Diskriminierung von Sinti und Romas durch Zigeunersauce

Bislang die linguistische Säuberungsaktion überlebt: Die Zigeunersauce (Bildkollage: metropolico)

Ein Verein von Sinti und Roma in Hannover hat die Hersteller von „Zigeunersaucen“ aufgefordert, diese wegen des diskriminierenden Begriffs umzubenennen.

Weltweit leben etwa zwölf Millionen Sinti und Roma, die meisten davon in Europa. Die Bezeichnungen für diesen Personenkreis sind, politisch korrekt, für die im deutschsprachigen Raum lebenden Menschen Sitis und Roma für die im europäischen Raum lebenden Menschen dieses Kulturkreises. Sinti und Romas sprechen unterschiedliche Sprachen, aber sie verbindet die gemeinsame Herkunft. Vor etwa 1.500 Jahren kamen sie aus Indien nach Europa. Früher galten sie als „fahrendes Volk und wurden landläufig als Zigeuner bezeichnet.

Darf es dann Sinti-und Roma-Sauce sein?

Die Bezeichnung „Zigeunersauce“ indes bezeichnet eine Champignon-Tomatensauce der klassischen Küche, die heute in der Regel nur noch in einer stark vereinfachten Variante zubereitet wird und als Fertigsauce käuflich zu erwerben ist. Und dies zum Teil schon seit mehr als 100 Jahre. Diese Tradition könnte nun aber ein Ende haben, denn in Hannover kämpft der Vorsitzende des „Forums der Sinti und Roma“, Regardo Rose, gegen diese Markenbezeichnung für diese scharfen Saucen.

„Ich hoffe, dass die Konzerne ein Einsehen haben und sagen, die Leute haben recht und nennen ihre Produkte anders“, so Rose. Er fühle sich diskriminiert und beschimpft, wenn von Zigeunern die Rede sei, neun Geschwister und weitere Familienmitglieder von ihm seien im Konzentrationslager ermordet worden. Außerdem habe die Zigeunersauce keine kulinarischen Wurzeln in der Küche der Roma und Sinti, sondern eher in Ungarn.

Die Anwältin des Vereins zeigt dann noch die altbewährte Rassismuskeule, in dem sie davon ausgeht, dass „die Hersteller sich nicht des Vorwurfs aussetzen wollen, rassistisch oder diskriminierend zu sein“, so die Bildzeitung.

Keinen negativen Beiklang

Die Hersteller haben nach einer ersten Stellungnahme gegenüber der Neue Presse nicht vor, die Zigeunersauce umzubenennen. Der Lebensmittelkonzern Unilever, der unter der Marke Knorr Zigeunersauce anbietet, verweist auf die lange Tradition des Begriffs und sieht keinen negativen Beiklang.

Es gebe häufiger Produkte, die nach Gegenden oder Volksgruppen benannt seien, erklärte ein Sprecher. So habe es vereinzelte Kritik an dem in Österreich vermarkteten Eskimo-Eis gegeben, weil der Begriff von den Polarbewohnern auch als Schimpfwort gesehen wird. Nach einem Dialog sei es bei dem Namen geblieben.

Überraschend Unterstützung erhalten die Zigeunersaucen-Hersteller vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, der davor warnte, dogmatische Sprachregelungen einzuführen. Bei Begriffen wie „Zigeunerschnitzel“ oder „Zigeunersauce“ sei es unsinnig, die Bezeichnung „Zigeuner“ durch die Eigenbezeichnung „Sinti und Roma“ zu ersetzen. Es ziehe das eigentliche Anliegen der Sinti und Roma ins Lächerliche.

Linguistisch gesäubertes Essen

Der WeltOnline-Autor Matthias Heine macht sich zu Recht darüber Gedanken, ob linguistisch gesäubertes Essen wohl besser schmecken würde. Selbst auf „hinterwäldlerischen ostdeutschen Autobahnen“ wurde das diskriminierende „Zigeunerschnitzel“ durch das politisch korrekte „Balkanschnitzel“ ersetzt. Ob diese Umbenennung allerdings glücklich war, bezweifelt der Autor, da der Balkan mit Bandenkriminalität und ethnischer Säuberung in Verbindung gebracht wird.

Warum aber die „Zigeunersauce“ die linguistische Säuberungsaktion bislang überlebt hat, Möhrenköpfe, Negerküsse und Granatsplitter als rassistisch und militaristisch indes gebannt und von der „Lecker-Lecker-Karte“ verschwanden, darauf kann der Autor auch keine Antwort liefern.

Dagegen darf der Amerikaner immer noch so heißen, weil das namengebende Volk keinen Minderheitenschutz genießt. (DB)