60 Prozent der Briten haben ein negatives Bild von Muslimen

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Junge Briten misstrauen Muslimen (Bild: Exey Panteleev; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Mehr als ein Viertel der 18 bis 24-Jährigen in Großbritannien misstrauen Muslimen. 60 Prozent der britischen Bevölkerung haben ein negatives Bild.

Von den 1.000 Jugendlichen, die bei einer BBC-Studie befragt wurden, antworteten 28 Prozent, es wäre für Großbritannien besser, wenn dort weniger Muslime lebten. 44 Prozent der jungen Briten glauben, dass Muslime nicht die gleichen Werte teilen, wie der Rest der Bevölkerung.

Gefragt, worin die Ablehnung des Islams begründet sein könnte, antworteten 26 Prozent, die Ursache hierfür in den Terroranschlägen islamischer Gruppen zu sehen. 21 Prozent der Befragten geben an, dass britische Muslime in solche Terrorakte involviert seien, so der Bericht von BBC. Nur drei von zehn Muslimen seien gewillt, Maßnahme zu ergreifen, um den islamischen Extremismus in der jeweiligen Gemeinde zu bekämpfen. 48 Prozent der Befragten waren jedoch trotzdem der Ansicht, dass es sich beim Islam prinzipiell um eine friedliche Religion handeln würde. 27 Prozent teilen diese Auffassung nicht. Sie gehen davon aus, dass diese Ideologie für den Terror verantwortlich sei.

 „Islamophobe“ Stimmung

Die regierungsberatende Gruppierung Anti-Muslim Hatred Working Group indes gibt an zu wissen, woher die „islamophobe“ Stimmung in der jungen britischen Gesellschaft herrührt. Viele junge Briten beschäftigten sich offenbar zu wenig mit ihrer Umgebung. Dadurch würden Vorurteile entstehen. Die jungen Leute müssten sich stärker untereinander mischen, um Vorurteile abzubauen. Auf lokaler Ebene sollten junge Leute an gemeinsamen Projekten arbeiten. So könne man Muslime kennen lernen, so ein Sprecher der Gruppierung.

Dass ein erheblicher Anteil der britischen Bevölkerung eine negative Einstellung zum Islam und der stark anwachsenden britischen muslimischen Gemeinschaft habe, würden aktuelle Polizeistatistiken widerspiegeln. Anti-muslimische Straftaten seien in London um 61 Prozent angestiegen. Die „islamophobe Stimmung“ sei wahrscheinlich durch die Ermordung des 25-jährigen Soldaten Lee Rigby in Woolwich noch zusätzlich „angeheizt“ worden. Der Muslim Council of Britain, die britische Dachorganisation der Muslime, bezeichnete den Anstieg der Gewalt seit dem Tod des jungen Mannes als „beispiellos“.

Terrorakte von britischen Muslimen

Am 22. Mai 2013 ermordeten zwei aus Nigeria stammende britische Muslime auf offener Straße den britischen Soldaten Lee Rigby. Das Opfer wurde zunächst mit einem Auto angefahren und dann mit Hiebwaffen und Messern getötet. Die Täter ließen sich während des Mordens von Passanten filmen.

Beim Versuch, die beiden Täter festzunehmen, bedrohten diese die Polizei mit einem Beil und einem Revolver. Daraufhin wurden sie von den Beamten angeschossen und überwältigt. Einer der in Nigeria geborenen Täter war Student der Greenwich University. Adebolajo, so der Name des Mörders, lebte als Kind in einem christlichen Umfeld und konvertierte im Alter von 18 Jahren zum Islam. Er gehörte in London der salafistischen Gruppe Al Muhajiroun an und nannte sich nach der Konversion Mujaheed.

Am 7. Juli 2005 starben bei vier islamischen Anschlägen auf U-Bahnen und Busse über 52 Menschen, sowie die vier muslimischen Selbstmordattentäter. Über 700 Menschen wurden teilweise schwer verletzt.

Ablehnung des Islam nimmt nicht nur in Großbritannien zu

Aber nicht nur in Großbritannien lehnen die Menschen den Islam zunehmend ab. Wie metropolico berichtete, belegt der Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann-Stiftung, dass die Hälfte der Deutschen den Islam nicht zu Deutschland zugehörig empfinden. 51 Prozent sehen den Islam als Bedrohungen, obwohl 60 Prozent der Befragten Religion im Allgemeinen als unschädlich einstufen. In Frankreich zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Auch hier empfinden die Hälfte der Franzosen den Islam als Bedrohung.

Dennoch sehen Politiker, christliche und naturgemäß islamische Vertreter die Umfrageergebnisses als ein „verzerrtes Bild“ des Islam und fordern sogleich mehr Aufklärung und eine intensivere Beschäftigung damit. Mangelnden persönlichen Kontakt von Muslimen und Christen seien für die negative Sichtweise verantwortlich.

Muslime sind die neuen Opfer

Nach Meinung des Historikers Wolfgang Benz drohen die Muslime die neuen Opfer der deutschen Gesellschaft zu werden – ganz wie die Juden in der Vergangenheit, so Benz.

Der 72-jährige Wolfgang Benz wurde von Daniel Goldhagen, Matthias Küntzel und Clemens Heni dahingehend kritisiert, dass er auf der 2008 stattgefundenen Konferenz am Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung zum „Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit“ „die qualitativen Unterschiede zwischen beiden Vorurteilsstrukturen verwische und damit Gefahr laufe, die Besonderheiten des Holocaust einzuebnen“.

Anfang 2010 erklärte Benz im Zusammenhang mit dem Schweizer Minarettstreit: „Antisemiten des 19. Jahrhunderts und manche ‚Islamkritiker‘ des 21. Jahrhunderts arbeiten mit ähnlichen Mitteln an ihrem Feindbild.“ Die pauschale Diskriminierung von Muslimen sei eine „Kampfansage gegen Toleranz und Demokratie“. Benz wurde unter anderem für diese Aussage von Henryk M. Broder scharf kritisiert.

In den 50er Jahren erfolgte ein enormer Zustrom von Muslimen aus den ehemaligen britischen Kolonien nach Großbritannien. Heute ist der Islam die zweitgrößte Religion im Vereinigten Königreich. Die Anzahl der Muslime in Großbritannien wird auf etwa 2,9 Millionen geschätzt. Die Zahl dürfte jedoch durch Muslime, die sich illegal im Land aufhalten, weitaus höher sein.  Rund 100.000 Briten konvertierten im Zeitraum 2001 bis 2011 zum Islam. Das sind etwa viermal soviel wie ursprünglich erwartet. Bis 2010 wurden über 1.500 – größtenteils sunnitische – Moscheen erbaut. (BS)