Bundeswehr-Studie zeigt: Die Bundeswehr steht kurz vor der Implosion

Bundeswehrverband schlägt Alarm „Bundeswehr steht kurz vor der Implosion“ (Bild: isafmedia; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe Link)

Mit einer hohen Rücklaufquote der Fragebögen von 58,1 Prozent zeigten 2.223 von insgesamt 3.800 befragten militärischen und zivilen Führungskräften der Bundeswehr an, dass die Neuausrichtung der Streitkräfte bei den Dienenden auf massive Unzufriedenheit stößt. Ulrich Kirsch, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes warnt: Die Bundeswehr steht kurz vor der Implosion.

Der Deutsche Bundeswehrverband hatte die Technische Universität in Chemnitz zum dritten Mal beauftragt, unter Bundeswehrangehörigen eine Zielgruppenbefragung durchzuführen. Am Montag wurden die wesentlichen Ergebnisse der Studie in Berlin vorgestellt. Sie zeichnen ein relativ düsteres Bild der Zustände in der Bundeswehr.

Die Bundeswehr befindet sich in einem kritischen Zustand

Demzufolge herrscht unter den Bediensteten weiter eine massive Unzufriedenheit über die Bundeswehr. Knapp drei Viertel der Befragten hält den Nachbesserungsbedarf für groß bis sehr groß. Nur acht Prozent der Befragten finden die Neuausrichtung der Armee „gut oder sehr gut“. Nur 17 Prozent würden den Dienst in der Bundeswehr empfehlen.

Hauptkritikpunkte sind die fehlende berufliche Planungssicherheit (83 Prozent), Mängel bei der Vereinbarung von Beruf und Familie (73 Prozent) sowie die Besoldung (42 Prozent). 60 Prozent der Befragten fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Wissenschaftler bewerten die Ergebnisse der Studie als alarmierend. Bereits in der Studie vor einem Jahr wurde von einem „kritischen Zustand“ gesprochen. Gegenmaßnahmen wurden nicht durchgeführt.

Fehlende Verankerung in der Gesellschaft

Die Neuausrichtung der Bundeswehr habe als Konsequenz eine „bisweilen starke Demotivierung“ beschert. Die Soldaten fühlten sich im Stich gelassen. Die Aufgabenerfüllung sei durch zu geringe Personalausstattung gefährdet. Kirsch verwies dabei auf zusätzliche Belastungen durch die neuen Auslandseinsätze in der Türkei oder in Mali .

In der Folge werden die Stehzeiten im Ausland immer länger, Regenerationsphasen in der Heimat immer kürzer“, sagte Kirsch. Das alles belaste die Soldaten. Man spare hier Truppe und Familien kaputt. Die Soldaten leisteten Außerordentliches, aber auch diese Menschen stoßen an ihre Grenzen, so der Bundeswehrbeauftragte.

In der Gesellschaft sei die Verankerung der Bundeswehr „mangelhaft und verbesserungswürdig“. Der übereilte Personalabbau sei der Hauptgrund für die enorme Unzufriedenheit. Die Arbeitsüberlastung sei augenscheinlich. Das einzige, was intern noch tragen würde, ist Kameradschaft und Teamgeist, so Kirsch.

Das innere Gefüge der Bundeswehr droht Schaden zu nehmen

Daher seien eine Nachsteuerung bei der Reform, ausreichende Ressourcen für deren Umsetzung und eine umfassende politische Unterstützung für die Bundeswehrangehörigen dringend geboten, so die Bewertung von Wissenschaftlern.

Der Bundeswehrverband hat für die Zeit bis 2017 10.000 zusätzliche Stellen für die Streitkräfte gefordert, um Umbrüche und Mehrbelastungen wegen der Bundeswehrreform bewältigen zu können. Wenn jetzt nicht schnell gehandelt werde, drohe das innere Gefüge der Bundeswehr nachhaltig Schaden zu nehmen.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière indes macht seinen Soldaten wenig Hoffnung auf Abhilfe. Die Richtung stimme, ließ er sie wissen. Außerdem seien „erst 20 Prozent der Wegstrecke zur Neuausrichtung“ zurückgelegt und die Situation verbessere sich jetzt „Monat für Monat“, so die Preußische Allgemeine Zeitung.

Die Reform der Bundeswehr ist die bislang umfassendste in der Geschichte der Streitkräfte. Die maßgeblichste Veränderung war die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011. Die Truppenstärke soll von 250.000 Soldaten soll auf höchstens 185.000 reduziert werden. Die Zahl der Zivilbeschäftigten sinkt von 76.000 auf 55.000. Des Weiteren sollen 32 Bundeswehrstandorte bis 2017 geschlossen werden. 90 Standorte sollen drastisch verkleinert werden.

Soldaten haben unseren Respekt verdient

Aussagen wie die des obersten Dienstherrn der Bundeswehr Thomas de Maizièrer Anfang dieses Jahres, Soldaten hätten den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung – Sie seinen geradezu süchtig danach und sollten endlich damit aufhören, dauernd nach Anerkennung zu gieren – dürften die Motivation der Bundeswehrsoldaten naturgemäß nicht beflügeln.

Wenn Preisverleihungen bejubelt werden, die, wie der Aachener Friedenspreis Schulen dafür auszeichnet, es geschafft zu haben, der Bundeswehr Veranstaltungen und Auftritte im Unterricht zu untersagen und dies dann noch, wie metropolico berichtete, als Kampf gegen den „Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft“ zu verkaufen, zeugt davon, wie wenig gesellschaftliche Anerkennung Menschen bei uns erfahren, die im Ernstfall ihr Leben für Deutschland aufs Spiel setzen. (BS)