Der Kapitalismus hat Armut nicht geschaffen – er ebnet sie ein

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Kapitalismus hat nicht Armut geschaffen – Kapitalismus ebnet die Armut ein (Bild: metropolico.org)

„Die reichsten 85 Menschen dieser Erde haben mehr Vermögen, als die 3,5 Milliarden der Ärmsten zusammen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer und hält die Menschen in der Armut gefangen.“ Die Hilfsorganisation Oxfam berichtete dies zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos in der vergangenen Woche. Unter dem Namen Oxfam, 1942 gegründet, sind nach Eigendarstellung verschiedene Hilfs- und Entwicklungsorganisationen zusammengeschlossen, die sich für eine „gerechtere Welt ohne Armut“ einsetzen. Ein weiteres Ziel des Verbundes: Geschlechtergerechtigkeit. Oxfam spielt hier auf der Klaviatur der„sozialen Ungerechtigkeit“ und singt dazu das Lied der „Kluft zwischen Arm und Reich – der Grund dafür, weshalb vielen Menschen der soziale Aufstieg verwehrt bleibt“.

Clever, einfach, eingängig – aber nicht wahr! Diese Schlussfolgerung, dass Ungleichheit Menschen in der Armut verhaftet lässt, sei schlichtweg falsch, kontert der Kolumnist Aaron McKenna im Online-Nachrichtenportal thejournal.ie: Ungleichheit sei nicht das Problem, das Menschen in Armut hält. Sie ist lediglich ein Symptom des Wachstums durch den Kapitalismus, der so viele Menschen aufsteigen lässt und ihnen ein besseres Leben beschert.

Der chinesische Kapitalismus ist schuld

Eines der viel zitierten Beispiele, die dies belegen, ist das heutige China. In dem aufstrebenden Land sind mittlerweile einige der reichsten Menschen der Welt zu finden. Im Jahr 1980 gab es in China eine extreme Armutsrate von 85 Prozent. Extreme Armut wird dadurch definiert, dass Menschen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben müssen. Heute ist die extreme Armutsrate in China unter die 10-Prozent-Marke gefallen. 680 Millionen Chinesen stiegen aus dieser extremen Armut in Verhältnisse auf, die unserer städtischen Mittelschicht ähnlich sind. Nun ist die Frage, wie es in China gelungen ist, in den letzten 30 Jahren ein Heer von Menschen der extremen Armut zu entreißen – mehr Menschen, als die gesamte Bevölkerung der EU und Russlands zusammen genommen. Und dennoch argumentieren auch hier Gutmenschen, dass es eine „eklatante Kluft zwischen Arm und Reich“ gebe. Der Schuldige ist sogleich gefunden: der chinesischen Kapitalismus.

Aber auch hier gilt: Der Kapitalismus hat nicht die Armut in China geschaffen. Der Kapitalismus erbte eine sozialistische Nation, die sich kaum selbst ernähren konnte. 30 Jahre marktwirtschaftliche Reformen ermöglichten es 90 Prozent der Bevölkerung, extremer Armut zu entkommen. Bei allen Problemen, die Wachstum mit sich bringt – das ist eine Glanzleistung der Marktwirtschaft.

Seit dem Fall der Sowjetunion wurden rund eine Milliarde Menschen weltweit aus extremer Armut befreit. Die Rate der extrem Armen konnte in den Entwicklungsländern von 43 Prozent auf 21 Prozent nahezu halbiert werden.

Das hysterische Gekreische der Kapitalismusgegner und das Anprangern der Ungleichheit wirkt wie ein Spiel, bei dem man ein paar billige Punkte holen kann. Dass jedoch Milliarden von Seelen vor erdrückender Armut erlöst wurden und Milliarden somit eine besseren Lebensstandard genießen können, darüber wird in diesem Spiel der Kapitalismuskritik nicht gesprochen.

Ein normaler Vorgang – Ungleichheit schwankt

Die Geschichte zeigt, dass sich Einkommensunterschiede in der Zukunft verringern werden, bevor sie eines Tages wieder steigen. England hatte im Jahr 1823 einen „Gini-Koeffizient“ – dieser misst die Ungleichheit der Einkommen- von 0,4. Es schoss auf 0,63 im Jahr 1871. Die industrielle Revolution produzierte in diesen Jahren mehr Lohn für diejenigen, die in den Fabriken arbeiteten, als jenen, die der Landwirtschaft nachgingen. Den Fabrikbesitzern und Industriellen bescherte er gute Gewinne. Insgesamt wurde die englische Gesellschaft in nicht einmal 50 Jahren reicher. Heute liegt der britische Gini-Koeffizient bei 0,32 – ein 25-Jahres-Tief!

