Ausschreitungen nach Kontrolle von vollverschleierter Muslima

Gewalttätige Ausschreitungen nach Personenkotrolle einer Muslima (Bild: Screenshot Nachrichtensender France 2, Rechte: siehe Link)

In Pariser Vororten kam es am Wochenende zu schweren Ausschreitungen. Eine durchgeführte Personenkontrolle bei einer verschleierten Muslimin und die vorübergehende Festnahme ihres Mannes wurden von den mehrheitlich muslimischen Anwohnern als gezielte Provokation gewertet. Ein Flächenbrand wird befürchtet.

Wie bereits in Stockholmer Vororten geschehen (metropolico berichtete) kam es nun in der zweiten Nacht in Folge in Pariser Vororten zu schweren Attacken auf die Polizeikräfte.

Wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichten, ist die bisherige Bilanz erschreckend. 20 Fahrzeuge, darunter ein Polizeiwagen und eine komplette Fabrik brannten aus. Die Polizei musste Tränengas und Gummigeschosse einsetzten. Ein Auto raste in eine Gruppe von Polizisten, die sich im letzten Moment noch retten konnten.

Personenkontrolle einer vollverschleierten Muslima war der Anlass

Grund für die Gewalt der Anwohner, die maßgeblich aus Afrika und dem Maghreb stammen, war eine Personenkontrolle einer Frau mit Vollverschleierung. Das Tragen dieser weiblichen muslimischen Körperverschleierung ist in Frankreich seit zwei Jahren verboten. Ihr Mann, ein 21-jähriger Konvertit, wurde festgenommen, nachdem er laut Staatsanwaltschaft auf einen der Beamten losging und diesen würgte. Er wurde daraufhin zur zuständigen Polizeistation verbracht, kam aber am Samstag wieder auf freien Fuß. Er muss sich nun vor Gericht verantworten.

Anwohner versammelten sich zuvor am Freitag vor der Polizeistation, zu der der junge Mann gebracht worden war und verlangten seine Freilassung. Etwa 250 Menschen hatten sich vor dem Polizeigebäude versammelt, insgesamt 400 Anwohner gingen in dem Viertel auf die Straße. Die Polizeiwache sei mehr als eine Stunde lang „belagert“ worden, so Welt Online. Die Demonstranten hätten Steine auf das Gebäude und in Richtung der Beamten geworfen. Zudem seien Mülleimer angezündet und Buswartehäuschen zerstört worden. Die dortige Polizei forderte Verstärkung an.

Ein Sprecher der Gewerkschaft Unité SGP Police sagte, dass die Unruhen bereits auf die umliegenden Regionen übergreifen.

Islamophobie und Provokation von Seiten der Polizei

Organisationen wie das „Kollektiv gegen Islamophobie“ äußerten gegenüber der BBC, dass es sich bei der Personenkontrolle um gezielte Provokationen der Polizei gehandelt habe.

Der französische Innenminister Manuel Valls stellte 30 Einsatzfahrzeuge in Trappes, einer der betroffenen Vororte, bereit. Diese sollen so lange dort verbleiben, bis wieder Ruhe eingekehrt ist.

Aktuell leben rund sechs Millionen Einwanderer in Frankreich. Viele von ihnen sind ohne Ausbildung und Arbeit und schrecken zunehmend weniger vor Straftaten zurück. Sie dominieren die Pariser Vorstädte, aber auch andere urbane Gebiete in Frankreich.  Äußerlich sehen diese Vorstädte noch europäisch aus, so eine Dokumentation, über die metropolico ausführlich berichtete – das Leben darin sei jedoch vom Islam geprägt.

Wie die meisten europäischen Länder ernten die Franzosen nun die Früchte von jahrzehntelanger verfehlter Einwanderungspolitik. Auch in Frankreich wurde über Jahrzehnte die Einwanderung von Millionen Menschen aus dem außereuropäischen Raum gefördert, ohne die Folgen zu analysieren und zu bewältigen. Der größte Teil der Immigranten stammt aus den ehemaligen französischen Kolonien Marokko, Tunesien, Algerien und der Subsahara-Afrika. Viele dieser Immigranten wohnen in großen, ab den 1970er Jahren entstandenen Neubausiedlungen an den Rändern der Großstädte, den Banlieues. Die Integration der Einwanderer, von denen eine Mehrheit die französische Staatsbürgerschaft hat, ist nur sehr unvollständig gelungen.

Im Jahr 2005 kam es zu den bislang schwersten Unruhen in den meist von muslimischen Einwanderern bewohnten Pariser Vorstädten. Damals wurde der Ausnahmezustand verhängt. Und auch damals befürchtete die französische Regierung einen Flächenbrand. (BS)