Brunei führt islamische Körperstrafen ein

Das Sultanat Brunei Darussalam ist ein kleiner Staat auf der südostasiatischen Insel Borneo und grenzt an Malaysia. In Brunei, das im Norden der Insel Borneo liegt, sind 67 Prozent der etwa 416.000 Einwohner Muslime. Der Islam ist Staatsreligion. Ab 2014 führt Brunei die korankonformen Körperstrafen der islamischen Rechtssprechung ein.

Korankonforme Strafen: Steinigung, Hände abhacken, Auspeitschen

Im April 2014 wird im Sultanat Brunei ein „neues“ Strafgesetz in Kraft gesetzt, das auf dem 1.400 Jahre alten islamischen Strafrecht, der Scharia basiert. Dies gab Sultan Hassanal Bolkiah in einer von der Staatspresse am Dienstag zitierten Rede bekannt, so die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Ehebruch wird künftig mit Steinigung, Diebstahl mit dem Abhacken von Gliedmaßen sowie Alkoholkonsum mit Auspeitschen bestraft werden.

Die drakonischen, unmenschlichen Strafen werden laut der monarchischen Ankündigung phasenweise eingeführt. Bislang wurde die islamische Rechtsauslegung der Scharia nur bei Familien- und Erbangelegenheiten angewandt. Daneben existieren im ölreichen Kleinstaat noch neuzeitliche Zivilgerichte, die auf der britischen Gesetzgebung basieren. Zunehmend wird Burnei nun das archaische islamische Recht ausgeweitet und somit das Leben der Menschen, wie in allen islamischen Staaten weiter einschränken. So ist das öffentliche Konsumieren von Alkohol ebenso untersagt wie dessen Verkauf. Unternehmen und Geschäfte müssen während den Freitagsgebeten zwei Stunden lang geschlossen bleiben. Ab Januar 2013 ist islamischer Religionsunterricht Pflichtfach in den Schulen.

Islamisches Strafrecht ist eine Form der „besonderen Führung“ Allahs

Nach Angaben der staatlichen Brunei Times sagte der 67-jährige Sultan, der als einer der reichsten Männer der Welt gilt, in seiner Rede am Dienstag, das islamische Strafrecht sei eine Form der „besonderen Führung“ Allahs.

In Brunei wird seit einiger Zeit, wie in vielen islamischen Ländern auch, ein zunehmend strengerer Islam gelebt als in den muslimischen Nachbarländern Malaysia und Indonesien. Es ist allerdings zu beobachten, dass auch in diesen Ländern die islamische Doktrin in alle Bereiche des Lebens vordringt und zu einer „konservativeren“ Auslegung des Islams führt.

In Indonesien brachten „konservative“ Muslime die Regierung unlängst dazu, das Finale der Miss-World-Wahlen auf die hinduistische Insel Bali zu verbannen. Vergangene Woche entschied derweil ein malaysisches Gericht, die Verwendung des Wortes „Allah“ stehe nur Muslimen zu.

Nicht-Muslime werden unterdrückt

Die Unterdrückung von Nicht-Muslimen ist ein islamimmanentes Kennzeichen. Brunei spricht sich zwar offiziell dafür aus, dass alle anderen Religionen in „Frieden und Harmonie“ praktiziert werden können. Doch in der Praxis dürfen nur Nicht-Malaien ihren Glauben wählen. Der Großteil der Bevölkerung indes sind Malaien. So ist die Weitergabe des Evangeliums an Muslime ist nicht erlaubt, die Einfuhr von Bibeln, christlicher Literatur und anderen Materialien ist auf den persönlichen Gebrauch beschränkt.

Wer vom Islam zu einer anderen Religion wechseln möchte, muss dies bei der Regierung beantragen. Tritt ein Malaie zu einem anderen Glauben über, „stört“ er damit „Frieden und Harmonie“ und wird unvermeidlich einer Umerziehungsmaßnahme zum islamischen Glauben unterzogen. In der Regel bedeutet dies die Einweisung in ein Umerziehungslager. Die Heirat zwischen Nicht-Muslimen und Muslimen ist verboten.

Die nun eingeführten islamischen Körperstrafen sind ein Indiz mehr dafür, wie rückständig und menschenverachtenden der Islam in seiner Umsetzung ist. Die westlichen Relativierungsversuche können sich auch im Fall Brunei darin ergehen, dass dessen Monarch sich durchaus westlich präsentiert. So hatte Brunei in diesem Jahr den Vorsitz des Verbands Südostasiatischer Nationen, kurz Asean inne und war Gastgeber für diverse Staats- und Regierungschefs. So warb der Noch-Außenminister Guido Westerwelle (FDP) für eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Schariastaat Brunei. Brunei bestraft Homosexualität bislang mit zehn Jahren Haft. (DB)