Frank-Furter Schnauze: „Nun geht’s raus und spielt’s Wähler!“

Hier hatte es angefangen: Bei der Gründungsveranstaltung der AfD in Oberursel bei Frankfurt (Bild: metropolico)
Hier hatte alles angefangen: Bei der Gründungsveranstaltung der AfD in Oberursel bei Frankfurt (Bild: metropolico)

Wer hätte noch vor einem halben Jahr gedacht, dass es bei dieser Wahl in diesem Herbst eine echte, bürgerlich-liberale Alternative geben würde? Die Antwort: Niemand. Doch jetzt ist sie da. Eine Qual der Wahl gibt es dieses Mal nicht. Beziehungsweise, sie war eher das, was in den vergangenen Wochen geschah. Doch der Qualkampf ist nun vorbei. Endlich. Also dann, im Sinne unseres Kaisers: „Nun geht’s raus und spielt’s Wähler!“

Macht es Sinn, wenn metropolico-Autoren bei dieser Bundestagswahl eine Wahlempfehlung abgeben? Wohl kaum. Jeder weiß, für welche Partei eine solche Empfehlung ausgesprochen würde.

Gerade für mich persönlich gilt: Meine Haltung zur Euro-Politik ist über Jahre im Internet dokumentiert. Genau genommen – und das soll nicht als Überheblichkeit verstanden werden – hat eine junge Partei in den vergangenen Monaten das getan, wofür Christian Jung und ich im Herbst 2011 als Funktionäre einer anderen, damals ebenso jungen Partei in einem Dokument namens „Agenda für Die Freiheit“ geworben haben: Mehr Sachlichkeit, mehr Seriosität, breitere Thematik und ein größerer Fokus auf die verheerende Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung. Viel von dem hat nun einen neuen, frischen, unverbrauchten Namen: Alternative für Deutschland (AfD). Und sollte dieser AfD der Einzug in den Bundestag gelingen, werden andere Themen zwangsläufig folgen. Das gebietet schon die gegenwärtige Lage im Land. Und nicht nur in Sachen Euro-Rettung lechzt das Bürgertum dieser Republik nach einer Alternative. Denn auch in vielen anderen Feldern wachsen die Probleme, die uns die etablierten Parteien beschert haben, geradezu ins Unermessliche.

Die Anfeindungen perlten förmlich an ihr ab

Über einen Mangel an Medienpräsenz konnte sich die AfD im Bundestagswahlkampf genauso wenig beschweren wie Michael Stürzenbergers Freiheit in Bayern oder die Pro-Bewegung im letzten NRW-Wahlkampf. Über all diese Parteien wurde und wird überwiegend negativ berichtet. Der Unterschied ist nur: Während Freiheit und Pro-Bewegung mit der Art ihres Auftritts der Medienkritik nicht selten (wenn auch mitunter unfreiwillig) recht geben, gebärdet sich die AfD bis dato, insbesondere in Person ihres Spitzenkandidaten Professor Bernd Lucke, durchweg seriös und – gerade deswegen! – beinahe unangreifbar. Somit perlten all die Anfeindungen förmlich an ihr ab. Und als man hier und da in den Redaktionen spürte, dass so langsam aber sicher die eigene Glaubwürdigkeit in Gefahr geriert, drehte sich der Wind sogar ein wenig. Gemächlich, aber spürbar.

Auch damit gibt uns die AfD rückwirkend recht. Wer tendenziöse Logos wie jenes mit einer durchgestrichenen Moschee auf weißem Grund in den Himmel hält, braucht sich nicht wundern, dass er als „Islamhasser“ wahrgenommen wird, dass die Wähler nicht bereit sind, derart billige, pauschale und auch aus islamkritischer Perspektive höchst ablehnungswerte Symbolik an der Urne noch zu belohnen. Dasselbe, wenn auch in geringerem Umfang, gilt für Michael Stürzenbergers Auftritte im Rahmen des Bürgerbergehrens gegen das ZIE-M. Das fraglos respektable und – alleine schon vom Aufwand her – bewundernswerte Engagement des bayerischen Freiheit-Chefs konterkariert er selbst durch seine Unsachlichkeit, durch seinen latenten Radikalismus in der Art und Weise seines Wirkens, auf der Straße wie im Internet. Das führt in der Summe zu einer Außendarstellung, die dem Bürger eher noch den Eindruck vermittelt, das Zerrbild, das die Medien von Stürzenberger und seinen Mitstreitern zeichnen, sei vollumfänglich zutreffend. Schade, wirklich schade.

