Weihnachten im Mutterland der politischen Korrektheit

Weihnachtlich geschmücktes Haus in Champaign, Illinois (Bild:    , Rechte: CC-Lizenz, Original: Siehe Link)
Weihnachtlich geschmücktes Haus in Champaign, Illinois (Bild: Daniel Schwen, Rechte: CC-Lizenz, Original: Siehe Link)

Seit neun Jahren tobt in den USA der „War on Christmas“. Entschieden ist er noch immer nicht, aber die Unbeeindrucktheit der Menschen lässt hoffen.

Die USA haben im Laufe ihrer Geschichte dem Rest der Welt gute und weniger gute Dinge gebracht. Zu den vielen guten Dingen gehören der Individualismus wie auch der Export von Demokratie und freier Meinungsäußerung. Letzteres sollten gerade wir Deutschen schätzen, denn während öffentlich-rechtliche Fernsehmedien in unserem Land bei jeder Wahl stets so tun, als sei Deutschland eine Musterdemokratie aus dem Lehrbuch, wird nur allzu gerne vergessen, dass die Deutschen in den Jahren nach 1945 nur schwer von der Demokratie zu überzeugen waren und Grundrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung oder das Demonstrationsrecht von den damaligen US-Besatzern in den Verhandlungen über eine neue deutsche Verfassung erst einmal für unverhandelbar erklärt werden mussten. Und dass die Behinderung von Veranstaltungen der Pro-Bewegung erst in der jüngeren Vergangenheit zu einem Protest der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton geführt hat, bei dem sie gegenüber ihrem damaligen Amtskollegen Guido Westerwelle (FDP) ihre Besorgnis über die Meinungsfreiheit in Deutschland kundgetan hat, zeigt deutlich, dass unser Recht auf freie Meinungsäußerung bis heute von Washington DC, aber nicht von Berlin aus beschützt wird.

Zu den weniger guten Dingen, die wir den USA zu verdanken haben, gehört die sogenannte politische Korrektheit; eine auf den ersten Blick harmlos und gut gemeint scheinende Ideologie, die damit begründet wird, Diskriminierungen zu verhindern. Die aber funktionierende Gesellschaften mehr und mehr vergiftet, weil sie Minderheiten Sonderrechte gewährt, jedoch Mehrheiten verärgert und das Recht auf freie Meinungsäußerung wie auch das Grundrecht auf eine freie Presse systematisch aushöhlt. Und kaum etwas vergiftet die Gesellschaften der westlichen Welt dieser Tage so sehr wie der Streit um das christliche Weihnachtfest.

2004 begann der „War on Christmas“

Das, was viele US-Amerikaner heute als den „War on Christmas“ bezeichnen, begann 2004: große US-Konzerne erteilten ihren Mitarbeitern das Verbot, ihren Kunden „Merry Christmas“ zu wünschen, stattdessen war nur noch das neutrale „Happy Holidays“ (Fröhliche Feiertage) gestattet. Ein wütender Aufschrei ging durch das ganze Land, das „Merry Christmas“ erlangte eine neue, trotzige Bedeutung. Und wenn Amerikaner empört sind, so rufen sie nicht nur nach Boykott, sondern setzen diesen sofort in die Tat um. Nachdem der konservative TV-Sender FOXNews die Namen der Konzerne öffentlich machte, mussten diese zurückrudern und das erteilte Verbot wieder zurücknehmen – eine krachende Niederlage für die Anhänger der politischen Korrektheit.

Aufgegeben jedoch haben sie nicht; bis heute ist immer wieder davon zu hören, dass vereinzelte Schul-Bezirke Weihnachts-, aber auch Oster-Feierlichkeiten umbenennen. Was von den US-Medien dem Druck und Einfluss der American Civil Liberties Union (ACLU) zugeschrieben wird und jedes Mal zu wütenden Protesten im Rest des Landes führt. Eingedämmt wird diese wenig erfreuliche Entwicklung dadurch, dass konservative Medien wie FOXNews die Namen solcher Schul-Bezirke sofort dem Rest des Landes kundtun und somit der Wut ihrer Landsleute überlassen. Und jene Firmen, die Werbespots im Fernsehen schalten, halten dabei überwiegend noch immer an den „Happy Holidays“ fest. Auch darüber, welches Vokabular wohl US-Präsident Obama, der Weihnachten bezeichnenderweise in Hawaii verbringt, dem am meisten politisch linksstehenden US-Bundesstaat, gegenüber seinen Landsleuten bei seinen Weihnachtsgrüßen wohl verwenden wird, sollte man sich keinerlei Illusionen machen. Aber anders als in Deutschland ist diese Entwicklung nicht primär der Angst vor aggressiven Islam-Verbänden oder radikalen Muslimen geschuldet, sondern der tiefsitzenden Abneigung amerikanischer „liberals“ gegenüber den christlichen Traditionen ihres Landes.

