Beleg dafür an, Pierre Vogel und Sven Lau hätten in dieser Moschee Hausverbot. Ein Hausverbot, das von den meisten Menschen sofort so verstanden wird, dass die Moschee, die es ausgesprochen hat, nichts mit dem radikalen Islam im Sinn hat. Experten wissen jedoch, dass gerade die Moscheen, in denen radikales Gedankengut gepredigt wird, sehr öffentlichkeitsscheu sind und deshalb gerne Hausverbote für öffentlichkeitssuchende Prediger wie Pierre Vogel aussprechen.

Auch behauptete Triqui damals, man habe nur junge Salafisten aufgenommen, um diese zu „re-integrieren“. Aber die Frage ist, in was diese jungen Salafisten „re-integriert“ werden sollen? Bei der Masjid-Arrahman-Moschee handelt es sich um eine marokkanische Moschee. Gegenüber metropolico erklärte ein Experte, dass die meisten marokkanischen Moscheen in Nordrhein-Westfalen malikitische Moscheen seien und dass das Gedankengut der Malikiten ähnlich radikal sei wie das der Salafisten. Auch hat Burkhard Freier, Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, erst vor wenigen Wochen im Innenausschuss des Landtages einräumen müssen, dass die Salafisten aktuell den meisten Zulauf von Marokkanern hätten. Eine klare Trennung zwischen den Salafisten, Malikiten und anderen radikalen Muslimen ist somit gar nicht möglich.

Bis zu 500 Gläubige beim Freitagsgebet

Interessanterweise argumentiert die Masjid-Arrahman-Moschee bis heute ähnlich und verweist darauf, dass ihr Freitagsgebet von bis zu 500 Gläubigen besucht würde und es deswegen nicht möglich sei, zu kontrollieren, ob sich Salafisten oder andere Islamisten darunter befänden. Auch darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass in marokkanischen Moscheen nicht auf Deutsch, sondern üblicherweise auf Hocharabisch gepredigt wird.

Die Nachfrage von metropolico, ob und wie bei einer solchen Masse von Gläubigen sowie Predigten in Arabisch die Sicherheitsbehörden überhaupt noch kontrollieren können, ob Islamisten in einer Moschee verkehren und welches Gedankengut dort tatsächlich gepredigt wird, wollte das nordrhein-westfälische Innenministerium am Mittwoch aus ermittlungstaktischen Gründen nicht beantworten. Ahmet Abouelayoun, Vertreter der Masjid-Arrahman-Moschee, machte es sich ganz einfach; er erklärte vor wenigen Wochen im Mönchengladbacher Lokalfernsehen sinngemäß, dass der deutsche Staat die Schuld trage, denn dieser würde Salafisten-Kundgebungen genehmigen.

Selbst vermeintliche Salafisten-Gegner haben keine Einwände

Bemerkenswert ist, wie wenig Interesse die Vorgänge um diese Moschee seit 2012 in Mönchengladbach hervorgerufen haben: Nach der wenig glaubwürdigen Distanzierung von Khalid Triqui hatte die Rheinische Post das Interesse an diesem Thema vollständig verloren. Und als die Bürgerbewegung Pro NRW am 12. Oktober vor der Masjid-Arrahman-Moschee eine Protest-Kundgebung gegen Salafisten abhielt, konnte sich die wichtigste Zeitung der Stadt plötzlich nicht mehr an ihre eigenen Recherchen dazu erinnern. Wilfried Schultz, Chef der Splitterpartei Bürgerliche Demokraten Deutschlands (BDD) und zumeist der einzige Salafisten-Gegner der Stadt, den die Rheinische Post zu Wort kommen lässt, will zwar auch am 8. Februar gegen Salafisten demonstrieren, hat aber gegen diese Moschee noch nie protestiert.

Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) beließ es bei seiner Aussage gegenüber dem Solinger Tageblatt vom 7. Mai 2012, nach der es in Mönchengladbach „viele Moscheen gäbe“ und deshalb nicht ausgeschlossen werden könne, „dass weiterhin Menschen unter uns leben, die diese radikale Ausrichtung des Islam befürworten“. Eine Aussage, die Bude zu einem Zeitpunkt gemacht hat, zu dem die Salafisten in der Masjid-Arrahman-Moschee dem Mönchengladbacher Staatsschutz längst bekannt waren. Somit bleibt die wenig schöne Frage zurück, ob es sein kann, dass nach Pierre Vogels lautstark für den 8. Februar angekündigter Kundgebung plötzlich alle und jeder gegen Salafisten sein wollen, aber außer einer nicht unumstrittenen Bürgerbewegung niemand in dieser Stadt wirklich Einwände gegen die Präsenz von Salafisten und anderen Vertretern des radikalen Islams hat? (PH)