Kein Wunder, nach all den Kanzlerinnen-Wenden

Die AfD hat nun binnen kürzester Zeit vorgeführt, wie man es besser macht. Durch maximale Sachlichkeit, durch Seriosität im Auftritt, auch und vor allem durch Gelassenheit im Umgang mit der pausenlosen Medienschelte. Nur so lässt sich das bürgerliche Lager, oder zumindest ein beachtlicher Teil davon, für eine neue Partei gewinnen. Nur deswegen steht die AfD schon jetzt an einem Punkt, den niemand vor sechs Monaten für möglich gehalten hätte. Weder für diese Partei, noch für eine andere. Hand aufs Herz: Wer im bürgerlich-liberalen Milieu hätte im Frühjahr 2013 allen Ernstes geglaubt, dass es noch in diesem Jahr, bei dieser nun anstehenden Bundestagswahl, eine aussichtsreiche Alternative geben würde? Die Antwort lautet: Niemand. Wahrscheinlich nicht einmal Lucke und seine Mitstreiter selbst.

Doch seit der – mehr oder weniger zufälligen – Gründungsveranstaltung der AfD im März in Oberursel überschlugen sich förmlich die Ereignisse. Das beispiellose Wachstum der eher in der Not (beziehungsweise in der Inkompetenz eines Freien Wählers namens Hubert Aiwanger) geborenen Partei birgt allerlei Probleme, mit denen sich Lucke und Co. nach der Wahl – ungeachtet des Ausgangs – noch intensiv werden beschäftigen müssen. Doch ungeachtet dessen ist es gerade dieses beispiellose Wachstum, das zeigt, wie groß der Wunsch im Bürgertum nach einer politischen Alternative war und ist. Kein Wunder, nach all den Kanzlerinnen-Wenden in der nun ablaufenden Legislaturperiode, von den permanenten und mittlerweile institutionalisierten Rechtsbrüchen im Zuge der Euro-Rettung ganz zu schweigen.

Ihnen gebührt schon jetzt unser Respekt

Auch das war schon im Herbst 2011 absehbar. So wie absehbar war, dass Die Freiheit, wie so manch andere Partei vor ihr, dieses Potenzial in dieser Form niemals würde bedienen können; dass sie sich vielmehr selbst dagegen entschied, es überhaupt zu versuchen. Immerhin haben wir, die ehemaligen und aktuellen Freiheitler, zumindest so gesehen einen kleinen, wenn auch frustrierenden Anteil am Erfolg der AfD, als dass wir – wie viele vor uns – ein Exempel dafür geliefert haben, wie man es nicht macht. Wenn man schon nicht selbst aus seinen Fehlern lernt, lernen bestenfalls wenigstens andere daraus.

Dem erneuten Hinweis auf unsere eigene politische Vergangenheit sei nun aber auch die schonungslose Selbsterkenntnis nachgereicht, dass wir, Christian Jung und ich, wohl nicht annähernd zu der Leistung imstande gewesen wären, die nun die AfD-Führung vollbracht hat. Dazu fehlten schon alleine Expertise und Renommee, um nur zwei von vielen Eigenschaften zu nennen, die das Führungsteam um Lucke, Starbatty, Adam und Petry auszeichnen. Umso aufrichtiger gebührt ihnen, aber auch den vielen mutigen AfD-Wahlkämpfern in Städten und Kommunen, schon jetzt unser Respekt. Für das, was sie geleistet haben. Und hoffentlich auch für das, was sie noch leisten werden.

Keine Qual der Wahl

Was bleibt, ist der AfD nun noch das letzte Quäntchen Glück zu wünschen. Falls das überhaupt nötig sein wird, um den Einzug ins Parlament zu schaffen. Verdient hätte sie es allemal. Und an der Notwendigkeit einer neuen, bürgerlich-liberalen Alternative im Bundestag, gar einer ökonomisch kompetenten Kraft mit höchstem Sachverstand als Korrektiv zur billigen Polemik der „Alternativlosigkeit“, besteht schon gar kein Zweifel.

Wem an der Zukunft der Demokratie in Deutschland gelegen ist – und sei es nur, damit einem weitverbreiteten Bürgerwillen auch parlamentarisch endlich wieder Gesicht und Stimme verliehen wird – hat an diesem Sonntag keine Qual der Wahl. Im Gegenteil: Zur Qual der Wahl gebärdet sich unlängst das, was sich in den Wochen vor dem Urnengang in diesem Land, allen voran in seinen zwangsfinanzierten Staatsmedien, abspielt. Und zwar nicht nur dieses Mal, nicht nur mit Blick auf die AfD.

„Nun geht’s raus und spielt’s Wähler!“

Damit ist nun endlich Schluss. Der Qualkampf ist vorbei. Schon das ist eine gute Nachricht. Möge am Sonntagabend um 18 Uhr die nächste gute Nachricht folgen, freilich in Form eines in den Himmel wachsenden blauen Balkens. So blau, wie diese Seite hier: bürgerlich, liberal, unabhängig.

Also dann, im Sinne unseres Kaisers, Franz dem Ersten: „Nun geht’s raus und spielt’s Wähler!“ Wir Bürger haben ohnehin nur einmal alle vier Jahre die Gelegenheit dazu, bundespolitisch ein Wörtchen mitzureden. Am Sonntag ist endlich mal wieder die Demokratie zu Gast bei Freunden. Sie wurde auch schon viel zu lange nicht mehr gesehen in diesem Land.