Amerikas Industriemetropole Detroit meldet Insolvenz an

Vom Industrieriesen zum Zwerg – früher war Detroit das Zentrum der US-Autoindustrie. Dann begann der Niedergang von Motor City. Nun kann die Stadt Schulden in Milliardenhöhe nicht mehr zahlen und ist insolvent (Bild: Fujiwara06; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Am Donnerstag meldete einer der ehemals größten Industriemetropolen der USA Insolvenz an. Detroit hat keinen Penny mehr in der Kasse.

Die Bankrotterklärung sei „der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit“, erklärte der Gouverneur des Bundesstaates Michigan, Rick Synder. Detroit ist die größte amerikanischen Stadt, die jemals Insolvenz angemeldet hat.

Detroit ist mit knapp eine 715.000 Einwohnern auf Platz 18 der größten Städte der Vereinigten Staaten. Sie galt einst als das Mekka der US-amerikanischen Automobilindustrie und wurde aufgrund ihrer Bedeutung für die US-amerikanische Automobilwirtschaft auch Motor City genannt.

Seit März unter Zwangsverwaltung

Wegen der hohen Verschuldung stellte der Gouverneur Michigans, Rick Snyder Detroit am 15. März 2013 unter Zwangsverwaltung des Bundesstaats. Am 18. Juli 2013 meldete Detroit nun endgültig Insolvenz an. Die Schulden der Stadt werden auf 18,5 Milliarden US-Dollar (14 Milliarden Euro) geschätzt. Die jährlichen Zinsen von 246 Millionen Dollar kann die Stadt nicht mehr bedienen, so das Handelsblatt.

In den 50er Jahren war Detroit mit 1,8 Millionen Einwohner Amerikas viertgrößte Stadt und zählte sich zu den „Boom-Towns“ Amerikas. Detroits Automechaniker gehörten in den 60er Jahren zu den Arbeitnehmer mit dem besten Verdienst in den USA. Im Laufe der Jahre und der zunehmenden Globalisierung verkleinerte und verlagerte die einst mächtige Autoindustrie ihre Standorte. Die zunehmende Automatisierung gerade in der Autoindustrie tat ihr Übriges. Mit der Finanzkrise wurde die Situation noch dramatischer. Dazu war die Stadtverwaltung zuletzt in mehrere Korruptionsskandale verwickelt.

Wer kann, verlässt Detroit

Detroit war als Wohnort immer weniger attraktiv. Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2010 verlor die Stadt eine Viertelmillion Einwohner. Mehr als 100.000 Wohnungen stehen nun in Detroit leer. Die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe. Straßenbeleuchtungen gibt es so gut wie keine mehr. Wegen der enormen Kürzungen im öffentlichen Dienst kann die Stadt die öffentliche Sicherheit kaum noch garantieren. Die Polizei und Feuerwehr rücken nur noch in extremen Notfällen aus. Im vergangenen Jahr hatte Detroit die höchste Kriminalitätsrate von US-amerikanischen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Detroit ist heute eine Geisterstadt.

Wer eine Perspektive für sich und seine Familie sucht, verlässt Detroit. Zurück bleiben Menschen, die wenig oder gar keine Steuern zahlen. Detroit durchlief eine Spirale der Verarmung und Verelendung. Dieses Schicksal könnte laut aktueller Zahlen auch deutsche Städte und Kommunen ereilen.

Deutsche Städte verarmen zunehmend

Hunderten hoch verschuldeten deutschen Städten drohen in den kommenden Jahren ebenfalls existenzielle Probleme und der finanzielle Absturz. Auch in deutschen Städten und Kommunen spüren die Bürger, dass Angebote ausgedünnt werden und die Infrastruktur leidet.

Der größte kommunale Ausgabenpulk sind die Sozialausgaben. Zu den wichtigsten Ausgabenblöcken im Sozialbereich zählen die Kosten der Unterkunft für Langzeitarbeitslose, die Jugendhilfe, die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen und die Grundsicherung für ältere Menschen.

Spitzenreiter auf der Liste der deutschen Städte, die die rote Laterne schwenken, nicht nur politisch, ist zur Zeit die nordrhein-westfälischen Stadt Oberhausen. Mit 1,8 Milliarden Euro ist die Stadt hoffnungslos überschuldet. Die Lage ist mittlerweile so katastrophal, dass die Stadt nicht einmal mehr selbst über ihre Ausgaben entscheiden darf. Oberhausen hat einen Nothaushalt und muss sich alle Ausgaben von einer Aufsichtsbehörde genehmigen lassen. Detroit lässt grüßen. (BS)