(Bild: Israel Defense Forces; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link
Nicht überall, wo Frauen scheitern, ist ein Mann daran schuld (Bild: Israel Defense Forces; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Birgit Stöger: Sind deutsche Soldaten testosteronverseuchte Neidhammel, Frau Göbel?

„Soldaten sind Mörder“. Sagte Kurt Tucholsky. Franz Josef Strauß versuchte durch eine Strafanzeige zu verhindern, dass durch diese Lieblingsparole der „Friedensaktivisten und Antimilitaristen“ Soldaten diffamiert werden können. Jedoch, so entschied das Verfassungsgericht in einem jahrelangen Hin und Her – durch das hohe Gut der Meinungsfreiheit sind solche Aussagen gedeckt.

Wenn man dies über Soldaten behaupten darf, dann ist die Aussage, „Soldaten erweisen sich als schlechte Verlierer“ nichts weiter als „Pille-Palle“, oder?

In der Thüringischen Landeszeitung begründet die Schöpferin dieser Aussage, die Redakteurin Frau Sibylle Göbel, diesen Anwurf mit wohlbekannten Argumenten aus der Gender-Wundertüte.

„Truppenbild ohne Dame?“ – eine Bedrohung weniger?

Frau Göbel hat sich offensichtlich an dem Ergebnis der aktuellen Umfrage zum Bundeswehr-Image gestoßen. Nein, sie muss sich maßlos darüber geärgert haben – eine andere Begründung gibt es für ihren Artikel nicht. Kam doch letzte Woche laut Welt-Online heraus, dass satte 57 Prozent der männlichen Soldaten der Ansicht sind, die Bundeswehr habe sich verschlechtert, seit Soldatinnen dort ihren Dienst tun. Laut der 97-seitigen Studie mit dem Titel „Truppenbild ohne Dame?“ aus dem Jahr 2011 wurden rund 4.900 Soldatinnen und Soldaten befragt.

Frau Göbel versteigt sich in ihrem recht kurz gefassten Kommentar zu der Aussage, dass „obwohl nur jeder zehnte deutsche Soldat eine Frau ist – viel männliche Bundeswehrangehörige diesen Anteil als Bedrohung empfinden“ würden. In der zitierten Studie existiert jedoch keine einzige Zeile, die diese Aussage auch nur im Ansatz untermauern würde.

Naja – Frau Redakteurin schränkt ihre Aussage dahingehend ein, dass dies ja „so auch niemand sagen würde“. Vielmehr verstecke „sich Mann hinter der Sorge, dass unter der weiblichen Unterwanderung der Truppe deren Kampfkraft leiden könnte“. Und diese „Sorge“ wird auch noch von knappen 36 Prozent der befragten Soldaten geteilt. Konkret werden insbesondere die schlechteren körperlichen Leistungen der Damen kritisiert, die diese Sorge um den Kampfverlust der Streitkräfte nähren.

Gemeinheiten aus der Testosteron-Truppe

Wie, Frau Göbel, sollten die Verantwortlichen reagieren, wenn diese Sorge der Realität entsprechen würde und die Kampfkraft der Deutschen Bundeswehr wäre tatsächlich geschwächt? Es geht hier ja nicht um den Speiseplan, der die Inhalte der Blechnäpfe festlegt. Es geht um die Fähigkeit der Truppe, Kampfeinsätze führen zu können – und diese zu überleben. Ein Umstand, der Soldaten schon mal überlegen lässt, ob sie dabei eine verlässliche und leistungsfähige KameradIn an ihrer Seite haben. Dabei helfen 50 saubere Liegestütze im Allgemeinen mehr als das korrekte Setzen eines Binnen-I’s. Diese Frage treibt Frau Göbel aber nicht um. Nein!!! Ihre Schlussfolgerung ist eine andere: Die Männer sehen ihre beruflichen Perspektiven dahinschmelzen! Deshalb diese Gemeinheiten aus der Testosteron-Truppe.

Und das sieht man ganz, ganz deutlich daran, dass die letzte sicher geglaubte Bastion für den männlichen beruflichen Aufstieg fällt. Denn Frauen, so Göbel, würden sich nicht mehr damit zufrieden geben, in der „Truppe allenfalls den Erste-Hilfe-Koffer zu schwenken!“ Und das mache den männlichen Verteidigern Angst. Viel mehr Angst anscheinend, als die Vorstellung, in einer Kampfeinheit zu dienen, die aus einem Gleichheitswahn heraus seine Kampfkraft eingebüßt haben könnte, oder?

