Pierre Vogel will an den Ort seiner größten Niederlage zurück

Pierre Vogel (rechts) 2010 bei einem seiner Auftritte in Mönchengladbach-Eicken (Bild: Vafpage)

Pierre Vogel (rechts) 2010 bei einem seiner Auftritte in Mönchengladbach-Eicken (Bild: Vafpage)

Mönchengladbach ist die einzige Stadt Deutschlands, in der sich jemals mutige Bürger organisiert haben, um sich gegen den radikalen Islam zu wehren. Aber mehr als zwei Jahre nach ihrer dort erlittenen Niederlage haben die Salafisten jetzt ihre Rückkehr angekündigt.

Mönchengladbach im August 2010: Salafisten um Muhammed Ciftci und Pierre Vogel okkupieren einen Marktplatz im Stadtteil Eicken, Frauen werden auf offener Straße angepöbelt und martialisches „Allahu akbar“-Geschrei versetzt die Nachbarschaft in Angst und Schrecken. Der von den Sicherheitsbehörden als gefährlich eingestufte Ciftci will mit seiner Koran-Schule von Braunschweig nach Eicken umziehen, der als öffentlichkeitssuchend bekannte Vogel über den Islam „aufklären“. Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) reagiert nicht, seine Behörden lassen den Salafisten-Verein Einladung zum Paradies (EZP) gewähren, Landes-Innenminister Ralf Jäger (ebenfalls SPD) tut so, als wüsste er nichts von den Vorgängen in Mönchengladbach und meidet die Stadt ängstlich.

Alleingelassen von Behörden und Politik gründet sich eine Bürgerinitiative, aus der Wochen später der Verein Bürger für Mönchengladbach (BfMG) hervorgeht. Die BfMG demonstrieren ein Jahr lang gegen die Salafisten und klären auf wöchentlichen Info-Ständen über deren Gefährlichkeit auf. Die damalige Mönchengladbacher Integrationsbeauftragte und heutige Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel (SPD) schäumt vor Wut und wirft der Initiative sofort nach deren Gründung vor, sie würde „Öl ins Feuer gießen“. Monate später gründet sich die Interessengemeinschaft gegen Salafismus (IgS), die sich mit wöchentlichen Mahnwachen ebenfalls an diesem in der Geschichte unseres Landes beispiellosen Bürger-Protest beteiligt.

BfMG und IgS zwingen Salafisten zum Rückzug

Ein ganzes Jahr lang müssen Mitglieder der BfMG und der IgS erdulden, auf den Straßen der Stadt als „Nazis“ beleidigt zu werden. Am 27. November 2010 wird ein Info-Stand der BfMG von jungen Türken angegriffen und verwüstet. Am 24. Juni 2011 werden Teilnehmer einer BfMG-Mahnwache von Salafisten attackiert; Wilfried Schultz, Sprecher der BfMG, erleidet dabei einen Faustschlag ins Gesicht. Aber der öffentliche Druck der BfMG zeigt Wirkung, nachdem auch noch baurechtliche Eingaben der IgS Ciftcis Koran-Schule zu Fall bringen, kapitulieren die Salafisten; Ciftci zieht sich wieder nach Braunschweig zurück, andere Salafisten finden in Moscheen im benachbarten Rheydt Unterschlupf, der Verein EZP wird im Sommer 2011 aufgelöst – womit für die Menschen in Mönchengladbach-Eicken der Spuk wieder vorbei ist.

Das mutige und erfolgreiche Engagement Mönchengladbacher Bürger konnte zwar nicht verhindern, dass sich Nordrhein-Westfalen dank großzügiger Innen- und Justizbehörden zu einem „Salafisten-Paradies“ entwickelt hat, in dem diese faktisch freien Auslauf haben. Aber gerade deswegen war Mönchengladbach für die Salafisten eine schwere und vor allem psychologisch schwer verdauliche Niederlage. Ganz besonders für Pierre Vogel, der seitdem immer wieder gegen die Mönchengladbacher Bürgerinitiativen gegiftet, die Stadt aber dennoch bis heute gemieden hat.

