Erdogan droht dem Westen mit Beendigung der Beziehungen

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„Dunklen Kräfte“ würden versuchen, das Land zu beherrschen Türkischer Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (Bild: World Economic Forum from Cologny, Switzerland; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz;  Original: Siehe Link)

Nach der Verhaftungswelle sieht es nach einem entflammten Machtkampf in der Türkei aus. Ministerpräsident Erdogan wirft in- und ausländischen Regierungen vor, die Türkei schwächen zu wollen. Er droht mit Ausweisung des amerikanischen Botschafters.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan und der islamistische Prediger Fethullah Gülen waren bis vor zwei Jahren gemeinsame Weggefährten. Mit vereinten Kräften bauten sie die einst um Säkularität bemühte Türkei Atatürks zu jenem islamischen Staat um, als das sich das Land am Bosporus heute präsentiert. Zäh aber beharrlich weichten Erdogan und die ihn unterstützende Gülen-Bewegung die laizistische Verfassung auf. Das Militär, Hüter dieser strikten Trennung von Staat und Religion, wurden entmachtet und durch willfährige Islamgetreue ersetzt. Gemeinsam -maßgeblich durch die Propaganda der Gülen-Bewegung- gewann Erdogans AKP die Wahlen der letzten Dekade.

Gülen-Bewegung verlangt nach mehr Einfluss

Nun scheint jedoch der Frieden zwischen den einstigen Gefährten gestört. Wie aus Medienberichten zu erfahren ist, wird aus dem seit längerer Zeit schwelenden Machtkampf zunehmend ein offenes Gefecht. Der immer autokratisch regierende Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan scheint mit dem extrem islamistischen Flügel in seiner eigenen Regierungspartei AKP um die Macht im Land zu ringen.

Wie der ORF berichtet, möchte die Gülen-Bewegung für die Islamisten noch mehr Einfluss im Staatswesen erkämpfen. Repräsentanten der Gülen-Bewegung in Polizei und Justiz hätten nun de facto einen Putschversuch gestartet und insgesamt 84 Personen aus dem engsten Umfeld der Regierungspartei AKP verhaften lassen. Wie der Spiegel berichtet, befinden sich darunter drei Söhne von Erdogans Ministern. Die Aktion war offensichtlich ohne Einweihung der Regierungsspitzen erfolgt. Insgesamt sind demnach Strafverfahren gegen 24 Verdächtige eingeleitet worden. Unter ihnen ist auch der Chef der staatlichen Bank Halkbank, Süleyman Aslan. Den Verdächtigen werden unter anderem Bestechung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Erdogan nennt Gegner „dunkle Kräfte“

„Dunkle Kräfte“, so nennt Erdogan seine Gegner, die aus dem Ausland unterstützt würden. Diese „dunklen Kräfte“ würden versuchen, das Land zu beherrschen. Erdogans Annahme kommt nicht von ungefähr, so der ORF weiter. Polizei und Justiz in der Türkei würden als Hochburgen der Gülen-Bewegung gelten.

Die Gülen-Bewegung – benannt nach ihrem Begründer Fethullah Gülen, der in den USA lebt – ist nach eigenen Angaben die einflussreichste islamische Bewegung. Von ihm und seinen Anhängern finanzierte Schulen, die mitunter für die Bewegung als größte Einkommensquelle gelten, sind über Europa, Asien und Afrika verstreut. Auch hierzulande hat die Organisation ein Netzwerk aus Schulen, Medien, Unternehmen, Lobbyvereinen und Parteimitgliedschaften aufgebaut und weitet ihren Einflussbereich stetig aus.

Die muslimische Bewegung ist bemüht, sich der Öffentlichkeit als demokratisch, liberal und modern darzustellen. Die Bildung von Muslimen haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Experten, wie die Islamwissenschaftlerin Prof. Ursula Spuler-Stegemann von der Universität Marburg, erkennen starke islamistische Tendenzen in der Bewegung.

Botschafter haben sich provokativ verhalten

Wie Welt Online berichtet, sagte Erdogan am Samstag erneut, die Vorwürfe gegen einige seiner wichtigsten Minister seien eine internationale Verschwörung. In- und ausländische Kräfte hätten seine Regierung ins Visier genommen, um die starke türkische Wirtschaft und den diplomatischen Einfluss der Türkei zu schwächen.

Er drohte, die türkischen Botschafter aus jenen Ländern abzuziehen, die Teil des „Komplotts“ seien. Dem US-Botschafter in der Türkei, Francis Riccardone, warf er Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes vor. In den vergangenen Tagen habe sich der Botschafter provokativ verhalten. Falls die diplomatischen Vertreter ihre Zuständigkeiten überschreiten würden, so Erdogan, brauchen wir Sie nicht hier in unserem Lande zu halten. Beobachter der türkischen Szene schließen nicht aus, dass auch die CIA oder andere Geheimdienste die Finger im Spiel des türkischen Machtkampfes haben.

Bisher hatten die USA Erdogans Regime unterstützt und auch seine islamistischen Tendenzen toleriert. Die EU hatte und hat Erdogan gewähren lassen. Europa stand vor der Wahl zwischen einer streng laizistischen, nicht so demokratischen Türkei mit einer mächtigen, antiislamischen Militär und einer zunehmend islamischen, nicht so demokratischen Türkei unter der Führung Erdogans und seines Weggefährten Gülen. Europa habe sich gegen das Militär und für Erdogan und Gülen, und somit für eine islamisierende Türkei entschieden, so der Publizist Günter Ederer.

Ob nun Erdogan- oder Gülen-Anhänger diesen Machtkampf gewinnen, es wird der Sieg des Islam in einem Land sein, das als EU-Beitrittskandidat gehandelt wird. (DB)