DİTİB droht muslimischen Nicht-Wählern mit Konsequenzen im Jenseits. Der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (DİTİB) Izzet Er ruft die in Deutschland lebenden Türken und Muslime dazu auf, sich an der Bundestagswahl am Sonntag zu beteiligen. Ansonsten könne es Konsequenzen im muslimischen Jenseits geben.

Der Vorstandsvorsitzende und Religionssoziologe Izzet Er, der in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten ist, rief seine Glaubensbrüder und Schwestern nicht nur zur politischen Teilhabe durch die Wahrnehmung des hochdemokratischen Mittels des Wahlrechts auf.

In einer Pressekonferenz zur anstehenden Bundestagswahl teilte Er laut der türkischen Zeitung Zaman den in Deutschland wahlberechtigten türkischen Muslimen mit, dass es für deren Seelenheil unabdingbar sei, zur Wahl zu gehen. Wählen zu gehen, sei religiöse Pflicht, so der Vorsitzende der DİTİB in Deutschland. Der Bürger habe mit der Wahl die Chance, etwas zu verändern. Wenn eine Person diese Möglichkeit nicht nutze, glaube Izzet Er nicht, dass diese Person das im Jenseits verantworten könne.

Es gibt vielfältige muslimische Probleme zu lösen

Der Gang zur Wahlurne sei für die wahlberechtigten Muslime gleichzeitig eine gesellschaftliche Pflicht, mit der sie an selbiger politisch partizipieren und Verantwortung übernehmen.

Denn nur so können die vielfältigen Probleme einer Lösung zugeführt werden:  Sei es die doppelte Staatsbürgerschaft, sei es die Einforderung von gleichen Rechten für Alle, von Chancengleichheit für Kopftuchträgerinnen gerade beim Zugang zur Arbeitswelt, all diese Interessen seien am besten zu vertreten durch den Gang zur Wahlurne. Man dürfe nicht vergessen, dass die Zukunft Deutschlands auch die Zukunft der Muslime sei.

Damit in dieser Zukunft keine „neuen NSU-Mordserien mehr das Land überziehen und unsere Geschwister umgebracht werden,  … damit keine Übergriffe auf unsere Moscheen und keine Brandanschläge mehr verzeichnet werden“, deshalb seinen alle wahlberechtigen Geschwister dringend aufgefordert, an diesem Tag ihre Stimme abzugeben, so der Appell Ers laut der DITIB-Pressemitteilung.

Izzet Er regt die DİTİB-Gemeinden in Deutschland dazu an, am Sonntag ein gemeinsames Frühstück zu veranstalten und danach geschlossen zur Wahl zu gehen.

Die DİTİB – Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde

Die DITIB wurde 1984 in Köln gegründet, und ist mit rund 120.000 Mitgliedern eine der größten islamischen Vereinigungen in Deutschland. Sie versteht sich als Dachverband vieler kleiner türkisch-islamischer Religionsvereine. Der Verein untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei in Ankara, das wiederum direkt dem türkischen Ministerpräsidialamt, als Erdogans AK, angegliedert ist. Die AKP versuche, über die DİTİB ihren Einfluss auf die türkischen oder türkischstämmigen Bürger in Deutschland auszuüben. Hinzu komme eine engere Zusammenarbeit mit der Milli Görüs.

Der DİTİB wird vorgeworfen, integrationsfeindlich zu agieren und ihre Mitglieder zur Absonderung von der deutschen Gesellschaft aufzufordern. So vertritt der Schriftsteller Ralph Giordano die Ansicht, die DİTİB sei ein ungeeigneter Bauträger für Moscheen in Deutschland, insofern es ihr eher um die Bewahrung des Türkentums als um Eingliederung in die deutsche Gesellschaft gehe. Ein Teil der in Deutschland vorhandenen gut 2.500 Moscheen gehört der – im Grundbuch eingetragenen – DİTİB und damit letztlich dem türkischen Staat. Die Turkologin Ursula Spuler-Stegemann warnte, es sei sonderbar, dass die DİTİB, der größten Muslimverband Deutschlands so viele Moscheen „nach Kriegsherrn wie dem Konstantinopel-Eroberer Fatih Sultan Mehmet“ benenne.

Machtgelüste und reaktionäre Gesinnung

Die türkischstämmige SPD-Politikerin und Islam-Beauftragte Lale Akgün warf der DİTİB „Machtgelüste” und „reaktionäre Gesinnungen” vor. Als einem Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde gehe es der DİTİB nicht um Religion, sondern um die „Deutungshoheit über das Soziale”. Als Beispiel verwies Akgün auf einen später wieder aus dem Internet entfernten Leitfaden der türkischen Behörde Diyanet für „gute und vorbildliche muslimische Frauen”, worin „frauenfeindliche Vorschriften” enthalten gewesen seien wie etwa das Alleinreise-Verbot für Frauen.

Des Weiteren rekrutiere die DİTİB Imame aus der Türkei. Deren mangelnde Sprachkenntnisse und begrenzte Dienstzeit hindert diese daran, sich mit den kulturellen Gepflogenheiten in Deutschland vertraut zu machen. Die neu konzipierte Imam-Ausbildung an den Universitäten in Münster, Osnabrück und Tübingen lehnte die DİTİB ab.

Die DİTİB leugnet zudem den Völkermord an den Armeniern und ersetze Religion durch türkisch-islamischen Ultapatriotismus.

Köln-Ehrenfeld und das ZIE-M-Projekt

Die umstrittene Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld ist das Prestigeobjekt der DİTİB. Mehrheitlich sprach sich die Kölner CDU wie auch ein großer Teil der Bürger Ehrenfelds gegen den Bau der Moschee in der geplanten Größe aus.

Das fünfstöckige Gebäude mit einer 35 Meter hohen Kuppel und zwei Minaretten von je 55 Metern Höhe soll 1.200 Gläubigen Platz bieten.

Neben den Gebetsräumen sind im Gebäudekomplex auf rund 16.500 Quadratmeter Nutzfläche eine Bibliothek, Schulungs- und Seminarräume, Flächen für Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe und eine Tiefgarage vorgesehen.

Ralph Giordano protestierte 2007 scharf in einem offenen Brief im Kölner Stadtanzeiger gegen die Mega-Moschee. Angesichts der gescheiterten Integration würde ein falsches Bild von den wahren Beziehungen zwischen muslimischer Minderheit und Mehrheitsgesellschaft durch solch einen Bau entworfen werden.

Im November 2009 fand trotz aller Einwände und Bedenken die Grundsteinlegung statt.

Die Einwände und Bedenken der ansässigen Bevölkerung in Köln-Ehrenfeld wurden ebenso missachtet, wie es aktuell in der bayerischen Landeshauptstadt München geschieht. Unter Federführung des noch amtierenden Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD) und im Schulterschluss mit dem dubiosen Penzberger Imam Bajrambejamin Idriz soll dort auf Biegen und Brechen das Mega-Projekt ZIE-M (Zentrum für den Islam in Europa- München) realisiert werden.

Hochdemokratische Mittel wie ein Bürgerentscheid wird, wie metropolico mehrfach berichtete, von Ude mit allen Mitteln torpediert. (DB)