Chefberater des Bundesfinanzminister rechnet mit dem Zerfall de Eurozone

Vielleicht steht ein Wiederbelebungsversuch der DM ins Haus? (Bild: Franzfoto; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Professor Dr. Kai Konrad rechnet mit dem Zerfall der Eurozone. Deutschlands müsse die Währungsunion verlassen – je schneller, desto besser. Die Südländer könnten dann durch einen abgewerteten auf eine wirtschaftliche Erholung hoffen.

Er ist einer der engsten Wirtschaftsberater der Bundesregierung. metropolico berichtete bereits Anfang Mai über den Chefberater der Bundesregierung Professor Dr. Kai Konrad. Im Mai sagte Konrad, dass er die Euro-Rettungspolitik aus Rettungsschirmen und die, nach den Maastrichter Verträge eigentlich ausgeschlossene Finanzierung maroder Mitgliedsstaaten durch die Europäische Zentralbank (EZB) und der „Troika“ für gescheitert halte und davon ausgehe, dass der Euro noch maximal fünf Jahre durchhalte.

„Europa muss gerettet werden, nicht der Euro“

Nun meldet sich der 52-jährige Chef des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium zurück und schlägt den Euro-Austritt Deutschlands vor.

In einem Interview mit der Welt sagte Konrad, der neben seiner Beratungsfunktion der Bundesregierung auch Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen ist, dass Deutschland bei zunehmender Verschärfung der Eurokrise den Währungsraum verlassen müsse. „Europa müsse gerettet werden, nicht der Euro“, so Konrad im Interview.

Kai A. Konrad, 52, ist einer der führenden Finanzwissenschaftler Deutschlands. Er ist Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen München und Chef des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium (Bild: David Ausserhofer; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Konrad sieht, dass die angeschlagene Wirtschaft im Süden Europas nur durch eine Abwertung des Euro zu retten ist. Deutschland könne zwar aus politischen Gründen nicht selbst aussteigen, so der 52-jährige Chef des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium.

Die anderen Länder können Deutschland aber dazu drängen. Dazu kann es durchaus kommen. Und wenn Deutschland und ein paar andere starke Länder die Währungsunion verlassen, wird der Euro abwerten und die südeuropäischen Länder kämen wirtschaftlich wieder auf die Beine.“

Griechenland sei immer mehr zu einem „Fass ohne Boden“ geworden. Eine neue starke D-Mark wäre gut für die Deutschen.

Deutschland könne die Eurozone nicht retten, auch nicht die EZB, sagte Konrad. Wer dies glaubt, verweigert sich der Realität. Die EZB kann den Status quo nur dadurch halten, das sie den Geldhahn immer weiter öffnet und sich so in die Fiskalpolitik einmischt. Am Ende wird das Gefälle in der wirtschaftlichen Dynamik innerhalb Europas erheblich verstärken.

Wie lange hat der Euro noch?

Der Prozess kann, wie das Beispiel der Lateinischen Münzunion zeigt, ein langsames Sterben sein. Selbst wenn das deutsche Verfassungsgericht das OMT-Programm nach den Wahlen als verfassungswidrig ansieht, und das gilt als unwahrscheinlich, würde es an der momentanen Situation nichts ändern. Das deutsche Verfassungsgericht kann der EZB nichts vorschreiben – das Ankaufprogramm bliebe voll intakt und die BRD haftet weiter für seine 27 Prozent an den EZB-Anleihen. Und dies solange der Währungsraum besteht. Je später man reagiere desto teuerer werde es für Deutschland, so Konrad.

Neu ist die Idee Konrads bei Leibe nicht. So hatten Hans-Olaf Henkel  und Dirk Meyer, jetziger Berater der Alternative für Deutschland (AfD), das Konzept des Nord-Euros und Süd-Euros erarbeitet und seit 2011 versucht, diese Idee salonfähig zu machen. Dabei wurde der ehemalige IBM-Manager und BDI-Präsident Henkel schon mal von den Qualitätsmedien als Euro-Sarrazin betitelt. Die AfD geht mit der Idee in den Wahlkampf, die D-Mark als Parallelwährung zum Schutz vor der Inflation und als Rettungsinstrument zu verwenden.

Denkwürdig ist also, weshalb der Chefberater Schäubles kurz vor der Bundestagswahl mit dieser Empfehlung um die Ecke biegt. (DB)