Frank-Furter Schnauze: Von Limburg nach Mekka, Katar und Malaysia

Spiegel-Huhn findet Korn
Jakob Augstein findet, wie das berühmte Huhn, auch mal das besagte Korn (Bild: metropolico)

Jakob Augstein hat tatsächlich mal einen etwas differenzierteren Kommentar geschrieben. Weniger lobenswert ist dabei allerdings: Er schlägt eine Brücke „von Limburg nach Lampedusa“. Tatsächlich muss der Blick viel weiter schweifen: Von Limburg nach Mekka, Katar und Malaysia.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Jakob Augstein hat tatsächlich mal einen etwas differenzierteren Kommentar geschrieben. Es gebietet der Anstand, dass er, der sonst in dieser Kolumne regelmäßig Gegenstand von Kritik und Häme ist, heute einmal Lob erfährt.

„Von Limburg nach Malaysia“

Da sei auch die dümmliche Überschrift „Von Limburg nach Lampedusa“ verziehen, ebenso der letzte Absatz, in dem Augstein eine Brücke vom zweifelsohne ungeschickten, vom Boulevard längst „Protz-Bischoff“ getauften Tebartz-van Elst zum Flüchtlingsdrama vor Lampedusa schlägt. Zu den „Schiffbrüchigen einer grausamen Globalisierung“, wie Augstein schreibt. Nachdem der Nachwuchsverleger vorher mit bemerkenswerter Nüchternheit das Limburger Skandälchen kommentierte, wäre es auch wohl zu viel verlangt gewesen, die Brücke dahin zu schlagen, wo das Leid der „Schiffbrüchigen“ seinen Ursprung hat. Nicht „von Limburg nach Lampedusa“ muss der Blick dieser Tage gehen, sondern „von Limburg nach Mekka“, „von Limburg nach Katar“, oder – aus gegebenem Anlass – „von Limburg nach Malaysia“.

Dort, in Malaysia, einem einstigen Vorzeige-Land islamischer Modernisierung, hat heute ein Gericht entschieden, dass das Wort „Allah“ nur noch von Muslimen benutzt werden darf. Auch Christen und Juden nannten „ihren“ Gott bis dato in Malaysia bei diesem Namen. Das verwirre die Muslime, befanden die Richter. Ja, wirklich verwirrend.

So verwirrend, dass Rainer Hermann in einem Kommentar für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) meint, hier sei ein „Band durchschnitten, das die große monotheistische Weltbewegung zusammenhält.“ Verwirrung allenthalben. Von welchem Band nur redet der gute Mann?!

Oh mein Gott, was seid Ihr alle blind

Es ist die typische Leier der vielen Berufstoleranten in Medien, Politik und – nicht zu guter Letzt – den Kirchen, so zu tun, als glaubten all die Anhänger der „großen monotheistischen Weltbewegung“ letztlich doch an ein und denselben Gott. Voraussetzung für diese Sichtweise ist mindestens die Unkenntnis, wenn nicht gar die Ignoranz vor dem, was im heiligen Buch der Muslime mitunter geschrieben steht. Überspitzt formuliert: Wenn es ein und derselbe Gott ist, der dem Propheten Mohammed über seinen Erzengel Gabriel dieses Buch diktieren ließ, nachdem er sechs Jahrhunderte zuvor jenen Jesus zur Erde sandte, der nach christlichem Glauben sein Sohn gewesen sein soll – dann muss dieser Gott entweder ziemlich schizophren sein, oder er hat zwischen dem ersten und dem siebten Jahrhundert seine Meinung zu gewissen Dingen gehörig geändert.

Ein Band zwischen Christen, Juden und Muslimen lässt sich in der Realität nur schwer ausmachen. Vielmehr zeigt sich ein Brand, ein Flächenbrand sogar, der von Afrika über den Nahen Osten bis nach Asien reicht. Wenn nicht gar zunehmend bis in die sozialen Brennpunkte westlicher Metropolen.

Oh mein Gott, will man sagen. Oh mein Gott, was seid Ihr alle blind. Seht ihr nicht, dass sich der islamische Kulturkreis nunmehr seit mehreren Jahrzehnten in einem Prozess der flächendeckenden Re-Fundamentalisierung befindet? Welche Zeichen braucht es noch? Genügten nicht die Iranische Revolution, der 11. September, die Arabellion? Braucht es wohl erst noch eine Fußball-WM im Kernland des Wahhabismus? Als große Bühne für jene Sippe, die Muslimbrüder, Hamas und Al Qaida finanziert? Vielleicht etwa als „Olympia36“ des 21. Jahrhunderts?

Es geht einfach nur ums Geld

Die Korrelation ist unübersehbar: Mit dem Öl kam das Geld, mit dem Geld die Macht, mit der Macht die Re-Islamisierung, deren Auswirkungen auch hierzulande längst spürbar sind. Sie zeigen sich alltäglich: Erstens in dem, was geschrieben wird. Zweitens in dem, was nicht geschrieben wird.

Das beste Beispiel zeigt sich gerade heute: Während Tebartz-van Elst wegen einer eher überschaubaren Immobilie als „Protz-Bischoff“ durch den Boulevard gezogen wird, wurde in Mekka jüngst mit den Abraj Al Bait Towers ein 601-Meter-hoher Gebäudekomplex fertiggestellt, der – wie die gesamte Zwei-Millionen-Einwohner-Metropole – nur von Muslimen betreten werden darf. Und während flächendeckend in der islamischen Welt Christen und Juden unterdrückt, diskriminiert und verfolgt werden, ohne dass es einen nennenswerten Aufschrei gäbe, muss sich in Deutschland schon jeder übelster Vorwürfe erwehren, der es nur wagt, die offensichtlichen Integrationsprobleme mit eklatant vielen muslimischen Einwanderern zu thematisieren.

Was für ein Wahnsinn hat nur unsere Eliten befallen?! Oh mein Gott, es ist gar kein Wahnsinn. Spätestens die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar ist das genauso unfreiwillige wie überaus symbolhafte Eingeständnis westlicher Eliten, worum es hier tatsächlich geht. Wo der Wahnsinn seinen höchst praktikablen Ursprung hat. Es geht um Geld. Um nichts anderes. Es geht einfach nur ums Geld.