Türkische marxistische Terrorzelle agiert in Deutschland und Österreich

In Österreich und Deutschland sind die Sicherheitsbehörden letzte Woche gemeinsam gegen die türkische Gruppierung „Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front“ (DHKP-C) vorgegangen (Bild: metropolico)

Innenpolitische Konflikte aus der Türkei verlagern sich in immer stärkerem Maße nach Deutschland und Österreich.

Laut dem Verfassungsschutz Baden-Württemberg ist das Ziel der 1994 in Syrien gegründete „Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front“ (DHKP-C) die türkischen Staatsordnung durch ein marxistisch-leninistisches Regime zu ersetzten, das schließlich in die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft münden soll.

Die Organisation versteht es als „heilige Pflicht“, gegen die „Tyrannei und Ausbeutung“ in der Türkei zu kämpfen. Zur Erreichung ihrer Ziele führt sie den bewaffneten Kampf. Angriffsziele sind nicht nur der türkische Staat und dessen Organe, sondern auch weitere „Feinde des Volkes“, zu denen die DHKP-C in erster Linie den „US-Imperialismus“ zählt.

Deutschland wichtigstes Betätigungsfeld

Deutschland stellt neben Österreich in Europa das wichtigste Betätigungsfeld der DHKP-C dar. Ihre hier äußerst konspirativ geschaffenen Organisationsstrukturen sieht sie als einen „Teil der Befreiungsbewegung auf der Welt und der internationalen Solidarität“.

Weitere Stützpunkte befinden sich in den Niederlanden und Belgien. In diesen europäischen Ländern wurde eine Auslandsorganisation aufgebaut, die mit dem Ankauf von Waffen und der Sammlung finanzieller Mittel beauftragt ist. Das Geld für den Kampf wird unter anderem in Deutschland gesammelt.

Zahlreiche Brand- und Sprengstoffanschläge sowie auch Morde gehen auf das Konto der Volksbefreiungsfront. Zuletzt hatten sich Aktivisten im Februar zu einem Selbstmordanschlag gegen die US-Botschaft in Ankara bekannt, bei dem der Selbstmordattentäter und ein Wachmann getötet wurden.

Festnahmen von Aktivisten in Deutschland

In Österreich und Deutschland sind die Sicherheitsbehörden letzte Woche gemeinsam gegen die türkische Gruppierung vorgegangen. Zwei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 33 und 47 Jahren, die dem Führungskader der marxistischen Gruppe zugerechnet werden, seien in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen worden, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe laut dem Internetmagazin Die Presse mit.

Zudem seien mehrere Wohn- und Vereinsräume in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden durchsucht worden.

In Deutschland organisiert sich die DHKP-C durch Vereine, deren Satzungen keinen Rückschluss auf die Organisation zulassen. Der Solidaritätsverein mit den politischen Gefangenen und deren Familien in der Türkei (TAYAD), die Anatolische Föderation e. V. Köln und derVerband anatolischer Volkskulturvereine e.V. werden als der DHKP-C nahe stehend bezeichnet.

Mitglieder der DHKP-C haben in der Vergangenheit immer wieder Asylanträge in Österreich gestellt, da sie sich durch die türkischen Behörden verfolgt fühlen. (BS)