Weiterhin Unklarheit über das Schicksal von Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad 2011 auf der Frankfurter Buchmesse (Bild: JCS; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)
Hamed Abdel-Samad 2011 auf der Frankfurter Buchmesse (Bild: JCS; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Über das Schicksal des deutsch-ägyptischen Schriftstellers Hamed Abdel-Samad herrscht noch immer Unklarheit. Am Montag wurde der Krisenstab des Auswärtigen Amtes eingeschaltet. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) spekuliert darüber, ob Abdel-Samads „Provokationen“ der Muslim-Brüder zu seiner Entführung geführt haben.

Die Bundesregierung rief am Montag die ägyptischen Behörden auf, den Verbleib Abdel-Samads so schnell wie möglich aufzuklären. Auch wurde, wie Martin Schäfer, ein Sprecher von Noch-Außenminister Guido Westerwelle, in Berlin mitteilte, der Krisenstab des Auswärtigen Amtes eingeschaltet.

Der 41-jährige Abdel-Samad, der seit 23 Jahren in Deutschland lebt und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hat in der Vergangenheit häufig die politische Ideologie des Islams kritisiert. Nachdem er den inzwischen vom ägyptischen Militär gestürzten Muslim-Brüdern „Islamfaschismus“ vorgeworfen hatte, erließ Mahmoud Shaaban, ein in Ägypten hoch angesehener Islamgelehrter der Kairoer Universität, eine sogenannte „Todes-Fatwa“ gegen Abdel-Samad. Somit wird sein plötzliches Verschwinden bei einem Besuch in Kairo am Sonntag allgemein mit einer Entführung durch islamische Extremisten erklärt. Die Süddeutsche Zeitung indes bezeichnet eine mögliche Entführung als Folge seiner „Provokationen“ der Muslim-Brüder.

Anhänger von Abdel-Samad starteten auf der Website change.org eine Petition, in der die Bundesregierung aufgerufen wird, alles zu tun, um dessen Freilassung zu erwirken. Am Montagmittag hatten bereits 2.000 Menschen unterschrieben. Der bekannte Schriftsteller und langjährige TV-Partner Abdel-Samads, Henryk M. Broder, rief dessen Anhänger jedoch dazu auf, keine Petitionen zu verfassen, die nur dazu gut seien, ihnen das Gefühl zu vermitteln, sie hätten etwas getan. Laut Broder könne man im Moment nur beten, „egal zu wem und in welcher Sprache“. (PH)