Und weil unsere männlichen Soldaten ob der tarngrünfarbenen Emanzipation so verängstigt sind, werden diese – ganz nach männlicher Manier – offen oder unterschwellig aggressiv.

Frau Göbel führt den finalen, feministischen Schlag mit den Worten: „Die Soldaten, die glaubten, wenigstens bei der Truppe einen Ort gefunden zu haben, an dem ihr Fortkommen für alle Ewigkeit gesichert ist und sie nicht von einer gut qualifizierten Frau bei der Bewerbung um einen Führungsposten aus dem Feld geschlagen werden können, sehen sich getäuscht.“ Das hat gesessen!

Schlechte Verlierer seid ihr!

Nachdem sich der männliche Teil der Bundeswehr auf ein Häuflein verängstigter und unterschwellig aggressiver Neidhammel dezimiert hat, müssen sich diese misogynen Machos dem abschließenden Urteil von Frau Göbel beugen: Ihr seid schlechte Verlierer! Und das in großer Zahl. „Wer mit der neuen Konkurrenz nicht souverän umgehen kann, der stellt ihre Kompetenz in Frage!“ Ganz klar! Und wenn das nicht fruchtet, dann werden die Kolleginnen auf Teufel komm raus belästigt – plumpe Anmache, anzügliche Witze, Pornobilder.

So geben 55 Prozent der befragten Soldatinnen an, eine Form der sexuellen Belästigung erlebt zu haben. Dabei wurde laut „Truppenbild ohne Dame?“ differenziert zwischen sexuellen Bemerkungen (47 Prozent), das sichtbare Anbringen pornographischer Inhalte (25 Prozente) – wobei die Frage gestattet sei, ob hier im Spint des Kollegen „herumgegruschtelt“ wurde. Über unerwünschte, beabsichtigte körperliche Berührungen an Brust, Po oder Schulter klagen ganze 24 Prozent, sexuelle Übergriffe haben laut Befragung 3 Prozent erleben müssen.

Es geht um einen Mythos

Fast am Ende ihres Textes angelangt, Frau Göbel, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es Ihnen bei ihrer ganzen „Bundeswehrkritik“ nicht primär um die Soldatinnen geht. Es geht Ihnen doch eher darum, den Mythos aufrecht zu erhalten, dass überall dort, wo Frauen beruflich scheitern, ein Mann die Schuld trägt. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so, dass es in der Bundeswehr Missstände gibt und die dienenden Frauen diese nicht ohne Grund beklagen.

Andererseits – selbst wenn das von der neuen VerteidigungsministerIn gerne so lapidar dargestellt wird – ein ganz normaler Arbeitgeber respektive ein ganz normaler Arbeitsplatz wird die Bundeswehr nie sein. Bei der Bundeswehr finden sich Männer und Frauen ein, die einen Beruf erwählt haben, der das Töten und Getötetwerden inkludiert. Testosteron sei hier als „Entschuldigung“ für die von ihnen genannte „offene oder unterschwellige Aggressivität“ der männlichen Vertreter dieser Berufsgruppe genannt. Das männliche Sexualhormon wird im Ernstfall die Überlebenschancen des damit „Verseuchten“ erhöhen – Kampfbereitschaft und Absenken von Tötungshemmungen hängen direkt damit zusammen. Das dürfte auch einer der maßgeblichen Gründe sein, weshalb in den meisten Armeen Frauen in der kämpfenden Truppe die absolute Ausnahme bleiben. No Testosteron – no Fight! Selbst dann, wenn die körperliche Kraft und Belastbarkeit aufgrund des technischen Fortschritts keine entscheidende Rolle mehr spielen sollten.

Lassen wir das Thema „Truppenbild ohne Dame?“ mit dem Frohlocken der Autorin ausklingen und teilen ihre Freude darüber, dass es gut sei, nun endlich eine Frau an der Spitze der Bundeswehr zu haben. Und zwar eine, die noch dazu „die Tricks der Männer kennt“! (BS)