Jahre später ruft Pierre Vogel nach „krasser Gegenwehr“

Jetzt jedoch ruft Pierre Vogel seine Mönchengladbacher Brüder in einem Internet-Video mit dem Titel „Das Comeback der Dawah in Mönchengladbach“ dazu auf, sich neu zu organisieren und wieder aktiv zu werden. In diesem zweistündigen Video redet Vogel auch davon, wie viel Leid der Prophet Mohammed über sich ergehen lassen musste, „bis der Sieg kam“. „Ich sage euch das, damit ihr nicht denkt, dass das, was wir in Mönchengladbach erlebt haben, eine Niederlage ist“, so Vogel. „Der Sieg kommt nur mit krasser Gegenwehr“. Auch kündigte Vogel inzwischen einen für den 8. Februar 2014 geplanten Vortrag mit dem Titel „Islamophobie in Mönchengladbach“ an. Ein Screenshot dieser ebenfalls im Internet veröffentlichten Ankündigung liegt metropolico vor. Und damit auch der Letzte kapiert, dass hier eine neue Runde in der Auseinandersetzung mit den Bürgerinitiativen gesucht wird, ist dieser Vortrag nicht irgendwo in Mönchengladbach geplant – sondern im damals heftig umkämpften Stadtteil Eicken.

Eine Kampfansage, die die Aktivisten der Jahre 2010 und 2011 jedoch völlig unvorbereitet trifft: Die IgS löste sich bereits im Frühsommer 2011 dadurch selber auf, dass nahezu alle ihrer Mitglieder aus Protest gegen deren damalige Sprecherin Silke Spelters ausgetreten sind. Und nachdem Wilfried Schultz im Mai 2011 die Partei Bürgerliche Demokraten Deutschlands (BDD) gründete, verweigerten ihm die meisten seiner ehemaligen BfMG-Weggefährten ihre weitere Unterstützung. Dennoch kündigte Schultz am 23. Dezember gegenüber der Rheinischen Post an, dass er und seine Anhänger „gegebenenfalls rechtzeitig eingreifen werden und ihm (Vogel) und seinen extremistischen Kollegen die Suppe gründlich versalzen werden.“ Ob diesen markigen Worten aber auch Taten folgen werden, scheint zweifelhaft; die ihm bereits am Donnerstag von metropolico gestellten Fragen zu seinen konkreten Absichten, darunter auch die Frage, ob er am 8. Februar eine Gegen-Kundgebung beabsichtige, hat Wilfried Schultz zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Beitrages noch immer nicht beantwortet.

Bislang kündigte nur Pro NRW eine Gegendemonstration an

Wesentlich entschlossener zeigt sich da schon Dominik Roeseler, Vorsitzender des Kreisverbandes Mönchengladbach und stellvertretender Parteivorsitzender von Pro NRW, der bereits wenige Tage nach Pierre Vogels Ankündigung deutlich machte, dass seine Partei in Mönchengladbach für ein gemeinsames Bündnis aller islamkritischen Kräfte zur Verfügung stehe. „Sollte es am 8. Februar 2014 tatsächlich zu einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung der Salafisten kommen, werden wir unsere Argumente in Form einer Gegendemo auf die Straße bringen. Wir sind in der Stadt sehr gut vernetzt und werden mehrere hundert Bürger mobilisieren. Selbstverständlich demonstrieren wir gerne gemeinsam mit der Bürgerinitiative Eicken (BfMG) und werden den Kontakt im Vorfeld suchen. Ob alleine oder gemeinsam mit anderen Organisationen, die Bürgerbewegung Pro NRW wird den Salafisten und allen orthodoxen Moslems zeigen, dass diese in Mönchengladbach nicht geduldet werden“, so Roeseler am Freitag gegenüber metropolico.

Für die meisten der 2010 und 2011 aktiven Mönchengladbacher Salafisten-Gegner ist Pierre Vogels angekündigte Rückkehr nach Eicken unerträglich. Somit ist Roeselers Einschätzung, mehrere hundert Gegendemonstranten zu mobilisieren, durchaus realistisch. Denn ob nun mit oder ohne Wilfried Schultz: Wenn es einen Ort in Deutschland gibt, an dem die Salafisten maximalen Widerstand zu erwarten haben, so ist es Mönchengladbach-Eicken. (PH)