Frage an den Blauen Doc: Ist der NSU für den Gasangriff in Syrien verantwortlich?

Gesucht: Assads unversehrtes Bekennervideo
(Original: CFalk / pixelio.de; Quelle: pixelio; Original und Rechte: siehe Link)

Am 21. August 2013 kam es Berichten zufolge zu einem fürchterlichen Ereignis. Dabei sind in Syrien mehr als tausend Zivilisten durch Giftgas getötet worden. Das Interesse der internationalen Gemeinschaft und der Menschen, die diesem ominösen Gemeinschaftsverein noch nicht beigetreten sind, den Urheber des Ereignisses ausfindig, dingfest und ihm den Garaus zu machen, ist riesengroß.

Ganz offenbar handelte es sich um einen militärischen Schlag. Nun verfügt hier niemand über einen mächtigen Geheimdienst („Intelligence“ nennen die Amerikaner das ungewollt ironisch) oder über ein hochbezahltes Korrespondentennetz wie die die deutschen TV-Anstalten. Jedenfalls sind wir auf die Interpretation des Anscheins angewiesen. Und auf das Entdecken von Parallelen.

Worin besteht nun die Parallele zum NSU und wie begründet sich die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob dieser nicht hinter der ganzen Sache stecken könnte? Auf jeden Fall ist festzuhalten, dass es in beiden Fällen ganz real schlimme Verbrechen gab, und zwar in Syrien einen Militärangriff mit C-Waffen. Doch was macht einen Militärangriff aus? Muss es nicht vorher ein Angriffsziel geben und hinterher klar sein, wer nun die Schlacht gewonnen und wer sie verloren hat?

Nach Aussage von US-Außenminister John Kerry waren die Einwohner eines Vororts von Damaskus das Ziel des Angriffs. Keine kämpfenden Einheiten, keine kriegswichtigen Produktionsstätten, kein strategischer Verkehrsknotenpunkt oder Flughafen. Es bleibt nur die Vermutung, Assad hatte seine Widersacher mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen in Angst und Schrecken versetzen wollen.

Nun ist das in der Tat eine denkbare Strategie, wenn auch keinesfalls eine vertretbare. Massaker, Flächenbombardements und Statuieren von Exempeln hat es in zurückliegenden Kriegen zu genau diesem Zweck gegeben. Doch in allen Fällen war von Anfang an und immer sonnenklar, wer der Verursacher der Greuel war, denn Angst und Schrecken vor einem entschlossenen Feind war das einzige Ziel. Hier bestreitet der Terrorist stattdessen wunderlicherweise die Tat. Ohne den dankenswerten Einsatz der amerikanischen Geheimdienste wäre den Bewohnern Syriens in diesem Fall noch immer nicht klar, vor wem sie nun Angst haben müssen.

Für einen Kriegsherrn ist das eine sehr seltsame Strategie: das Risiko des Angriffs zu wagen, einen wahrscheinlichen amerikanischen Angriff in Kauf zu nehmen, dann aber den möglichen Nutzen durch Leugnen der Verantwortung für die Tat nicht einzulösen. Und hier schließt sich der Kreis zur außergewöhnlichen Terrororganisation namens NSU. Auch deren Mitglieder sollen nach gängiger Lesart die Risiken von Morden auf sich genommen haben ohne den morbiden Nutzen daraus ziehen zu wollen, nämlich in diesem Fall Schrecken unter den Einwanderern zu verbreiten. Um das zu erreichen, benötigte man wiederum die Unterstützung der Geheimdienste, diesmal der deutschen.

Natürlich bleibt in beiden Fällen die präsentierte Lösung prinzipiell möglich. Ja, es kann sein, dass ein Herrscher außer Rand und Band ohne Sinn und Verstand tausend und mehr Landsleute vergiftet. Ja, es kann sein, dass eine kleine Handvoll politisierter Wirrköpfe aus Protest zu heimlichen Massenmördern wurde. Nein, wir verfügen nicht über die unfehlbaren Informationen der Geheimdienste.

Wir können nur hinhören und uns einen Reim darauf machen. Ansonsten bleibt als Alternative, mit den Amerikanern und – hört, hört(!) – ohne die Engländer gegen Syrien zu segeln oder doch wenigstens in Ankara, der Partnerstadt von Damaskus, eine Straße umzubenennen.