Frage an den Blauen Doc: Ist Geld ein nachwachsender Rohstoff?

Bei uns kommt das Geld aus der Steckdose (Bild: GG-Berlin  / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Original und Rechte: siehe Link)
Bei uns kommt das Geld aus der Steckdose
(Bild: GG-Berlin  / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Original und Rechte: siehe Link)

Früher war alles besser. Oder schlechter, je nachdem, ob man dem Opa glaubt oder dem Opadeldok. Auf jeden Fall waren die Beritte klar getrennt. Wer etwas über hochtrabende, überkandidelte, abgedrehte Ideen zur Umwelt hören wollte, der ging zu den Grünen. Wer etwas über hochtrabende, überkandidelte, abgedrehte Finanzgeschäfte erfahren wollte, der ging zu den Banken.

Heute schweigen die Banken zu ihren Geldgeschäften, denn wenn man eines nicht mag, dann sind das Leute, die viel Geld verdienen auf eine Weise, die man nicht kapiert. Und gemocht werden – das ist den Banken plötzlich ganz wichtig. Daher haben sie begonnen, den grünen Laber in ihr Geschäftsmodell zu integrieren, in der Hoffnung, es so ganz richtig und allen recht zu machen.

Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft
Der zentrale Begriff ist der der Nachhaltigkeit. Dieser stammt, so erfährt man, ursprünglich aus der Forstwirtschaft und besagt, dass man pro Jahr nicht mehr einschlagen soll, als erwartungsgemäß im selben Zeitraum nachwächst. Alles andere wäre auch ziemlich plemplem, zumindest, wenn man die Option hat, langfristig zu planen.

In Spanien mochte man etwa, wenn man dem Spiegel glauben will, den Wald nicht, „(…) weil sich allerlei Vögel in ihren Wipfeln Nester bauen, um dann hungrig über die frisch gesäten Felder herzufallen. Nur die spanische Oberschicht hatte ein gewisses Interesse daran, daß weiterhin ein bißchen Wald blieb – damit jagdbares Getier, vor allem Wildschweine, heranwachsen konnte.“ Dem nachhaltigen Erfolg der Landwirtschaft stand hier eine nachhaltige Forstwirtschaft unmittelbar im Wege. Da kam es dann auch ganz gelegen, dass immer wieder Holz für den Kriegsschiffsbau benötigt wurde, gewissermaßen als umweltpolitisch inkorrekter Synergieeffekt.

Intensivierung schlägt Nachhaltigkeit
In der Landwirtschaft kommt man von vornherein mit echter Nachhaltigkeit nicht weit. Anstatt auf dem Stand des Jägers und Sammlers zu verbleiben, hat man sich der Fesseln der aufgezwungenen Nachhaltigkeit entledigt und der Natur ein Schnippchen geschlagen. Anstatt nur ein wenig Wildgetreide zu sammeln, damit im nächsten Jahr wieder eine ähnliche Menge nachwächst, hat man auf ganzen Flächen genau die gewünschte Sorte ausgesät und im Sommer dann alles geerntet.

Als der Ertrag erhöht werden sollte, hat man sich nicht mit den Möglichkeiten der Drei-Felder-Wirtschaft zufrieden gegeben sondern neue Sorten gezüchtet, neue Bearbeitungsmethoden für die Felder entwickelt und neue Dünge- und Pflanzenschutzmittel erfunden. Auf diese Weise konnten etwa in Deutschland die Hektarerträge wichtiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse in 100 Jahren verdreifacht und vervierfacht werden.

Selbstauferlegung öko-sozialer Handlungsmaximen
Was meinen also nun die Banken, wenn Sie sich in die Brust werfen als Verfechter nachhaltiger Geschäftstätigkeiten? Dass sie im Sinne der Investoren und Anleger die langfristige Entwicklung der Einlagen im Blick haben? Das ist sowieso der Zweck der ganzen Übung und hoffentlich doch keine Erwähnung wert. Die Deutsche Bank spricht etwa von der zentralen Rolle der gesellschaftlichen und ökologischen Dimension und bekennt sich dazu, die Interessen der Gesellschaft zu berücksichtigen und einen Wert für die Gesellschaft als Ganze (sic) schaffen zu wollen.

Solche Sprüche kannte man bislang vom Bio-Bauern vor der Stadt und vom mehr als branchenüblich überheblichen Bio-Bäcker um die Ecke. Was noch fehlt, ist die Verlautbarung „Ich liebe doch alle Menschen“. An anderer Stelle wird es dann doch konkreter: Es geht der Deutschen Bank darum „Risiken frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren, die dem Ruf der Bank schaden können“. Das versöhnt dann wieder, da erkennt man doch seine Pappenheimer wieder, die einfach den gesetzlichen Rahmen ausschöpfen, um die bestmöglichen Geschäfte zu machen. Dazu gehört es dann auch, sich zur Wahrung des guten Rufs eines obrigkeitsgenehmen Vokabulars zu befleißigen.

Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack. Wenn selbst ein Schwergewicht wie die Deutsche Bank öffentlich bekennt, sich aus Angst vor Reputationsschäden bei der Begleitung von Kernenergieprojekten zurückzuhalten, hat die Politik hier ganze Arbeit geleistet. Die Angst geht sogar soweit, dass die Mitarbeiterschaft mit Hilfe von Schulungen auf Öko-Links-Kurs gebürstet werden soll: „(Wir sorgen dafür), dass die Sensibilität unserer Mitarbeiter gegenüber Umwelt- und Sozialrisiken stetig wächst.“ Die Kritik daran mag übertrieben finden, wer will. Wer sich selbst in nächster Zukunft nach Aufforderung durch seinen Arbeitgeber in einem solchen Seminar wiederfindet, sollte sich gut überlegen, ob konstruktive Mitarbeit erwartet wird oder doch beflissenes Bekunden der nun erworbenen Sensibilität: „Ach was war ich doch bis gestern für ein grober Klotz.“

Öffentlich brüstet sich die Bank damit, dass nicht dem gängigen Kanon entsprechende Finanzgeschäfte vor ein internes Prüfungsgremium gebracht werden: „… die Zahl der Transaktionen, die zur Prüfung und Einschätzung an unser Nachhaltigkeitsteam weitergeleitet wurden, (stieg 2012) im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 480 %“.
Der fleißige Banker wird sich also in Zukunft zweimal überlegen, ob der ertragreiche Deal, den er an Land ziehen könnte, auch der ausreichend wolkigen Vorgabe des gesellschaftlichen Konsenses genügt.

Was bleibt: Nachhaltigkeit ist nur eines von vielen Wörtern, Banker sind nicht mehr dieselben coolen Säue, die sie mal waren, und Trittin ist längst Bundeskanzler.