„Joachim Gauck — Der richtige Mann?“

Bundespräsident Joachim Gauck (Bild: Offizielles Porträt "Presse- und Informationsamt der Bundesregierung" , Rechte: siehe Link)
Bundespräsident Joachim Gauck (Bild: Offizielles Porträt „Presse- und Informationsamt der Bundesregierung“; Rechte: siehe Link)

Der Chefredakteur des Compact-Magazin, Jürgen Elsässer, hat Klaus Blessing, einer der Autoren des Buches „Joachim Guack — Der richtige Mann?“ zum Gespräch geladen. Zusammen wurde erörtert, welche Vergangenheit Joachim Gauck nach Ansicht der Autoren tatsächlich in der DDR hatte. Den Buchautoren gehe es dabei um eine „Korrektur der öffentlichen Wahrnehmung“. Gauck, der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland habe, wie nur wenig andere, von besonderen Privilegien in der DDR profitiert.

„Am 23. März 2012 wurde der ostdeutsche Ex-Pfarrer Joachim Gauck als elfter Bundespräsident vereidigt. Wenige Wochen zuvor war sein Vorgänger Christian Wulff von einer Phalanx höchst tugendhafter bundesdeutscher Medien aus dem Amt gejagt worden. Von den meisten Vertretern ebendieser Medienhäuser wird uns nun Joachim Gauck als charismatischer Bürgerrechtler, diplomatisch versierter Versöhner, erfolgreicher Stasi-Jäger und moralisch integrer Verfechter der Freiheit präsentiert. Klaus Blessing und Manfred Manteuffel melden an dieser Einschätzung deutliche Zweifel an. Unter Zuhilfenahme von Zitaten, Dokumenten und Zeitzeugen thematisieren sie neben anderem Gaucks fragwürdiges Verhältnis zum Faschismus, seine problematischen Äußerungen zur deutsch-polnischen Grenze wie auch seinen strittigen Umgang mit der eigenen Biographie. Es stellt sich die Frage: Joachim Gauck – Der richtige Mann?“

So lautet die Kurzbeschreibung des im Juni erschienen Buches „Joachim Guack — Der richtige Mann?“ von Dr. oec. Klaus Blessing und Manfred Manteuffel.

Ich würde ihnen am liebsten eine knallen!“

In den Medien zwar kaum thematisiert, wurde dem Buch des ehemaligen SED-Politikers und stellvertretenden Minister für die Schwerindustrie in der „DDR“, Klaus Blessing, eine aktengebundene Darlegung und ein ständiges Bemühen um Objektivität attestiert. Der Mitautor Manfred Manteuffel, der bis 1990 Referent für Kirchenfragen beim Rat der Stadt Rostock war, hatte jahrelang mit Joachim Gauck, der wiederum in Rostock Pfarrer war, persönlich zu tun. Diese Erfahrungen flossen in das Buch ein. Die mediale Enthaltsamkeit gegenüber dem Thema scheint verwunderlich, birgt dieses doch enorme Sprengkraft.

Wie der Autor in dem Interview mit dem Magazin Compact beteuert, ging es ihm und dem Co-Autor Manteuffel nicht darum, Joachim Gauck bloß zu stellen. Auch dessen Stasi-Vergangenheit sei nicht Kernthema des Buches. Vielmehr wollte man das „Gesamtbild“, dass die meinungsbildenden Medien von Joachim Gauck zeichneten, richtig zu stellen. Die Autoren sahen sich am Ende der mehr als einjährigen Recherchearbeit verpflichtet, diese Kenntnisse über Gauck zu veröffentlichen.

Bereits Anfang der 90er Jahre, als Joachim Gauck die Stasi-Behörde übernommen hatte, gab es bereit eine breite Diskussion, auch in den öffentlich-rechtlichen Medien, über Gaucks eigene Vergangenheit und Verstrickungen bei der Stasi. Diese Diskussion sei seither völlig abgerissen.

Blessing verweist hier auf ein ZDF-Interview aus dem Jahre 2001. Damals hatte Bodo Hauser im Rahmen des Interviews gezielte Fragen an Gauck über seine Verwicklungen in der Stasi gestellt, die dem Befragten offensichtlich gänzlich missfielen. Gauck „rastete“ bereits beim Abdrehen des Interviews mit den Worten aus, dass er dem Reporter für seine Fragestellung am liebsten eine „knallen“ würde. Wie Blessing berichtete, musste das Interview zweimal aufgenommen werden. Die erste Fassung wurde auf Drängen von Gauck und in dessen Anwesenheit gelöscht. Dies bestätigte Bodo Hauser gegenüber dem Autor. Auch in der letztendlichen Fassung gibt sich Gauck zu den gestellten Fragen, ob er Kontakte mit der Stasi gehabt habe und ob er durch die Stasi gefördert oder begünstigt wurde, mehr als genervt.

Hat Gauck seine eigene Akte frisiert?

