Das umstrittene islamische Projekt in München gibt sich einen neuen Namen. Die Inhalte –einschließlich Bejahung der Scharia- bleiben.

Wirbt nun nicht mehr für das "ZIE-M": Imam Bajrambejamin Idriz (Bild: metropolico.or
Wirbt nun nicht mehr für das „ZIE-M“: Imam Bajrambejamin Idriz (Bild: metropolico.org)

Christian Ude hatte eine Namensänderung für das „Zentrum für Islam in Europa – München“, kurz ZIE-M, angemahnt. Nun hat der von der Stadt unterstützte Verein vollzogen. Aus dem ZIE-M wird nun „MFI“. „Münchner Forum für Islam“ heißt das Projekt damit künftig.

Doch die durch den Münchner Oberbürgermeister verlangte Namensänderung war wohl mehr dem Gegenwind für das Islam-Projekt geschuldet, als denn dem inneren Antrieb der Beteiligten. Die bisherige Bezeichnung wurde von den Unterstützern als „unglücklich“ empfunden, da es das Argumentieren gegen das Projekt angeblich erleichterte. Dies kommt aus Sicht des ZIE-M vor allem Michael Stürzenberger zugute, der Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelt, um das Zentrum zu verhindern (metropolico berichtete).

Name geht, Scharia bleibt

Freilich bleiben die Inhalte des Islamzentrums und auch die sonstigen Umstände gleich. Noch immer befürwortet Imam Bajrambejamin Idriz die Scharia und auch die angedachte Finanzierung durch den Staat Katar, der zuletzt wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen seiner ausländischen Kräfte in die Schlagzeilen geraten war und zudem Terrororganisationen Unterstützung zukommen lässt, scheint die Befürworter nicht zu stören. Die Änderung der Bezeichnung verhindert einen etwaigen Bürgerentscheid über das „ZIE-M“ nicht zuletzt deshalb wohl nicht. Ansonsten würde jeder Bürgerentscheid aufgrund einer Namensänderung des jeweiligen Projektes mit einem Federstrich vereitelt werden können.

Imam Bajrambejamin Idriz geht auf Kritik oder auch nur geäußerte Besorgnis allerdings nicht ein. Im Gegenteil: Er greift einmal mehr seine Kritiker an, denen er vorwirft, verschwiegen zu haben, dass sein Zentrum kein europäisches ist, sondern sich lediglich auf europäische Werte bezieht. Ein „Münchner Forum“ dürfte da -dem Namen nach- tatsächlich bescheidener und lokaler wirken.

Es ist jedoch nicht ganz so, dass nur die Kritiker des Imams das ZIE-M als ein Europäisches Zentrum für den Islam begriffen hätten. Auch die Abendzeitung, dem Imam aus Penzberg gegenüber nun wirklich nicht allzu kritisch eingestellt, bezeichnete das Idriz-Projekt derart.

Glaubwürdige Beschränkung?

Fraglich ist allerdings, wie glaubwürdig diese nominelle Beschränkung auf München ist. Schließlich sollte das ZIE-M immer auch über die „Frauentürme hinaus strahlen“. Sprich, seine Wirkung auch jenseits der Stadtgrenzen entfalten. Die „Zehn Gedanken zum ZIE“, die der ZIE-M e.V. auf seiner Internetseite veröffentlichte, dürften dem neuen und bescheiden wirkenden neuen Namen widersprechen. Unter dem Punkt „Repräsentativ“ stellt der Verein klar, wen er repräsentieren möchte. Die „europäischen Muslime“ gegenüber der islamischen Welt aber auch gegenüber allen deutschen Insititutionen. Wörtlich heißt es auf der Internetseite (Hervorhebung durch die Redaktion):

Auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene beklagen die öffentlichen Institutionen seit vielen Jahren das Fehlen repräsentativer muslimischer Stimmen. Obwohl ein Klerus im Sinne einer Priesterschaft dem Islam fremd ist, gibt es doch keine religiösen Vorbehalte gegen ein organisiertes islamisches Leben. Wenn der Islam in Deutschland sich institutionalisiert […]

Das (Anm. d. Red. die Hinwendung zur neuen Heimat) wird keinen Abbruch religiöser/spiritueller Beziehungen zu islamischen Ländern bedeuten, sondern das Ansehen und den Einfluss der deutschen und europäischen Muslime gegenüber der etablierten islamischen Welt, ohne gegenseitige Einmischungen, begründen und stärken. Eine solche repräsentative, an Deutschland orientierte, unabhängige Organisation mit besonderen Beziehungen zu Bund und Ländern wird direkter Interessenvertreter der Muslime und Ansprechpartner für Staat und Gesellschaft in allen relevanten Bereichen.

Das klingt dann doch schon deutlich mehr nach „Zentrum“, als denn nach „Münchner Forum“.

Islam mit europäischem Gesicht

Geistiger Mentor des Imam Idriz ist im Übrigen Mustafa Ceric, was zur Einordnung des ZIE-M nicht unerheblich ist. Denn dieser betrachtet die Verpflichtung der Muslime zur Scharia „als ewig, nicht verhandelbar und unendlich“. Kristina Schröder (CDU) warf aufgrund dieser Formulierung Ceric vor, das „Europäische Kalifat“ anzustreben. Doch das Mitglied des European Council for Fatwa und Research nimmt für sich ohnehin das Recht in Anspruch, „Europa ein neues Gesicht zu formen“. Welche Schritte er dabei fordert, hat er auch schon klargestellt: Der Islam müsse sich institutionalisieren. Also genau das, was ZIE-M mit dem Gedanken der Repräsentanz anstrebt.

Die Forderung nach Institutionalisierung hatte Ceric mit seiner „Deklaration Europäischer Muslime“ aufgestellt, die in dem Buch „Islam mit europäischem Gesicht: Perspektiven und Impulse“ abgedruckt worden war. Neben Stephan Leimgruber, Stefan Jakob Wimmer hat dieses Buch noch einen dritten Autor: Imam Idriz. (DB)