Frage an den Blauen Doc: Wer spricht hier von Erholung?

Elendsquartiere
(Bild: lucky – pixel / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Original und Rechte: siehe Link)

Des Deutschen liebstes Kind ist … ? Nein, es ist nicht das Auto. Niemand traut sich noch offen und ehrlich von den geilen Beschleunigungswerten zu schwärmen, die das neue Gefährt bietet. Stattdessen folgt in jedem Auto-Gespräch die obligatorische Entschuldigungslitanei, warum man in diesem besonderen Falle das Auto benutzt hat und dass das eigene Fahrzeug doch so erstaunlich sparsam fährt.

Es ist nicht das Auto, es ist der Urlaub. Hier ist es noch erlaubt, stolz über weite Reisen an ungewöhnliche Orte zu schwärmen. Entschuldigungen erfolgen allenfalls, wenn es mal „nur“ die Ostsee oder gar Mallorca war (wir-waren-im-Norden-und-nicht-am-Ballermann). Wer entlegene Regionen und fremde Kulturen persönlich besucht hat, erntet Prestige.

Ein Urlaub etwa in einer Gegend, in der die Luft vor Hitze und Schwüle vibriert. Die Menschen vor Ort leben in ärmlichen Verhältnissen. Kaum jemand hat ein festes Dach über dem Kopf, allenfalls eine kleine Hütte mit dünnen Wänden. Die meisten können sich dies augenscheinlich nicht leisten. Stattdessen schaffen sie sich die Illusion der eigenen vier Wände mit Zeltplanen. Echte Privatsphäre gibt es nicht. Man sieht die Bewohner am Abend spärlich bekleidet vor den Behausungen ihre Mahlzeiten zubereiten und einnehmen.

Die vorhandenen Habseligkeiten werden stolz zur Schau gestellt. Dies ist selten mehr als ein Kühlschrank und ein Röhren-TV-Gerät mit Satellitenschüssel. Der Kontrast zu den SUVs, die gelegentlich dort vorbeifahren, könnte größer nicht sein.

Die wenigen Spielplätze sind in einem traurigen Zustand. Daher sieht man die vielen Kinder oft am Straßenrand sitzen oder ballspielen. Einige nehmen auch den Weg auf sich, um in einem Becken mit trübem Wasser, welches in puncto Reinheit nicht mit unseren Freibädern zu vergleichen ist, ausgelassen zu plantschen.

Die Ordnung wird durch einen privaten Wachschutz des Landeigners gehütet, der den Bewohnern dafür unverschämte Beträge abnimmt. Vor der einzigen Backstube in der Umgebung bilden sich morgens lange Schlangen. Brot und die übrigen erhältlichen, notwendigsten Artikel sind überteuert und von fragwürdiger Qualität, doch die hungrigen Mäuler wollen gestopft werden, also haben die Menschen dort keine echte Wahl.

Freiwillige Selbstkasteiung
(Bild: Klaus-Peter Wolf / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Original und Rechte: siehe Link)

Die Menschen, deren Leben sich an einem solchen Ort abspielt, sind wirklich zu bedauern. Kein Mitleid braucht man aber zu haben mit den Menschen, die vollkommen freiwillig so leben, Jahr für Jahr, wieder und wieder. In den Favelas von Rio? In UN-Flüchtlingslagern? Nein! Auf den Campingplätzen in Italien und anderswo in Europa!