„Merry Christmas“ als Absage an die politische Korrektheit

Die aber sind trotz aller politischen Korrektheit intakter denn je! Wer aus Deutschland kommt, also aus einem Land, in dem öffentlich-rechtliche Sender das Spielen von Weihnachtsmusik bereits vor Jahren klammheimlich reduziert haben, Stände auf Weihnachtsmärkten nicht immer mit Weihnachten zu tun haben und in dem Ober-Salafist Pierre Vogel bereits vor Jahren zu Recht festgestellt hat, dass mehr und mehr „Kuffar“ (Ungläubige) nach der Entgegennahme ihrer Weihnachtsgeschenke sowieso in die nächstgelegene Diskothek entschwinden, der reibt sich verwundert die Augen, wenn er die Adventszeit in den USA erleben darf: kein Geschäft, keine Bar, die nicht weihnachtlich geschmückt ist, kein Supermarkt, in dem der Kunde nicht mit dezenter weihnachtlicher Musik berieselt wird. Und wer abends durch die normalerweise nur mit US-Flaggen geschmückte Nachbarschaft spaziert, der findet ein weihnachtlich geschmücktes Haus nach dem nächsten vor. Ein Anblick, den die meisten Deutschen nur aus Hollywood-Filmen kennen, der aber schon seit Wochen überall im Land Normalität ist.

Lediglich die von vielen US-Amerikanern zu Recht beklagte Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes, die mit der medialen Verdrängung von Jesus durch Santa Claus einhergeht, trübt das Bild einer ansonsten perfekten Advents- und Weihnachtszeit. Daran jedoch, dass der 26. Dezember in den USA ein ganz normaler Arbeitstag ist, stört sich niemand; die deutsche Tradition, christliche Feiertage zuallererst als arbeitsfreie Tage zu begreifen, ist US-Amerikanern ähnlich wesensfremd wie der Gedanke, ihre Kinder nach der Verteilung der Geschenke in eine Diskothek gehen zu lassen. Weihnachten feiert man als Familie und wenn diese irgendwo hingeht, dann in die Kirche. Oder in das örtliche „Diner“, in dem sich die Familie nach der Kirche traditionell ihr Frühstück servieren lässt. Und natürlich kommt, solange man es nicht gerade mit eingefleischten „liberals“ zu tun hat, niemand auf die Idee, einem „Happy Holidays“ zu wünschen. Wer dieser Tage gegenüber Freunden oder Nachbarn solches Vokabular benutzt, der bekommt allenfalls spöttisches Lob für seine politische Korrektheit zu hören, gefolgt von einem trotzig-selbstbewussten „Merry Christmas“. Eine Absage der Menschen an die politische Korrektheit, wie sie klarer und deutlicher nicht hätte sein können.

Entschieden ist noch nichts

Leider bedeutet das noch lange nicht, dass der „War on Christmas“ nach neun Jahren entschieden, gar gewonnen ist; die Angriffe liberaler Gruppen auf das Weihnachts- wie auch auf das Oster-Fest werden auch im nächsten Jahr weitergehen. Die offizielle Sprachregelung der „Happy Holidays“ wird den christlichen Amerikanern ebenfalls noch viele Jahre auf die Nerven gehen. Und die US-amerikanischen Islam-Verbände werden diese Entwicklung auch weiterhin mit Befriedigung verfolgen. Entschieden ist noch gar nichts. Es bedeutet nur, dass die christlichen Amerikaner kollektiv bereit stehen, ihre Traditionen zu verteidigen. Aber sie verteidigen ihre Traditionen nicht mit Waffen, auch nicht mit Protesten, sondern ganz einfach damit, dass sie – ACLU hin, dauerbeleidigte Muslime her – sie mehr denn je leben.

Etwas, über das auch wir vielleicht einmal nachdenken sollen. Denn wenn wir uns alle Jahre wieder erneut darüber aufregen, dass irgendwo in Deutschland ein St. Martins-Fest in ein „Sonne, Mond und Sterne“-Fest umbenannt wurde oder Städte wie Solingen ihre Weihnachtsbeleuchtung multikulturell abschaffen, gleichzeitig aber eine keltische Tradition wie Halloween bei uns etablieren oder die Lufthoheit über Weihnachten mehr und mehr den Diskotheken und damit dem Party-Volk überlassen, so schaffen wir uns damit keinerlei Glaubwürdigkeit. Sondern nur Raum für jene, die uns in immer aggressiverer Form ihre Traditionen und Werte aufzwingen wollen. Noch hält uns niemand davon ab, uns unsere eigene Weihnachtsbeleuchtung zu machen. Und davon, vor dem Verteilen der Geschenke mal wieder in eine unserer Kirchen zu gehen, auch nicht. (PH)

Der Autor, der Weihnachten mit Freunden in Illinois feiert, wünscht allen Lesern von metropolico sowie seinen Kollegen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Merry Christmas to Germany and God bless America!