Die Liebe der Hellenen für Deutschland ist erloschen

Das Ende einer Liebesbeziehung – Die Hellenen haben den Deutschen die Liebe entzogen (Bild: metropolico)

War Deutschland 2005 noch das Lieblingsland der Hellenen, so sieht es heute, 2013 nach einer gescheiterten Liebesbeziehung aus.

Wie das so mit einer enttäuschten Liebe ist – man sucht sich eine neue Liebe. Erwiesen damals noch 78 Prozent der Griechen Deutschland die Gunst, so haben sie sich heute mit 55,5 Prozent mehrheitlich der USA zugewandt.

Warum liebt ihr uns nicht mehr?

Was genau nimmt man dem einst so heiß geliebten Teutonen nun übel? Bestimmt nicht die zugesprochenen milliardenschweren Notkredite,  um das Land vor dem Staatsbankrott zu bewahren. Immerhin haftet Deutschland bislang mit rund 310 Milliarden Euro für den europäischen Rettungswahnsinn, Ex-Geliebte Griechenland inklusive. Rechnet man noch die Verbindlichkeiten aus dem Target-System sowie die Staatsanleihekäufe der Notenbanken dazu, kommt man hurtig auf 632 Milliarden Euro deutschem Haftungsvolumen, wenn die Währungsunion auseinander bräche. Auf diese Zahlen kommt das ifo-Institut mit ihrem euro-kritischen und deshalb unbeliebten Chef Hans-Werner Sinn. Das Finanzministerium weist diese Rechnung aber natürlich scharf zurück.

Was die Griechen den Deutschen so wirklich übel nehmen, sind also nicht die Milliarden von Stützungsgeldern, sondern die im Gegenzug verlangten Sparprogramme.

Die Liebe erstarb trotz des Anfang 2012 erfolgten ersten Schuldenschnitts. Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen gegen Griechenland – hier waren erstmal nur die Banken betroffen. Der erste Schuldenschnitt blieb ohne sichtbar positive Wirkung. Die Griechen dümpelten weiter vor sich hin. Das Land verarmte zusehends – die Arbeitslosenzahlen schossen durch den Olymp.

Schuldenschnitt kommt sicher – nach der Bundestagswahl

Kommt es zu einem zweiten, öffentlichen Schuldenschnitt müssen die Euro-Staaten und allen voran Deutschland verzichten – auf Milliardenwerte. Für Deutschland würde ein solcher Schritt Verluste in deutlich zweistelliger Milliardenhöhe bedeuten. Viele Ökonomen halten einen Schuldenschnitt für notwendig. So der Ökonom Henning Klodt vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Dieser sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass nach grober Schätzung 65 Prozent der öffentlichen Kredite an Griechenland abgeschrieben werden müssen. Denkbar sei auch, dass die anderen Länder auf Dauer die Zinslasten des griechischen Staats übernehmen.

Jetzt, so kurz vor der Bundestagswahl winken Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) wie verrückt ab und betonen unisono, dass sie „keinen Schuldenschnitt sehen“. Merkel stellte auch klar, dass man den Griechen keine Geschenke machen wolle. Klodt indes vermutet, dass nach der Wahl uns die Bundesregierung erklären wird, ein Schuldenschnitt sei „alternativlos“.

USA – My sweetheart

Bei soviel Härte erscheint doch die neue Geliebte in einem ganz anderen Licht. Man verklärt ja gerne, wenn man frisch verliebt ist – wer kennt das nicht? US-Präsident Barack Obama plädierte in der Euro-Krise dafür, weniger hart zu sparen und stattdessen die Wirtschaft stärker zu fördern.

Kai A. Konrad, 52, ist einer der führenden Finanzwissenschaftler Deutschlands. Er ist Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen München und Chef des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium (Bild: David Ausserhofer; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Die einstige Liebesbeziehung zwischen Deutschland und Griechenland darf wohl kaum auf einen zweiten Frühling hoffen, wenn der Chefberater des deutschen Finanzministers öffentlich den Vorschlag offeriert, dass Deutschland aus der Euro-Zone aussteigen solle.

Dieser Kai A. Konrad, ebenfalls Direktor für öffentliche Finanzen am Max-Planck-Institut in München, hatte bereits Anfang Mai, wie metropolico berichtete, dem Euro das Aus nach spätestens fünf Jahren attestiert.

Nun, Konrad erwartet immer noch das Kollabieren des Euro, so sagte er es in einem WeltOnline Interview. Deutschland solle den Euro verlassen. „Der Euro ist nicht Europa“, so Konrad. „Europa sollten wir retten, nicht den Euro!“ Deutschland könne zwar aus politischen Gründen nicht selbst aussteigen, so der 52-jährige Chef des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium.

Die anderen Länder können Deutschland aber dazu drängen. Dazu kann es kommen. Und wenn Deutschland und ein paar andere starke Länder die Währungsunion verlassen, wird der Euro abwerten und die südeuropäischen Länder kämen wirtschaftlich wieder auf die Beine, so Konrad.

Vielleicht wäre das ja eine Möglichkeit für einen Neuanfang der gescheiterten Liebesbeziehung. Wobei – Alte Liebe neu aufwärmen – davon raten Liebesprofis ab. (BS)