Ruf nach deutsch-musli­mischem Gütesiegel für rituelles muslimisches Schächten

Forderung nach deutsch-musli­mischem Gütesiegel für Halal- Lebensmittel (Bild links: VerfassungsSchützer; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link; Bild rechts Logo: Stiftung Warentest )

Wie am Donnerstag auf der Internetseite der Stiftung Warentest zu lesen ist, ruft der Zentralrat der Muslime in Deutschland die Bundesregierung auf, ein einheitliches Gütesiegel für deutsch-muslimisches Lebensmittel zu entwickeln.

Erlaubt, zulässig – so laute übersetzt das arabische Wort halal. Halal-Lebensmittel entsprechen dem islamischen Reinheitsgeboten. Wer diese Produkte sucht, könne sich in einem Wald von Siegeln verlieren, so auf der Stiftung-Warentest-Internetseite zu lesen.

Deshalb hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland die islamischen Religionsgemeinschaften aufgerufen, mit der Bundesregierung einheitliche Kriterien für ein deutsch-muslimisches Gütesiegel zu entwickeln.

Schlichte Falschdarstellung des muslimischen Schächtens und dessen Umfang

Vor allem bei den Zusatzstoffen hätten Islamvertreter unterschiedliche Ansichten. Nicht alle ließen Aromastoffe auf Alkoholbasis zu. Einigkeit bestehe, dass Alkohol und Schweinefleisch tabu seien. Das Fleisch, etwa vom Lamm, muss aus ritueller Schlachtung stammen. Dabei sei es wichtig, dass ein Moslem die Kehle der Tiere durchtrennt. Ein christlicher Metzger macht demnach das Schlachtfleisch „unrein” und damit unverzehrbar. Das gilt selbstredend auch für alle „ungläubigen” Metzger. Es muss ein muslimischer Schlächter sein.

Weiter heißt es, dass in Deutschland die Tiere meist betäubt werden, traditionelles Schächten sei aus Tierschutzgründen verboten und nur in Ausnahmen erlaubt. Diese Behauptung ist schlichtweg irreführend bis falsch, wie metropolico berichtete.

2002 führte ein muslimischer Metzger eine Beschwerde, da ihm die Ausnahmegenehmigung für das Schächten wieder entzogen worden war. Das Bundesverfassungsgericht anerkannte, dass ein vorheriger Entzug der Schächtungserlaubnis die Grundrechte des deutsch-türkischen Metzgers unverhältnismäßig eingeschränkt habe. Es genügt nun, wenn Teilgruppen einer religiösen Gemeinschaft das Schächten für erforderlich halten, um die Ausnahmegenehmigungen zu erhalten.

Von wegen Ausnahmen –

Die Ausnahmeregelung des Tierschutzgesetzes (§ 4a (2) 2) wird zur Norm. Denn angesichts der Masse der Anträge wäre es abwegig, weiterhin von Ausnahmegenehmigungen zu sprechen. Nach Schätzungen der Bundestierärztekammer, die zu diesem Thema ein Gutachten vorgelegt hat, werden bis zu 500.000 Tiere pro Jahr aus religiösen Gründen betäubungslos geschächtet. Das Gutachten kommt weiterhin zu dem Schluss, dass selbst unter optimalen Bedingungen es bei den Tieren „zu erheblichen Leiden und Schmerzen kommt“.

Die EU-Richtlinien legen strenge Vorgaben bei der Schlachtung auf. So zum Beispiel sind die baulichen Voraussetzungen, wie getrennte Räume für das Schlachten und die Weiterverarbeitung genau geregelt.

Betäubungslos geschächtet wird bei der enormen Halal–Nachfrage jedoch auch auf Hinterhöfen, kleinen Schlachtbetrieben und in Wohnungen. So unterbleibt beim rituellen Schächten, also beim Durchtrennen der Luft- und Speiseröhre des unbetäubten Tieres, das vorgeschriebene Abbinden der Speiseröhre.

Im Todeskampf gelangen Keime aus dem Magen der Tiere über die Speiseröhre bis in die Lunge. Hinzu kommen Kot und Urin, die von den qualvoll sterbenden Tieren abgesondert werden. Immer häufiger werden die gefährlichen Ecoli-Bakterien im Hackfleisch nachgewiesen, die maßgeblich im Darm von Rindern zu finden sind.

2011 lag der Anteil von Halal-Produkten am gesamten Lebensmittelumsatz bei 2 Prozent, so Stiftung Warentest. Augenscheinlich nicht mit eingerechnet: Das Fleisch aus Schächtungen in Hinterhöfen. (BS)