Lafontaine, Schröder und Honecker beim Plausch (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0909-423 / Sindermann, Jürgen / CC-BY-SA, cc-Lizenz)
Lafontaine, Schröder und Honecker beim Plausch (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0909-423 / Sindermann, Jürgen / CC-BY-SA, cc-Lizenz)

Münchner Freiheit: Angela Merkel gibt Uli Hoeneß die Hand. Dieter Reiter (SPD) lässt sich vom Bayern-Präsidenten zur selben Veranstaltung einladen. Wer hat falsch gehandelt?

Die Jugendorganisation der SPD macht mit einem Bild von Uli Hoeneß und Angela Merkel Wahlkampf. Die Jungsozialisten wollen 100.000 mit dem Motiv des Händedrucks zwischen den beiden unter das Wahlvolk bringen. Angela Merkel werden auf der Postkarte die Worte „Glückwunsch Uli! Wir Steuern das schon“ in den Mund gelegt.

Der „politische Künstler“ Klaus Staek, selbst SPD-Mitglied und Gestalter der Postkarte, wird nun durch Peer Steinbrück verteidigt. Er lässt das Wahlvolk wissen:

„Erst beschweren sich einige über einen angeblich lahmen Wahlkampf. Dann gibt es dank Klaus Staeck etwas politische Satire und es erregen sich dieselben Gemüter. Es ist Wahlkampf!“

Staek selbst hält es für politisch, dass die Bundeskanzlerin Hoeneß bei dem Champions League-Finale in London die Hand schüttelte. Jedenfalls politisch genug, um der CDU-Chefin nur wenig bis gar nicht verblümt, das Eintreten für den Steuerhinterzieher Hoeneß zu unterstellen.

Doch was ist der Vorwurf? Was ist die Erwartungshaltung Peer Steinbrücks gegenüber der Kanzlerin? Hätte diese dem Bayern-Präsidenten voller Verachtung ob seiner eingeräumten Steuerstraftaten vor die Füße spucken sollen? Hätte Peer Steinbrück dies an Stelle Angela Merkels getan? Vielmehr wäre doch zu erwarten, dass der Sozialdemokrat soviel Anstand besessen hätte, im Rahmen eines Fußballspiels seinem ehemaligen Berater in Wirtschaftsfragen die Hand zu schütteln.

Doch während es aus Sicht der Jungsozialisten und dem Parteikünstler Staek Merkel zum Vorwurf gereicht, dem Bayern-Präsidenten Hoeneß die Hand geschüttelt zu haben, darf der Sozialdemokrat Dieter Reiter davon berichten, wie stolz er darauf sei, von dem Verein des Uli Hoeneß zu ebenjener Veranstaltung eingeladen worden zu sein, bei der die CDU-Vorsitzende auf frevelhafte Weise ebendiesem die Hand reichte.

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) fand sowohl die Reise seines Wirtschaftsreferenten Reiter richtig, wie auch die Tatsache, dass der Verein des ach so verachteten Hoeneß für Flug, Hotel, Verpflegung und sonstige Kosten aufkam. Dennoch hat Ude laut Süddeutscher Zeitung (SZ) keine Bedenken gegen die Aktion, bei der die Jungsozialisten den Einlader seines Parteifreundes auf´s Korn nehmen. „Es gehe ja nicht um Fußball, sondern um Steuerhinterziehung“, lässt der fein differenzierende Ude sein Hausblatt SZ wissen.

Während Ude es als richtig bezeichnete, dass ein Repräsentant der Stadt München bei dem Champions League-Finale in London anwesend ist – und sich einladen ließ – hat der Kandidat um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten ein Problem damit, wenn die Kanzlerin dem Präsidenten eines der Teilnehmer am Finale die Hand reicht. Sollte Dieter Reiter zwar die Reise angenommen, die Hand des Uli Hoeneß aber aus politischen Anstand verweigert haben? Jedenfalls ganz ohne Hoeneß die Hand zu schütteln trat der Bewerber um das Amt des Münchner Oberbürgermeisters mit diesem zusammen im Rathaus auf.

Ob die Jungsozialisten mit Segen Steinbrücks und Udes auch noch Bilder von Hoeneß und Reiter verteilen werden, ist derzeit noch unklar. Aber auch ohne dieses Motiv hätten die Sozialdemokraten eine große Auswahl an Handschüttel-Momenten zu bieten. So das Bild, das die früheren Chefs der Sozialdemokraten mit dem Chef der „DDR“ zeigt.

Lafontaine (links) beim politisch sauberen Händedruck (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1988-0818-405 / Franke, Klaus / CC-BY-SA, cc Lizenz)
Lafontaine (links) beim politisch sauberen Händedruck (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1988-0818-405 / Franke, Klaus / CC-BY-SA, cc Lizenz)

Ob bei dieser Gelegenheit über den Schießbefehl geplaudert wurde, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall kann ausgeschlossen werden, dass Erich Honecker Steuerbetrug vorgeworfen wurde. Der Staats- und Parteichef Honecker war im Vergleich zu Hoeneß moralisch sogar derart untadelig, dass Lafontaine in dessen (Nachfolge-)Partei wechselte.

Diese hatte wiederum einen so guten Leumund, dass die Sozialdemokraten mit ihr reihenweise Koalitionsregierungen eingingen. Gerüchten zufolge will der Sozialdemokrat Steinbrück nach dem Bundestagswahlkampf und dem Scheitern einer rot-rot-grünen Machtwechsels wieder gut dotierte Vorträge halten. Derzeitiger Arbeitstitel der Vortragsreihe: Wie man als Sozialdemokrat politisch integer bleibt – und sich die Hände durch Schütteln nicht schmutzig macht.