Darüber hinaus stellt sich natürlich die Frage, ob Joachim Gauck als Präsident der gleichnamigen Behörde seine eigenen Akten frisiert hatte. Blessing zementiert die Vermutung, dass Gauck seine eigene Akten nicht nur frisiert habe. Er hatte die Möglichkeit, an zwei Tagen stundenlang allein mit seiner dreibändigen Akten zuzubringen. Dies sei eindeutig durch Zeugenaussagen verbürgt. Wichtiger indes sei die Fragen, was in den Akten gestanden hat. Joachim Gauck würde sich bis heute als Opfer der Stasi darstellen, so Blessing. Die Rechercheergebnisse hätten folgende, eindeutige Sachlage geliefert:

Joachim Gauck versicherte in drei eidesstattlichen Versicherungen, dass er der Staatssicherheit der „DDR“ keinerlei Informationen gegeben hätte und von dieser in keinerlei Hinsicht begünstigt worden sei. Dagegen stünden sieben Zeugenaussagen, die genau das Gegenteil davon behaupten. Auch der Co-Autor Manteuffel dementiert, ebenfalls eidesstattlich, Gaucks Aussagen. Bemerkenswert und so gut wie unbekannt: Es existiert ein rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Roststock aus dem Zeitraum 2000/2001, das besagt, dass Joachim Gauck im Sinne des Gesetzes als Begünstigter der Staatssicherheit bezeichnet werden kann und darf. Prozessgegner damals war Peter-Michael Diestel, der letzte Innenminister der „DDR“ im Kabinett von Lothar de Maizières. In seine Amtszeit 1990 fiel die Übergabe der Stasi-Abhörakten über BRD-Politiker an den Verfassungsschutz der BRD. Das Urteil, dass Gauck als Begünstigter der Staatssicherheit der „DDR“ gelte, ist rechtskräftig.

Weiter führt der Autor Blessing aus, dass Gaucks Söhne legal in den Westen ausgereist seien. Diese bekamen aber, was gänzlich gegen die damalige Praxis der „DDR“ verstieß, die Wiedereinreisegenehmigung in die „DDR“. Dies sei ein eindeutiger Beweis, dass Gauck von der Stasi begünstigt wurde. Auf Antrag wurde ebenfalls ein Westfahrzeug importiert.

„Gauck ist ein Anpassungskünstler par excellence“

Gauck habe sich in den letzten Jahren der „DDR“ an die Staatssicherheit angedienert, so die feste Überzeugung Blessings. Dies sei protokollarisch belegt. Seine damaligen Äußerungen wie: „den Sozialismus sollte man stärken“ oder „ der Staatssicherheitsdienst der DDR erfülle auch nur seine Aufgabe“, seinen mit seinem heutigen Auftreten nicht mehr nachvollziehbar. Auch diese wertschätzenden Aussagen Gaucks zur  „DDR“ seinen protokolliert und bewiesen.

Im Verlauf des Interviews ziehen die beiden Gesprächspartner zum Thema Begünstigung den Vergleich zum ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Dieser musste wegen Begünstigung im Amt zurücktreten. Indes habe Gauck ebenfalls Vergünstigungen erhalten, allerdings nicht von „Westindustriellen, sondern von der Ostseite“ Diese Dimension sei politisch jedoch eine völlig andere und nicht vergleichbar.

Mit dem Vorwurf, Blessing würde, da er selbst in seiner Funktion als stellvertretender Wirtschaftsminister der „DDR“ ein SED-Genosse gewesen sein, sich an einem verdienten Bürgerrechtler schadlos halten, wurde von Seiten des Autors erwartet. Er, Blessing, habe mit Joachim Gauck persönlich keine Probleme, es sei kein persönlicher Rachefeldzug. Jedoch bedarf das entworfene glorifizierte Bild von Gauck, dieser sei ein unanfechtbarer Bürgerrechtler, einer Korrektur, da hier in Bezug auf Gauck ganz andere politische und moralische Wertungen abzuleiten seien.

Gauck verdiene es nicht, glorifiziert zu werden, so Blessing. Es gehe um das Gesamtbild Gaucks, der ein Mann sei, der es – mit Verweis auf die genannten eidesstattlichen Erklärungen – mit „der Wahrheit grundsätzlich nicht so genau nehme“. Gauck sei ein Anpassungskünstler par excellence.

„Die Öffentlichkeit soll wissen, was an der Spitze unseres Staates gespielt wird“

Abschließen wurde der Umstand thematisiert, weshalb politische Schlüsselposition der Bundesrepublik mit Personen besetzt seien, die eine „ungeklärte Vergangenheit“ auszuweisen haben. Angela Merkel sei solche eine Person, so Blessing. Über deren Vergangenheit seien so gut wie keine Quellen zugänglich, bei Joachim Gauck sei dies einfacher. Blessing hatte bereits eine Abhandlung über Angela Merkels Vergangenheit verfasst. Jürgen Elsässer weißt darauf hin, dass in dem zeitgleich erschienen Buch „Die frühen Jahre der Angela M.“ versucht wurde, Angela Merkel als „Schläferin des Reformkommunismus“ und Gauck als „Stasimann“ darzustellen, und ein Bild gezeichnet wurde, als ob die „DDR“ die Macht in Deutschland übernommen habe.

Blessing verwundere diese Einordnung nicht. Dennoch frage er sich, weshalb es der „Westen“ es zulassen habe, dass Personen aus dem Osten mit solch undurchsichtigen Vergangenheiten die Staatsmacht ergriffen haben. Eine weitere Beurteilung wolle er aber dazu abgeben nicht. Es existiere nach Blessings Ansicht kein ideologischer Widerspruch zwischen Gauck und Merkel.

Jürgen Elsässer schließt das Interview mit dem Dank an den Autor, sich diesem brisanten Thema zugewandt zu haben und äußert den Wunsch, dass weitere Medien nachziehen und diese Dinge an die Öffentlichkeit bringen werden. Man brauche diese Diskussion. Man wolle keine Hexenjagd. Jedoch solle die Öffentlichkeit wissen, was an der Spitze unseres Staates gespielt werde.

Das Interview, wie das Buch selbst lässt den Glorienschein unseres amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck weniger hell erleuchten. Für manch einen hat sich Joachim Gauck indes schon längst selbst entzaubert. (BS)

Hier das Interview auf YouTube >>