An diesem Beispiel sieht man: die „breite Masse“ ist dank des Kapitalismus gut vorangekommen. Den Leuten von Oxfam indes ist es lieber, wenn sich die Gesellschaft auf einige Millionäre konzentriert, die sich gerade eine neue Luxusjacht gekauft haben.

Die Menschheit als Ganzes ist reicher als je zuvor. Es gibt weniger Menschen, die unter dieser 1,25-Dollar- Grenze leben, als je zuvor, und es gibt mehr Menschen, die in der Mittelschicht ihr Zuhause haben, als je zuvor. Dieses massive Wirtschaftswachstum, das diese Gewinne geliefert hat, zusammen mit dem technologischen Fortschritt und der gleichzeitig einsetzenden industriellen Revolution haben Ungleichheit im Kapitalvolumen erzeugt, allerdings liegen alle Beteiligten im Gewinnbereich. Die Geschichte hat gezeigt, dass das Kapital immer wieder reinvestiert wird und so aus vorherigen Gewinnen Löhne generiert werden, die es Menschen ermöglichen, immer besser und besser zu leben.

In der Zwischenzeit können wir uns über die „relative Ungleichheit“ ärgern, während Milliarden von Menschen noch auf den Anstoß jenes Prozesses warten, der sie von der tatsächlichen Armut befreit.

Hier geht es nicht um ein Nullsummenspiel, bei dem Geld „weg ist“, weil jemand sich nur deshalb eine Jacht kaufen kann, indem er Kindern in Afrika die Lebensmittel raubt. Das Wirtschaftswachstum, das jemandem diese Yacht liefert, liefert wiederum anderen das Essen. Und das ist um vieles besser als alle Kollektive und sozialisierten Industrien dies jemals schaffen können.

Bildung ist der einzige Weg aus der Armut

Das Hauptproblem der Ungleichheit ist die fehlende Bildung. Nur sie ermöglich den Weg aus der Armut. Ein hoher Bildungsgrad ist der Motor der Gleichberechtigung und der sozialen Mobilität. Die Vereinigten Staaten investierten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark in den Bereich Bildung. Die beiden Harvard Wirtschaftswissenschaftler Claudia Goldin und Larry Katz sehen in der Zunahme der Bildung den Motor der Gleichberechtigung und der sozialen Mobilität. So kam es in den späten 1940er Jahren durch die erhöhten College-Einschreibungen zu einem deutlichen Bruch zwischen den Einkommen von Kindern und ihren Eltern.

In den großen Wohlfahrtsstaaten Europas indes sehen wir einen zunehmend langsamer werdenden Aufwärtstrend in der sozialen Mobilität. Diese Nationen waren in den letzten Jahrzehnten offensichtlich der Ansicht, Gleichheit könne sich eher durch mehr Sozialhilfe als durch Bildung generieren lassen. Hier bewahrheitet sich einmal mehr, dass es besser ist, einem Menschen das Fischen beizubringen als ihm ab und zu einen Fisch hinzuwerfen.

Ungleichheit ist nicht das Problem, dass die Menschen in Armut hält. Ungleichheit ist ein Symptom für das Wachstum des Kapitalismus.

Wir müssen uns auf die wahren Probleme konzentrieren, die der Grund sind, dass 1,1 Milliarden unserer Mitmenschen unterhalb der Armutsgrenze keinen akzeptablen Lebensstandard erreichen. Sie warten darauf, die Chance auf gute Bildung zu bekommen, die Unabhängigkeit von korrupten Regierungen zu erlangen und die Möglichkeit zu haben, ihre eigenen Erfolgsgeschichten auf dem freien Markt zu schreiben.

Dies wird zwar zur Folge haben, dass ein paar Leute mehr in einem Bentley sitzen. Aber besser ist es, sich auf jene 1,1 Milliarden Menschen zu konzentrieren, denen die Erfolgsgeschichte namens Kapitalismus ein besseres Leben ermöglicht hat. (BS)

Quelle: Aus dem Englischen von Aaron McKenna