Das Online-„Lexikon“ schönt den Eintrag zu Imam Idriz

Sein Titelmissbrauch wird von Wikipedia verschwiegen: Imam Idriz. (Bild: metropolico.org)
Sein Titelmissbrauch wird von Wikipedia verschwiegen: Imam Idriz. (Bild: metropolico.org)

Wer im Internet nach Ereignissen, Historie oder anderen Fakten sucht möchte meist unabhängig informiert werden. Wikipedia gibt sich den Anschein eines Online-Lexikons, das von vielen Nutzern betrieben, ausgebaut und mit Artikeln und Inhalten bestückt wird und dabei vor allem einen neutralen Standpunkt einhält. Klingt schön, ist aber in der Praxis nur allzu häufig nicht der Fall. Jüngstes Beispiel: Der Penzberger Imam Bajrambejamin Idriz.

In amerikanischen Komödien tauchen sie regelmäßig auf. Polizisten, die bei Großereignissen die Umstehenden unter der Behauptung „hier gibt es nichts zu sehen, Leute“, zum Weitergehen auffordern während für alle im Hintergrund unglaubliche Vorfälle vonstatten gehen. Dieselbe Aufgabe übernehmen bei Wikipedia Gesinnungspolizisten. Was von allgemeinem Interesse ist, was die „Wahrheit“ ist, wie etwas zu verstehen und sehen ist: Das bestimmen die allgegenwärtigen Gesinnungsbeauftragten.

Die auf Wikipedia geführten Kampagnen sind legendär

Nicht wenige haben schon ihre –wenig unerfreulichen- Erfahrungen mit dem Online-Lexikon gemacht. So etwa das libertäre Magazin eigentümlich frei (ef), dessen Fall metropolico schon einmal beschäftigte. Der Herausgeber des ef-Magazins, André F. Lichtschlag, beziehungsweise sein Magazin wurde via Wikipedia einer Schmierenkampagne unterzogen. Der ultraliberale Lichtschlag sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, Nähe zu Rechtsextremen zu suchen. Da half es auch nichts als die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld dem Magazin, in dem auch der FDP-Politiker Christian Lindner schrieb, zur Seite sprang. Der Appell Lichtschlags an die „aufrechten Wikipedianer“, sich der Kampagne entgegen zu stellen, kann man – was Wikipedia betrifft – als fruchtlos bezeichnen.

Die Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ) hat ebenfalls ihre Erfahrungen gemacht. Diese schildert die liberale Zeitung in einem eigenen Feature. Treffender Titel eines der darin enthaltenen Artikels: „Wie man die Internetgemeinde hinters Licht führt“.

Tatsache ist, was die Gesinnungswächter als solche gelten lassen

Bei den genannten Beispielen handelt es sich um Einordnungen der politischen Ausrichtung nicht-linker Publikationen, die schon absurd sind. Gänzlich aberwitzig wird es aber, wenn Wikipedia-Artikel nicht im Hinblick auf Sichtweisen, sondern schlicht unbestreitbare Fakten manipuliert werden. Etwa der Artikel zu Imam Idriz. Dieser wurde in letzter Zeit von unangenehmen Dingen gesäubert. Doch der Reihe nach.

Imam Idriz hatte auf der Website seiner Penzberger Gemeinde angegeben, einen akademischen Abschluss zu haben. Doch Recherchen durch Report München ergaben, dass der aus Mazedonien stammende Imam diesen Abschluss nicht hatte. Idriz verharmloste und stellte die Nennung eines Magister-Titels als einmaligen Ausrutscher dar, der zudem einem ungenannten Mitarbeiter der Gemeinde zuzurechnen sei. Recherchen durch metropolico ergaben allerdings, dass auch dies nicht der Wahrheit entsprach. Sowohl in einem von Idriz mitverfassten Buch als auch in vielen anderen Zusammenhängen ließ sich der Imam ohne Abschluss einen solchen andichten. Ein Strafverfahren wegen Titelmissbrauchs durch Imam Idriz wurde zunächst eingestellt (metropolico berichtete).

Richtige Aussage wird durch „zweifelhafte“ ersetzt

Doch wie Recherchen durch metropolico ergaben, hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren später doch wieder aufgegriffen und weiter geführt. Idriz wendete den Fortgang des Verfahrens und eine für ihn peinliche Verhandlung vor dem Strafgericht durch Geldleistungen ab. Zur Höhe der durch die Staatsanwaltschaft verhängten Geldauflage wollte sich weder diese noch Idriz´ Rechtsbeistand äußern (metropolico berichtete).
Die unbestreitbare Tatsache des durch Zahlung abgewandten Strafverfahrens fand – überraschend genug – ihren Eingang in den Wikipedia-Artikel zu Imam Idriz. Laut Versionsaufzeichnung wurde das Strafverfahren unter der Quellenangabe metropolico dort wie folgt dargestellt:

Ein Strafverfahren der Münchener Staatsanwaltschaft wegen [[Titelmissbrauch]]s wendete Idriz im Januar 2013 durch Zahlung einer Geldauflage ab.[http://www.metropolico.eu/2013/07/10/lachnummer-titelmissbrauch/ “Lachnummer Titelmissbrauch.“] In: “metropolico“, 10. Juli 2013, abgerufen am 16. August 2013.

Doch am 5. November 2013 hatte es mit der Wahrheit auf Wikipedia einmal mehr ein Ende. Seitdem stellt es das Online-„Lexikon“ durch Text und vor allem Quellenverweis wieder so dar, als wäre der falsche Titel lediglich nur im Zusammenhang mit dem Internetauftritt aufgetaucht.

Lügner als Beleg

Als Beleg dient: Imam Idriz. Doch ein kritisches Prüfen dessen Angaben hätte bei den Wikipedianern Misstrauen hervorrufen müssen. Verweist die Online-Plattform doch nun auf eine Erklärung des Imams, die dessen früheren Aussage widerspricht – und dessen eher lockeres Verhältnis zur Wahrheit bekannt ist.

So behauptet Idriz in der von Wikipedia verlinkten Erklärung, seine Gemeinde hätte den Eintrag zum falschen akademischen Titel selbst bemerkt und korrigiert. Doch in einer früheren Erklärung gestand Idriz ein, die Änderung aufgrund der Recherche durch Report München geändert zu haben. In der älteren Erklärung hieß es:

Als einer der Autoren der Sendung, Ahmed Senyurt am 23.01.12 auf dieses Thema verwies, wurde noch am selben Tag die Aussage zum Magisterstudium präzisiert.

Ein Strafverfahren, das es –angeblich- nie gab

Nach dem aktuellen Wikipedia-Text gab es nun nie ein Strafverfahren. Die Lügen zum akademischen Titel sind für den „Lexikon“-Benutzer nun wieder ein einmaliger Ausrutscher, den Idriz und seine Gemeinde aus eigenem Antrieb richtigstellten. Die Geldauflage hat es nie gegeben – genauso wenig wie die Weigerung Idriz und seines Anwalts, über die Höhe der Zahlungen und den Vorfall an sich zu reden. Viel Unwahres und wenig Transparenz für einen Imam, der mit seinem Islamzentrum in München für den „europäischen Islam“ stehen will.

Der Grund laut Wikipedia-Polizisten für die Tatsachenlöschung: metropolico sei islamophob. Ein Wort, das Pascal Bruckner totalitärer Gesinnung zuordnet. Denn es soll das eigene Denken verhindern und am Ende verbieten. Mit anderen Worten: Es gibt nichts zu sehen, Leute. Geht weiter. (DB)