Saudi-Arabische Protestaktion wegen Drohungen der Behörden abgesagt

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Saudi-Arabischer Protesttag abgesagt (Bild: James086, ; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

In Saudi-Arabien sollte am Samstag ein Aktionstag gegen das Fahrverbot von Frauen stattfinden. Die Aktion wurde „aus Vorsicht und Respekt“ von den Initiatoren abgesagt.

Eines der reichsten und dennoch rückständigsten Länder der Welt verbietet seinen Frauen das Autofahren. Das wahabitsche Saudi-Arabien und seine Menschen sind „Dank“ des Islam in Mittelalter gefangen. Wie die Medien berichten, hatten mutige, saudische Aktivistinnen dazu aufgerufen, am Samstag einen Aktionstag zu starten und forderten die Frauen des Landes auf, sich demonstrativ hinter das Steuer zu setzen.

Die Finsternis des Islam

Es klingt wie aus einem anderen, dunklen Jahrhundert. Religionsfreiheit ist nicht existent. Den Bürgern ist nur eine Religion gestatten. Es existiert ein Rechtssystem, das Apostasie und Ehebruch, als ein todeswürdiges Verbrechen bestraft und bei „geringeren“ Rechtsbrüchen den Delinquenten öffentlich die Hände und Füße abhackt und Auspeitschen als legitimes Strafrecht ansieht. Ein Land, das seine Frauen in lange schwarze Kleidung hüllt und nur ein schmaler Sehschlitz erahnen lässt, das sich darunter ein Mensch verbergen muss. Eine Gesellschaft, in der Frauen das Recht auf Teilhabe an und in dieser Gesellschaft abgesprochen wird.

Das Jahrhundert ist das 21zigste, das Land heißt Saudi-Arabien und die Ideologie, mit der dies alles gerechtfertigt wird ist der Islam. Saudi-Arabien ist momentan das einzige Land, in dem Frauen das Autofahren verboten ist. Das ebenfalls streng islamische Land Katar erlaubt seinen Frauen seit drei Jahren das Lenken eines Automobils.

„Autofahren am 26. Oktober“ aus Vorsicht und Respekt“ abgesagt

In Saudi-Arabien haben die Organisatoren des Aktionstages, die sich für das Recht von Frauen einsetzt, Autofahren zu dürfen, dem Druck der Behörden gebeugt und die Aktion abgesagt.

Die Initiatorinnen ließen verbreiten, dass „aus Vorsicht und Respekt vor den Warnungen des Innenministeriums“ die Frauen gebeten werden, sich heute nicht ans Steuer zu setzen, so eine Sprecherin der Aktion „Autofahren am 26. Oktober“. Im Internet tauchten dennoch Videos von Frauen am Steuer eines Autos auf.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten saudi-arabische Frauen in sozialen Netzwerken dutzende Videoaufnahmen und Fotos veröffentlicht, die sie beim Fahren eines Fahrzeugs zeigten.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International geht davon aus, dass an der Kampagne beteiligte Frauen Drohungen erhalten haben. So seien Frauen mit willkürlichen Reiseverboten belegt worden. Amnesty kritisierte ferner, dass die Initiatorinnen des Aktionstags von staatlichen Medien öffentlich diskreditiert worden seien. Ein Sprecher des Innenministeriums hatte verkünden lassen, dass jegliche Verstöße gegen das Frauenfahrverbot ebenso geahndet werden würden wie eine Unterstützung des Protests.

„Autofahren drückt auf die Eierstöcke“

Im islamischen Saudi-Arabien können Frauen mittlerweile zwar eine Professur inne haben, aber nicht ohne männlichen Vormund zum Arzt gehen.

Weshalb Frauen neben allen möglichen Einschränkungen auch das Autofahren verwehrt werden muss, liegt nach Ansichten des Scheich Saleh bin Saad darin begründet, dass Frauen von Natur aus sanfter geschaffen seien wie Männer. Wenn eine Frau nun ein Auto fährt, dann beschäftigt sie sich mental damit und das drückt auf das Becken und auf die Eierstöcke. Das sage eine wissenschaftliche Studie, so der Scheich vor laufender Kamera. Und deshalb haben Frauen in Frankreich und ganz Europa auch immer nur zwei oder drei Kinder. Das seien die Folgen des Autofahrens!

Der für Samstag anberaumte landesweite Frauenfahrtag war nicht der Erste seiner Art. 1990 schon versuchten Frauen mit solch einer Aktion für sich das Recht zu erstreiten, ohne männliche Begleitung Auto fahren zu dürfen. Wajeha al-Huwaider, eine saudi-arabische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin erreichte 2008 internationale Aufmerksamkeit, als sie ein Protestvideo gegen das Frauenfahrverbot von der autofahrenden Protestlerin Manal Al Sharif  ins Internet stellte.  Nach eigenen Angaben hatte sie ein Aufenthalt in den USA beeinflusst, sich als Frauenrechtlerin zu engagieren:

Before that, I knew that I’m a human being. However, in the United States I felt it, because I was treated as one. I learned life means nothing without freedom. Then I decided to become a real women’s rights activist, in order to free women in my country and to make them feel alive.“ (Ich wusste davor, dass ich ein Mensch bin. Doch in den Vereinigten Staaten empfand ich es, weil ich als solcher behandelt wurde. Ich habe gelernt, dass das Leben nichts ohne Freiheit bedeutet. Deshalb entschied ich mich zu einer echten Frauenrechtlerin zu werden, um die Frauen in meinem Land zu befreien und sie sich lebendig fühlen können. „)

Jetzt, 23 Jahre nach der ersten Aktion hat sich trotz einer vorbereitenden Internetkampagne, an der sich mehr als 20.000 Unterstützer beteiligten, nichts geändert. Der Aktionstag wurde abgesagt.

Wer die Internet-Seite der Frauenfahr-Kampagne anklicken will, sieht inzwischen nur noch schwarz – die Website wurde von Hackern außer Funktion gesetzt. (BS)